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21.12.20
Cash Management & Zahlungsverkehr

So funktioniert Request to Pay

Das neue Bezahlverfahren Sepa Request to Pay soll in Europa im Juni 2021 starten. Wie funktioniert die Zahlungsaufforderung und wie können Treasurer profitieren? Ein Überblick.

Unternehmen wie die Otto-Gruppe oder Telefónica Deutschland verfolgen interessiert, was die Bankenbranche hinsichtlich Request to Pay (RTP) unternimmt. Gerade Industrien mit einem hohen Rechnungs- und Lastschriftanteil erhoffen sich von der Zahlungsaufforderung eine Vereinfachung ihrer Prozesse im Debitorenmanagement. Für Treasurer, die sich noch nicht so intensiv mit dem neuen Sepa-Verfahren befasst haben, gibt es hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Funktionsweisen.

Definition: Was ist Request to Pay?

Bei Request to Pay (RTP oder auch R2P) handelt es sich um eine der Zahlung vorgeschaltete Zahlungsaufforderung. Diese Nachricht enthält alle Informationen zur Transaktion und löst – sofern der Kunde sie bestätigt – eine Überweisung aus. Es handelt sich also nicht um ein neues Zahlungsinstrument, sondern vielmehr um einen Nachrichtendienst.

Neu ist dieses Verfahren an sich nicht. Schon heute bieten einzelne Banken ihren Kunden Request to Pay als alternative Bezahlmethode insbesondere im Onlinehandel an. Im Sepa-Raum fehlten bislang aber noch einheitliche Vorgaben, wie Banken mit der Zahlungsaufforderung umgehen sollten.

Einen solchen Standard hat mittlerweile das European Payment Council definiert. Das finale Regelwerk für Sepa-RTP wurde im November 2020 veröffentlicht, im Juni 2021 soll es in Kraft treten. Bis dahin haben Banken und Zahlungsanbieter Zeit, die Vorgaben umzusetzen. Die Teilnahme an dem neuen Verfahren ist allerdings freiwillig.

Sepa RTP: Diese Regeln gelten laut EPC

Das Regelwerk für Sepa-RTP sieht vor, dass die Zahlungsaufforderung immer vom Zahlungsempfänger initiiert wird. „Er kann dem RTP dabei sowohl ein Ablaufdatum inklusive Ablaufzeit als auch ein gewünschtes Ausführungsdatum inklusive Ausführungszeit mitgeben“, erklärt Enrico Köhler, Manager Payments und Digitization bei der Technologieberatung Ausy. „In der Nachricht zur Zahlungsaufforderung kann dabei auch eine Rechnungsreferenz hinterlegt werden.“ Der Vorteil: Die Firma kann einen späteren Zahlungseingang automatisch dem Grundgeschäft zuordnen.

Der Zahler hat fünf Möglichkeiten, auf die Aufforderung zu reagieren: Jetzt annehmen, später annehmen, jetzt bezahlen, später bezahlen oder die RTP vollständig ablehnen. „Der Zahlungsempfänger erhält von seiner Bank über einen Statusbericht die Information, wie sich der Zahler entschieden hat“, so Köhler. „Somit hat er immer Kenntnis über den aktuellen Stand und weiß, wann er sein Geld erhält.“ Der Statusbericht ist neben der Aufforderung zur Zahlung der zweite Nachrichtentyp, der durch das Sepa-RTP-Regelwerk des Standardsetzers EPC definiert wird.

Insgesamt ist das Regelwerk recht offen gestaltet, berichtet Köhler: „Es gibt auch nicht vor, welche Zahlart im Anschluss angestoßen werden soll.“ Zwar empfehle der EPC ein Sepa Instant Payment. „Theoretisch könnte es aber auch eine normale Sepa-Überweisung sein.“

Für wen eignet sich Request to Pay?

Das neue Verfahren kann potentiell an vielen Stellen zum Einsatz kommen. Ein großer Vorzug der Zahlungsaufforderung ist, dass eingehende Zahlungen automatisch zugeordnet werden können. Das dürfte vor allem für große Rechnungsstellern wie Telekommunikationsfirmen oder Versorger interessant sein, die heute Probleme beim Abgleich von offenen Rechnungen und eingehenden Zahlungen haben.

Auch im B2B-Bereich könnte RTP zum Einsatz kommen. So würde es etwa Industrieunternehmen in die Lage versetzen, Zahlungsaufforderungen mit einem gewissen Zahlungsziel an ihre Kunden zu verschicken. Bei diesem Vorgehen käme RTP einer elektronischen Rechnung nahe. Für E-Invoicing mittels Sepa-RTP fehlen bislang aber die rechtlichen Grundlagen.

In Kombination mit Echtzeitzahlungen eignet sich das neue Verfahren auch für Onlinehändler. Sie könnten ihren Kunden mit RTP eine bequeme Option anbieten, um direkt vom Bankkonto aus Zahlungen auszulösen. Darauf hoffen auch die Banken: Sie wollen sich so gegen die Konkurrenz von Paypal, Apple, Google und Co. zur Wehr zu setzen. Gerhard Bystricky, Leiter Produktentwicklung bei der Hypovereinsbank hält es für denkbar, dass RTP sowohl Kartenzahlungen als auch das Lastschriftverfahren „in Teilen ersetzen werden“.

Wie schnell kommt Request to Pay in der Praxis an?

Payment-Experte Köhler ist aber skeptisch, wie schnell Banken ihren Kunden Request to Pay tatsächlich anbieten werden. „Die Prioritäten im Zahlungsverkehr liegen derzeit in vielen Banken auf den anstehenden Umstellungen von Target und Swift, neue Produkte kommen da nicht selten zu kurz.“

Die Deutsche Bank und die DZ Bank hatten erklärt, dass sie RTP ab 2021 anbieten wollen, die HVB will RTP „zeitnah“ umsetzen, ohne einen Zeitpunkt zu nennen. Letztlich dürfte vor allem die Abdeckung bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken darüber entscheiden, wie schnell RTP sich etabliert.

Buchholz[at]derTreasurer.de

Ein neues Bezahlverfahren geht an den Start. Was leistet die Zahlungsaufforderung für das Treasury und wie reagieren die Banken? Mit unserer Themenseite Request to Pay bleiben Sie auf dem Laufenden.