Erhebung unter deutschen Banken

08.06.15 15:09

Renminbi-Handel in Deutschland wächst

Von Desiree Backhaus

Der Renminbi gewinnt auch in Deutschland an Bedeutung: Das Volumen der hierzulande in der chinesischen Währung emittierten Wertpapiere hat sich seit dem vergangenen Sommer vervierfacht. Das geht aus heute veröffentlichten Zahlen der Bundesbank hervor. An anderer Stelle herrscht jedoch Stillstand.

Wird auch in Deutschland wichtiger: der chinesische Renminbi

iStock/Thinkstock/Getty Images

Wird auch in Deutschland wichtiger: der chinesische Renminbi

Das Renminbi-Geschäft in Deutschland legt von niedrigem Niveau ausgehend zu: Im ersten Quartal des laufenden Jahres wurden hierzulande Renminbi-Wertpapiere im Wert von 21,7 Milliarden Renminbi (3,1 Mrd. Euro) emittiert. Damit hat sich das Volumen gegenüber dem dritten Quartal 2014 mehr als vervierfacht. Damals lag das Volumen ausstehender Wertpapiere in der chinesischen Währung in Deutschland bei 4,7 Renminbi (0,68 Mrd. Euro).

Das geht aus einer Erhebung der Bundesbank unter 24 deutschen Banken hervor. Die Bundesbank führt die Steigerung vor allem auf die Emission „zahlreicher“ Offshore-Renminbi-Bonds in Frankfurt am Main, sogenannte Goethe-Bonds, sowie anderer Schuldverschreibungen zurück. Die Förderbank KfW hatte im vergangenen April mit ihrer Renminbi-Anleihe die Premiere bei Goethe-Bonds gegeben. Seither ist es jedoch keine weitere Transaktion öffentlich geworden. Dafür hat erst kürzlich die Deutsche Leasing als erstes deutsches Unternehmen ein Renminbi-Schuldscheindarlehen über 75 Millionen Renminbi (rund 11 Mio. Euro) begeben. Weitere Corporates stehen nach Informationen von DerTreasurer in den Startlöchern.

Kreditvergabe deutscher Banken in Renminbi sinkt

Stillstand gab es in den letzten Quartalen dagegen bei den von deutschen Finanzmarktteilnehmern gehaltenen Renminbi-Einlagen in Deutschland: Sie lag im ersten Quartal 2015 bei 11,7 Milliarden Renminbi (1,7 Mrd. Euro) nach 11,6 Milliarden Renminbi im dritten Quartal 2014. Ein Grund für die schwache Entwicklung könnte sein, dass deutsche Unternehmen ihr in China erwirtschaftetes Cash trotz der Öffnung zunehmend im Reich der Mitte lassen, wie zuletzt einige Treasury-Chefs gegenüber DerTreasurer signalisiert haben. Dort können sie es zu besseren Konditionen anlegen als im Euro-Raum. Falls sie das Cash nach Deutschland holen, konvertieren sie es in der Regel in Euro.

Bei den vergebenen Krediten deutscher Banken in der chinesischen Währung ist laut Bundesbank-Zahlen gar ein Rückgang um rund 9 Prozent zu verzeichnen: Lag die Kreditvergabe im vergangenen Sommer noch bei 12,6 Milliarden Renminbi (1,8 Mrd. Euro) ist sie zu Beginn des laufenden Jahres auf 11,5 Milliarden Renminbi gesunken.

Renminbi-Clearing-Center in Frankfurt enttäuscht bisher

Wie aussagekräftig diese Zahlen sind, wird sich wohl erst in Zukunft zeigen. Die Bundesbank will das deutsche Renminbi-Geschäft künftig regelmäßig im Rahmen der Bankstatistik abfragen. Dann dürfte sich auch zeigen, welchen Effekt das vor rund einem halben Jahr an den Start gegangene Renminbi-Clearing-Center in Frankfurt hat: Bernd Meist, der Deutschland-Chef der Bank of China, die das Clearing-Center betreibt, zeigte sich kürzlich noch nicht zufrieden mit den abgewickelten Handelsvolumina: „Die Volumina sind bislang noch überschaubar“, sagte Meist gegenüber FINANCE, einer Schwesterpublikation von DerTreasurer.

Backhaus[at]derTreasurer.de