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08.08.18
Cash Management & Zahlungsverkehr

Mobiler Zahlungsverkehr: Google und Apple Pay entdecken Deutschland

Google Pay und Apple Pay wollen den schwierigen deutschen Markt für mobiles Bezahlen erobern. Während die großen deutschen Banken die Kooperation suchen, wählen Sparkassen und Genossenschaftsbanken einen anderen Weg.

Jetzt auch die Genossenschaftsbanken: Ab kommender Woche können Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken ihre Einkäufe an der Ladenkasse per Smartphone bezahlen. Das teilte der Bundesverband BVR jetzt mit. Theoretisch möglich ist das mobile Bezahlen dann bei 85 Prozent aller 915 Genossenschaftsbanken in Deutschland, 2019 folgen die verbleibenden Institute.

Voraussetzung dafür ist, dass die Kunden ein Android-Smartphone besitzen, das die sogenannte Near-Field-Communication (NFC) unterstützt. Zudem müssen Kunden die App der Genossenschaftsbanken herunterladen und dort ihre Karte hinterlegen.

Google gab den Anstoß

Im Bargeldland Deutschland fristet das Bezahlen mit dem Smartphone hierzulande bislang ein Schattendasein. Doch seit einigen Wochen kommt Bewegung in den Markt: Den Anstoß dazu gab Google, das Ende Juni sein Angebot für mobiles Bezahlen nach Deutschland brachte. Konkurrent Apple kündigte vergangene Woche an, im Laufe des Jahres nachzuziehen.

Lange scheuten die US-Internetriesen den als schwierig geltenden deutschen Markt für mobiles Bezahlen. Für Google Pay ist Deutschland der 19. Markt weltweit, für Apple Pay der 24. Nun drücken die Konzerne auf das Gaspedal, um die Reichweite auszubauen.

Commerzbank, Deutsche Bank und HVB kooperieren

Google Pay kooperiert bereits mit der Commerzbank und ihrer Tochter Comdirect, der Direktbank N26 sowie der Bezahl-App Boon aus dem Hause des Dax-Aspiranten Wirecard. Bald sollen auch Kunden der LBBW an der Ladenkasse mit Google Pay bezahlen können. Als Partner von Apple Pay haben sich derweil die Deutsche Bank und die Hypovereinsbank geoutet, N26 und Wirecard beteiligen sich ebenfalls.

Bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken hat man sich indes zumindest vorerst gegen eine Kooperation mit Apple oder Google Pay entschlossen. Die Institute wollen die wertvollen Daten über Zahlungsströme nicht mit den Internetgiganten teilen. Deshalb hat die Sparkassengruppe Ende Juli ihre eigene App unter dem Namen „Mobiles Bezahlen“ vorgestellt. Das Genossenschaftsbanken ziehen nun nach.

Die Angebote sind ähnlich, aber nicht identisch: So sind die Zahlungen bei Google Pay kreditkartenbasiert. Die Sparkassen setzen in ihrer App dagegen auf die in Deutschland beliebtere Girokarte. Apple Pay und die Genossenschaftsbanken bieten beide Varianten an. Alle Anbieter werben damit, dass sich vor allem Beträge unter 25 Euro schnell und ohne PIN-Eingabe bezahlen lassen.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken wollen die wertvollen Daten über Zahlungsströme nicht mit den Internetgiganten teilen.

Deutsche bezahlen kaum mit dem Handy

Die Infrastruktur für mobiles Bezahlen an der Ladenkasse ist vorhanden: Etwa 75 Prozent aller Kassenterminals sind hierzulande bereits mit der NFC-Technologie ausgestattet, auf die alle drei Angebote setzen.

Die größte Herausforderung dürfte jedoch sein, die deutschen Konsumenten vom mobilen Bezahlen zu überzeugen. Denn einer im Februar veröffentlichten Umfrage der Bundesbank zufolge haben bisher nur 7 Prozent der Deutschen überhaupt schon einmal mit ihrem Smartphone bezahlt, die meisten bei Einkäufen im Internet. An der Ladenkasse hat dagegen erst jeder fünfzigste Deutsche mit dem Handy bezahlt. Das Gros der Befragten sieht keinen Mehrwert darin, viele haben Sicherheitsbedenken.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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