Siemens will virtuelle Konten.

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31.10.22
Cash Management & Zahlungsverkehr

Siemens will nur ein Bankkonto für Europa

Siemens und die Deutsche Bank starten ein Pilotprojekt zu virtuellen Konten. Ziel ist eine drastische Kontenreduzierung.

Siemens plant seine Kontenlandschaft im Sepa-Raum drastisch zu verschlanken. Wie die Münchener gegenüber DerTreasurer bekanntgaben, planen sie dafür zusammen mit der Deutschen Bank grenzübergreifend und unter Beibehaltung der bestehenden Kontonummer virtuelle Konten einzuführen.

Das Prinzip der virtuellen Konten auf Basis einer virtuellen IBAN ist einfach: Ein Unternehmen kann jeder Tochtergesellschaft eine virtuelle IBAN zuweisen - und alle mit einem einzigen realen Bankkonto verknüpfen. Vorteile sind zum Beispiel, dass eingehende Zahlungen direkt auf ein zentrales Konzernkonto fließen, über die virtuelle IBAN eindeutig zugeordnet und entsprechend verbucht werden können. 

Virtuelle Konten gibt es schon länger, Hürden waren bisher unter anderem die bisher fehlende Möglichkeit, bestehende Konten zu virtualisieren. Jetzt können laut Heiko Nix, Leiter Cash Management and Payments bei Siemens, virtuelle Konten durch moderne Anwendungen deutlich effizienter genutzt werden.

Kontonummer bleibt weiter bestehen

Siemens will nun zunächst alle europäischen Deutsche-Bank-Konten in virtuelle IBANs (vIBANS) umwandeln. Die Transformation geschieht unter Beibehaltung der IBAN, die bestehen bleibt und eingehende Zahlungsströme bank-intern auf das Hauptkonto geroutet werden. „Für uns ist das ein Durchbruch im Zahlungsverkehr“, erklärt Nix.

Bisher erforderten die Änderungen von Kontonummern einen hohen Aufwand in der Kommunikation mit Kunden und Lieferanten. „Durch die Lösung der Deutschen Bank entfällt dies komplett, da die kommunizierte Kontonummer weiterhin verfügbar bleibt, auch während des Schließungsprozesses“, so Nix. Durch die Transformation in ein virtuelles und Sepa-weites Konten-Setup entstehe ein Realtime Cash Pooling, so dass kein End-of-Day-Pooling durch die Bank mehr erforderlich sei. „Das hat für Unternehmen große Vorteile und lässt sich zukünftig auch auf Fremdwährungskonten und -ströme übertragen. Hierdurch entstehen zusätzliche Effizienzgewinne beim FX Settlement.“

Neben dem Ende 2021 begonnenen Projekt der Automatisierung der Zahlungsprozesse via Blockchain sollen virtuelle Konten ein wichtiger Bestandteil der Zukunft des Cash Managements von Siemens werden. „Die Vereinfachung der Payment-Infrastruktur, auch zum Beispiel durch den Einsatz von virtuellen Konten, ist die Grundlage für die weitere Automatisierung im Cash, FX und Liquidity Management“, findet Nix.

s.backhaus[at]dertreasurer.de