Die European Payments Initiative (EPI) will die Zahlungsabwicklung aufmischen. Neue Chefin wird Martina Weimert.

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30.11.20
Cash Management & Zahlungsverkehr

Martina Weimert führt die European Payments Initiative

Nach langer Suche hat die European Payments Initiative in Martina Weimert eine Chefin gefunden. Zudem sind zwei Schwergewichte der Zahlungsabwicklung dem Prestigeprojekt beigetreten.

Die „European Payments Initiative“ hat nach längerer Suche eine CEO gefunden: Wie das Zahlungsverkehrsbündnis bekanntgegeben hat, wird Martina Weimert die EPI in Zukunft führen. Die Managerin kommt von dem Beratungshaus Oliver Wyman, wo sie bisher als Partnerin agiert. Aufsichtsratsvorsitzender wird Joachim Schmalzl, Vorstand beim Lobbyverband der Sparkassen DSGV.

European Payments Initiative zählt 16 Mitglieder

Bei der EPI handelt es sich um einen Zusammenschluss aus 16 europäischen Banken, die sich zum Ziel gesetzt haben, EU-weit eine einheitliche Zahlungslösung an den Start zu bringen – sowohl beim Bezahlen an der Ladenkasse als auch bei Onlinezahlungen. Das Projekt basiert auf Sepa Instant Payments.

Zu den deutschen Mitgliedern der Initiative zählen unter anderem Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank sowie der Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Außerdem sind BNP Paribas, ING, Santander und Unicredit bei der EPI engagiert. Weitere Institute sollen schnellstmöglich hinzukommen.

Mit der EPI wollen die Banken ein europäisches Gegengewicht zu den US-amerikanischen Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard herstellen, die bislang das Kartengeschäft in Europa dominieren. Auch die US-Konzerne Apple, Google und Paypal drängen immer stärker in die Zahlungsabwicklung mit Endkunden. Europäischen Banken ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge, weshalb EPI als Prestigeobjekt gilt. Unterstützt wird das Vorhaben von der Europäischen Zentralbank, die die Banken dazu gedrängt hatte, ein eigenes Verfahren zu entwickeln.

Nicolas Huss sollte eigentlich EPI-Chef werden

Die Chef-Suche von EPI gestaltete sich zuletzt aber holprig. Wie der Finanzblog „Finanz-Szene“ vor kurzem berichtete, hatte man sich eigentlich schon auf Nicolas Huss als neuen CEO geeinigt. Er war bis vor kurzem Chef des Zahlungsdienstleisters Ingenico, der mittlerweile im französischen Worldline-Konzern aufgegangen ist. Die Unterschrift von Huss bei EPI galt laut „Finanz-Szene“ als Formsache, doch aus bisher unbekannten Gründen wurde aus dem Engagement nichts. Dem Bericht zufolge gab es einen handfesten Eklat zwischen EPI und Huss.

Nun soll Martina Weimert das Prestigeprojekt führen. Die Payments-Expertin hat die EPI in den vergangenen Monaten in ihrer Rolle als Oliver-Wyman-Partnerin mitaufgebaut. Weimert gilt als Expertin in den Bereichen Zahlungsverkehr, Cash Management, Fintech, Blockchain sowie Retail Banking.

Mit der Verpflichtung Weimerts konnte EPI den wichtigsten Posten doch noch schnell besetzen. Gleichzeitig hat die Initiative, deren Sitz in Brüssel ist, einen wichtigen Meilenstein verkündet: Die Zahlungsabwickler Wordline und Nets werden Teil der Initiative. Sie sind die ersten sogenannten „Third Party Acquirer“, die dem Netzwerk beitreten.

EPI hat sich somit gleich zwei Schwergewichte an Bord geholt: Beide zählen zu den größten Anbietern in Europa. Nets, in dem der deutsche Payments-Konzern Concardis im Sommer 2019 aufgegangen ist, fusioniert zudem derzeit mit dem italienischen Wettbewerber Nexi und wird dadurch noch größer werden.

EPI will 2022 „live“ gehen

Die neue EPI-Chefin Weimert hat nun einen straffen Zeitplan vor sich. Im Juli dieses Jahres hatte das Bündnis verkündet, das geplante einheitliche Bezahlverfahren in zwei Jahren an den Start bringen zu wollen. Letztlich muss die Payments-Initiative nun den Handel und die Endkunden davon überzeugen, auf eine europäische Lösung zu setzen.

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