Die Dokumentation ist beim Cash Pooling in den USA besonders wichtig.

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19.02.21
Cash Management & Zahlungsverkehr

So geht Cash Pooling in den USA

Gerade in Krisenzeiten ist ein gutes Cash Management gefragt. Weltweite Cash Pools können beim Liquiditätsmanagement helfen. Das müssen Treasurer beim Cash Pooling in den USA beachten.

Cash Pooling hat für das Cash Management viele Vorteile, aber auch Tücken. Je internationaler der Cash Pool aufgestellt ist, desto komplexer wird es. Vor allem in den USA gibt es einige Vorschriften, die das Treasury beachten sollte.

Formen von Cash Pools in den USA

In den USA ist die gängigste Form des Cash Poolings eine physische Cash-Pool-Struktur mit einem Zero-Balancing-Account (ZBA), erklärt Eric DeVos, Senior Produktmanager für Liquidität und Anlagen bei der Deutschen Bank: „Dabei werden die Kredit- und Soll-Positionen der Cash-Pool-Teilnehmer vollständig auf einem übergeordneten Mutterkonto zentralisiert und jeden Tag mit einem Nullsaldo abgeschlossen.“ Zudem sei es üblich, dass lokale Unternehmen von nicht in den USA ansässigen Unternehmen getrennt würden, entweder durch separate Cash Pools oder durch US-spezifische Sub-Pools. Das vereinfache den Umgang mit speziellen Steueranforderungen.

Im Gegensatz zu anderen Ländern wird der fiktive Cash Pool, auch „Notional Pooling“ genannt, so gut wie nie in den USA eingesetzt. Beim fiktiven Cash Pooling werden Verbindlichkeiten und Forderungen lediglich gegeneinander aufgerechnet aber nicht transferiert, eine echte Darlehensbeziehung wie beim physischen Cash Pooling existiert nicht. Unternehmen würden dann von ähnlichen Liquiditäts- und Zinsvorteile wie beim physischen Cash Pooling profitieren. „Aufgrund der der Beschränkungen für Multi-Entity-Angebote wird die Möglichkeit in den USA wirklich sehr selten von Banken angeboten und von Unternehmen genutzt“, sagt der Cash-Pooling-Experte.

BEPS erschwert Cash Pooling in den USA

Bei den Vorschriften für das Cash Pooling in den USA sollten Treasurer ganz genau hinschauen, rät DeVos, der in den USA arbeitet. Die größten Herausforderungen für Unternehmen entstehen im steuerlichen Bereich: Das liegt vor allem an der Steuerinitiative Base Erosion Profit Shifting (BEPS), die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ins Leben gerufen hat. Ihr Ziel ist es, aggressive Steuervermeidung durch Gewinnverlagerung zu bekämpfen. Das trifft auch Transferpreise für Cash Pools und interne Darlehen. Hierzu hatte die OECD 2018 neue Leitlinien vorgelegt.

Genaue Dokumentation von Transferpreisen notwendig

In den Vereinigten Staaten gibt es zum spezielle steuerrechtliche Regeln, die Treasurer bei der Implementierung von Cash-Pool-Strukturen berücksichtigen sollten. Dazu gehören die Abschnitte 385 und 482 des Bundessteuergesetzes „United States Internal Revenue Code“. Diese Abschnitte regeln unter anderem, wie sich das steuerpflichtige Einkommen im Zusammenhang mit konzerninternen Darlehen zusammensetzt.

Dazu gehören auch Intercompany-Darlehen, die zwischen den beteiligten Tochtergesellschaften und der Cash-Pool-Mutter entstehen. „Treasurer sollten anhand dieser Vorschriften, die in den Abschnitten genannt werden, unbedingt alle Transaktionen innerhalb des Cash Pools ordnungsgemäß dokumentieren“, so DeVos. Dazu gehöre insbesondere wie fremdübliche Verrechnungspreise für konzerninterne Zinsen definiert und genutzt werden.

Zudem empfiehlt der Banker die Dokumentation täglich zu pflegen. „Tägliche Cash-Pooling-Transaktionen, die auf Bankkontoauszügen ausgewiesen werden, können für eine klare und prüffähige Verbuchung von konzerninternen Darlehensbeträgen und Zinsen verwendet werden.“ Mit einer ständigen ordnungsgemäßen Dokumentation sinke auch das Risiko einer Steuerstrafe.

Zudem empfiehlt er dem Treasury sich die 2017 entstandene US-Steuerreform „Tax Cuts and Job Act“ (TCJA) genauer anzuschauen. Sie schreibt eine Unterkapitalisierungsregel vor, die für den Abzug von Zinsaufwendungen gilt. Der Nettozinsaufwand eines Unternehmens kann demnach mit 30 Prozent vom bereinigten steuerpflichtigen Einkommen (Ebitda) abgezogen werden.

s.backhaus[at]dertreasurer.de

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Dieser Text ist Teil unserer mehrteiligen Serie „Cash Pooling um die Welt“, in der sich die Redaktion von DerTreasurer zahlreiche Länder und deren Besonderheiten in Bezug aufs Cash Pooling anschaut. Teil der Serie sind RusslandChina und Großbritannien.