Viele Banken sind für ein Treasury in Echtzeit noch nicht lieferfähig.

jotily/iStock/Getty ImagesPlus

11.03.20
Cash Management & Zahlungsverkehr

Scheitert Echtzeit-Treasury an den Banken?

Die Deutsche Post setzt jetzt auf ein „zeitnahes“ Cash Management. Der Weg dorthin war aber nicht leicht. Denn viele Banken sind für ein Treasury in Echtzeit noch gar nicht lieferfähig.

Die Deutsche Post DHL hat es fast geschafft: Nach zwei Jahren Projektarbeit werden die Bonner in wenigen Wochen neue Cash-Management-Prozesse mit all ihren Cash-Pool-Banken umgesetzt haben. „Wir arbeiten im Cash Management dann komplett mit Near-time-Informationen“, berichtet Carola Schmitz-Becker, Vice President Corporate Treasury, Banking & Cash Management bei der Deutschen Post.

Statt wie bislang am Ende des Tages erhält der Dax-Konzern seine Kontoauszüge künftig per MT942 bereits um die Mittagszeit. Das Treasury kennt den Liquiditätsstatus somit früher und muss in der Disposition nicht mehr mit Planzahlen aus dem Shared Service Center arbeiten, erklärt Schmitz-Becker: „Wir verbessern unsere Datenlage und können die Disposition automatisieren.“ Die gewonnene Zeit nutze man, um die Zinskonditionen der Cash Pools unter die Lupe zu nehmen. „So verbessern wir zusätzlich das Zinsergebnis.“

Echtzeit-Treasury: Deutsche Post muss Umwege machen

Der Weg dorthin war allerdings alles andere als einfach. „Das Projekt war deutlich komplizierter als zunächst geplant“, räumt die Cash Managerin ein. Alle Cash Pools mussten von End-of-day Zero Balancing auf Real-time oder Intra-day Zero Balancing umgestellt werden. „Von unseren 22 Banken können nur drei Häuser ein Sweeping in Echtzeit durchführen, einige konnten nicht einmal ein Sweeping während des Tages anbieten.“

Daher habe man in den vergangenen zwei Jahren mit jeder Bank Workshops gemacht und versucht, Alternativen zu finden. „Diese Workarounds sollten dann aber möglichst standardisiert sein“, beschreibt Schmitz-Becker die Anforderungen. Mit einem Gros der Banken habe man sich auf ein Sweeping zu bestimmten Tageszeiten verständigt. Drei aus 22 ist eine dürftige Ausbeute. Besonders, wenn man bedenkt, dass derzeit zahlreiche Banken den Wandel hin zum „Treasury in Echtzeit“ ausrufen.

Viele Geldhäuser sind aber noch gar nicht lieferfähig. Woran das liegt und welche Banken doch schon weiter sind, erfahren Sie im E-Magazin 4-2020.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos unser E-Magazin und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen im Treasury auf dem Laufenden.