Erste Welle trifft Überweisungen

06.04.17 08:13

Schweiz stellt den Zahlungsverkehr ab 2018 auf XML um

Von Desiree Backhaus

Die Sepa-Umstellung hat die Schweiz im vergangenen Oktober gemeistert, jetzt stellen die Eidgenossen den Zahlungsverkehr in Schweizer Franken auf den XML-Standard um. Auch der Einzahlschein soll digitalisiert werden.

sean/iStock/Thinkstock/Getty Images

Der globale Siegeszug des XML-Standards geht weiter: Auch die Schweiz stellt ihren Zahlungsverkehr um.

Die Schweiz stellt ihren Zahlungsverkehr ab Sommer 2018 auf den XML-Standard ISO20022 um. Die Deadlines sind seit langem bekannt, doch ähnlich wie bei der Sepa-Umstellung in Deutschland rückt die Migration erst langsam auf die Treasury-Agenda. „Einige Firmen sind sehr zögerlich bei der Umstellung, auch weil viele kleinere Banken und Buchhaltungssoftware-Anbieter die neuen Formate noch nicht abbilden können“, beobachtet Martin Schneider, Chef der Züricher Treasury-Beratung Tomato.

Für Euro-Zahlungen gilt in der Schweiz seit dem vergangenen Oktober der Sepa-Standard. Die Komplexität im Zahlungsverkehr mit Schweizer Franken ist jedoch hoch: Mit PostFinance und Six Interbank Clearing - dem Bankverfahren - gibt es derzeit noch zwei unabhängige Zahlungsabwicklungssysteme. „Diese Unterscheidung soll künftig durch die Umstellung auf den XML-Standard wegfallen“, sagt Alain Schmid, Head Payment Services bei der Credit Suisse.

Banken stellen Firmenkunden Konvertierungslösungen bereit

Die Eidgenossen wollen so die Vielfalt der proprietären Zahlungsinstrumente reduzieren: Es existieren fünf verschiedene Formate für Überweisungen, sechs Lastschriftverfahren sowie diverse Varianten von Zahlungsscheinen, eine in der Schweiz populäre Bezahlmethode. „Im Rahmen der Umstellung werden alle Zahlscheine auf QR-Codes umgestellt“, sagt Schneider. Die Digitalisierung des Prozesses soll insbesondere für große Rechnungssteller wie Telekommunikationsfirmen oder Versorger und deren Kunden Erleichterungen bringen. Jedoch ist der erste Umstellungsaufwand groß, und gibt es noch offene Fragen, auf die sich Banken, IT-Anbieter und Regulatoren einigen müssen - etwa welche Daten mit dem QR-Code übermittelt werden.

Aktuell stehen für Treasurer aber Überweisungen im Fokus: Diese werden Mitte 2018 auf das Pain-Format umgestellt, Banken dürfen die alten Formate danach nicht mehr unterstützen. Ähnlich wie bei der Sepa-Umstellung wird es auch in der Schweiz Konvertierungslösungen geben: „Firmenkunden, die die Umstellung nicht rechtzeitig schaffen, werden wir an Partner wie die Fides Treasury Services verweisen, die solche Lösungen anbieten“, sagt Credit-Suisse-Banker Schmid. Wer die Effizienzvorteile durch den neuen Standard nutzen will, sollte die Umstellung mitmachen, rät Schmid. Es wird zwar bankspezifische Dialekte geben. Nichtsdestotrotz dürfte es durch den XML-Standard leichter werden, den Schweizer Zahlungsverkehr in eine globale Payment-Factory-Lösung einzubetten.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Bleiben Sie über Trends im Cash Management, Updates bei der Treasury-Software, Treasurer-Wechsel und alle anderen News im Treasury-Bereich auf dem Laufenden und folgen Sie uns auf Twitter.