Zahlungsverkehr und Cash Management auf dem Prüfstand

04.03.14 08:15

Schott ordnet Treasury neu

Von Desiree Backhaus

Die Treasury-Abteilung des Spezialglasherstellers Schott hat sich in den vergangenen vier Jahren strategisch neu aufgestellt. Ralf-Jörg Weigold, Leiter Corporate Treasury und Financing, spricht im Interview mit DerTreasurer darüber, warum sich der Aufwand gelohnt hat und wie es nun weitergeht.

Schott

Ralf-Jörg Weigold leitet das 2008 das Treasury von Schott.

Ralf-Jörg Weigold leitet das 2008 das Treasury von Schott.

Als Ralf-Jörg Weigold 2008 als Leiter Corporate Treasury and Financing zu Schott kam, war die Finanzkrise gerade auf dem Höhepunkt. Damals ging es darum, schnell zu handeln und eine hohe Liquidität zu sichern. Doch die Treasury-Abteilung dachte schon weiter voraus. Als das Gröbste überstanden war und der Mainzer Spezialglashersteller 2010 ein gutes Geschäftsjahr hinlegte, macht Weigold sich daran, das Treasury strategisch neu auszurichten. Mit seinem damals siebenköpfigen Team formulierte er eine „Treasury Roadmap“. Das Konzept hat drei Eckpfeiler. „Es ging um die Definition und Umsetzung einer langfristigen Finanzierungsstruktur und Bankenpolitik, die Neuaufstellung der Systemlandschaft und die Neuausrichtung des Zahlungsverkehrs und Cash Managements“, sagt Ralf-Jörg Weigold. Im März wird das Treasury nun die zentralen Projekte abschließen.

Insbesondere der letzte Eckpfeiler beschäftigte den Leiter Treasury über mehrere Jahre. „Die anstehende Sepa-Umstellung war 2010 der Auslöser, dass wir unseren weltweiten Zahlungsverkehr komplett überdacht haben“, erinnert sich Weigold. Er begann mit einer Bestandsaufnahme aller Konten, e-Banking-Systeme, Formate und Anbindungskanäle. Das Bild, das sich daraus ergab, war sehr heterogen. „Das hing auch damit zusammen, dass die Verantwortung für den Zahlungsverkehr bei Schott im lokalen Accounting lag. Daher wurde er dezentral auf Ebene der Tochtergesellschaften gemanagt“, sagt Weigold. Der Druck der Sepa-Regulierung und die damit verbundenen neuen Fragestellungen hätten geholfen, diese Strukturen aufzubrechen und den Zahlungsverkehr im Treasury zu bündeln: „Das machte einfach mehr Sinn“, sagt der Leiter Treasury. „Wir waren ohnehin Ansprechpartner für die Banken, mit denen wir uns im Rahmen von Sepa eng abstimmen mussten. Wir konnten so Zahlungsverkehr, Disposition und Cash Management viel enger zusammenführen.“

Schott will Cash Pooling weiter ausbauen

Lediglich eine Expertise konnte das Treasury nicht abdecken: die IT. Deshalb holte Weigold einen Profi aus der IT-Abteilung von Schott in sein Team. Mit ihm ging der Leiter Treasury dann auch den technischen Umbruch im Zahlungsverkehr an: Schott stellte die nationalen Zahlungsformate auf das globale XML-Format um. Die Bankkommunikation vereinheitlichte der Spezialglashersteller mithilfe der Einführung des Bank Communication Managements von SAP. Die Anbindung läuft seither über das Swift-Netz, an das Schott über ein Servicebüro angeschlossen ist. „Jetzt haben wir bei den meisten Tochtergesellschaften dasselbe System im Einsatz und nur einen Übertragungskanal“, sagt Weigold. Das habe die Effizienz, aber auch die Prozesssicherheit im Zahlungsverkehr erheblich gesteigert.

Auf dieser standardisierten technischen Basis hat sein Team ein Shared Service Center „Payments Europe” in Mainz aufgebaut. In Zukunft könnte die Payment Factory weiter ausgebaut und auch der Geldeinzug zentralisiert werden, meint Weigold: „Dank Sepa sind nun grenzüberschreitende Lastschriften möglich.“ Ebenfalls von diesem SSC aus wird nun die regionale Zentralisierung des Zahlungsverkehrs in Nordamerika, Südostasien und Japan gemanagt. Hier hat Schott in den vergangenen Jahren bereits das Cash Pooling ausgebaut. „Überall dort, wo die Regulierung es zulässt, poolen wir unsere Liquidität“, sagt Weigold. „Wir haben unser trapped cash in den vergangenen drei bis vier Jahren so um 60 Prozent reduziert.“ Dieses Jahr will sich Schott verstärkt China zuwenden. Es bleibt also auch nach der Umsetzung der Treasury-Roadmap spannend.

Mehr über das gesamte Treasury-Projekt bei Schott lesen Sie in der kommenden Printausgabe von DerTreasurer, die Ende März erscheint.

Backhaus[at]derTreaurer.de