Treasury-Ratgeber – Folge 5

22.03.18 08:15

So setzen Sie einen effektiven Cash Pool auf

Von Andreas Mehring

Das Aufsetzen eines Cash Pools bietet Unternehmen zahlreiche Vorteile. Es lauern jedoch ebenso viele Fallstricke, die im schlimmsten Fall zu finanziellen Schäden und Rechtsstreitigkeiten führen können. Wie erfolgreiches Cash Pooling funktioniert – ein Ratgeber.

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Cash Pooling ist komplex, kann aber Kosten einsparen und die Flexibilität erhöhen.

Ein gut strukturiertes und konsequent geplantes Cash Pooling bietet Unternehmen und deren Treasury-Abteilungen viele Vorteile. Wenn die Liquidität an einer Stelle innerhalb des Unternehmens konzentriert ist, schafft das nicht nur mehr Transparenz für die Finanzabteilungen. Auch die Kontrahentenrisiken lassen sich besser steuern und die Zinskosten sinken. Denn der Mutterkonzern kann in der Regel bessere Kreditkonditionen mit den Banken aushandeln und die Tochtergesellschaften können sich wiederum über die Mutter günstiger finanzieren.

Doch so verlockend die Vorteile des Cash Poolings selbst in Zeiten von Negativzinsen klingen, Unternehmen müssen jederzeit die potentiellen Risiken einer Zentralisierung ihres Cash Managements im Auge behalten. So sind detaillierte Vertragsverhandlungen zwischen den Tochtergesellschaften und der Zentrale zwingend, um die Haftungsrisiken zu adressieren. Je internationaler das Unternehmen aufgestellt ist, desto komplexer wird es, einen Cash Pool zu betreiben.

Schlecht strukturiert kann ein Cash Pool das Unternehmen daher nicht nur Effektivität, sondern auch sehr viel Geld kosten. Auf was Treasurer bei der Aufsetzung eines Cash Pools achten müssen, zeigt der Treasury-Ratgeber.

Überblick über die Bankenlandschaft und Kontenstruktur verschaffen

Cash Pooling erfreut sich bei einer Vielzahl von Unternehmen einer großen Beliebtheit. „Schätzungsweise 75 Prozent der deutschen Unternehmen mit über 200 Millionen Euro Umsatz betreiben auf die ein oder andere Art Cash Pooling“, sagt  Carsten Jäkel, Treasury-Experte und Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG.

Als absoluten Startpunkt für die Einrichtung eines Cash Pools sehen die Experten die Inventur des eigenen Konzerns. „Das Unternehmen muss sich Gedanken über seine Konzernstruktur machen“, betont Lothar Meenen, Global Head Corporate Cash Management Sales bei der Deutschen Bank. Zudem müsse festgelegt werden, welche Tochtergesellschaften an den Cash Pool angeschlossen werden sollen.

Bereits hier verbirgt sich erstes Konfliktpotential. Denn durch die Zentralisierung verlieren die lokalen Gesellschaften die Hoheit über ihre liquiden Mittel. Dies kann vor allem bei Unternehmen mit hohen Cash-Beständen zu Unmut führen. Hier sind den Experten zufolge zwei Dinge essentiell: Zum einen müssten vor allem diesen Tochtergesellschaften die Vorteile des Cash Poolings aufgezeigt werden. Und zum anderen brauche es hier wasserdichte Verträge zwischen dem Mutterkonzern und den Tochtergesellschaften, um im Streitfall Klarheit zu schaffen.

Um den Cash Pool möglichst effektiv zu gestalten, sollten Unternehmen bereits im Vorfeld überprüfen, welche Bankkonten tatsächlich noch benötigt werden. „Unternehmen sollten Transparenz über ihre Bankkonten und deren Salden schaffen“, mahnt Jäkel. Das klingt einfacher, als es in der Praxis ist: Gerade bei schnell wachsenden Mittelständlern hat die Zentrale oft keinen Überblick über die von Tochtergesellschaften betriebenen Konten und Bankbeziehungen. Um diesen Wildwuchs zurechtzustutzen und die Komplexität des Cash Pools so gering wie möglich zu halten, „sollten man Konten, die man nicht mehr braucht, direkt eliminieren“, sagt der Experte.

Bereits die ersten Vorbereitungen zur Einrichtung eines Cash Pools lassen erahnen, dass es sich hierbei um einen langwierigen Prozess handelt. Wie lange das Aufsetzen dauert, hängt dabei im wesentlichen von zwei Faktoren ab. Zum einen spielt die Anzahl der Tochtergesellschaften eine Rolle und zum anderen, ob das Unternehmen ausländische Gesellschaften unterhält. „Eine Implementierung kann dann durchaus einige Monaten dauern“, gibt Meenen zu bedenken.

Die Auswahl der richtigen Bankpartner

Nachdem sich die Projektverantwortlichen einen Überblick verschafft und definiert haben, wer an den Cash Pool angeschlossen werden soll, folgt die Auswahl der Bankpartner. „Die Anforderungen, die die Unternehmen an die Banken stellen, weichen, von branchenspezifischen Schwerpunkten abgesehen, kaum voneinander ab“, beobachtet Jäkel.

Weit oben auf der Liste steht naturgemäß der Preis. In Summe muss das Cash Pooling günstiger sein als die klassischen bilateralen Bankbeziehungen, die die Tochtergesellschaften bisher unterhalten. Außerdem spielt es oftmals eine Rolle, ob die Bank dort regional vertreten ist, wo der Konzern Gesellschaften unterhält.

Laut Transaktionsbanker Lothar Meenen fragen viele Unternehmen im Zuge der Request for Proposals (RfPs) aber noch zwei weitere Punkte ab: Es sei wichtig „in welchem Format die Daten an die Bank übermittelt werden können.“ Hierbei würde vor allem den Datenformaten XML und Global CGI gefragt. Außerdem sei es von großer Bedeutung, „wie lange die Cut-off-Zeiten sind“, also die Zeiten, in denen eine Bank keine Zahlungen abwickelt.

Mit wie vielen Banken ein Unternehmen Cash Pooling betreibt, hängt am Ende von der Unternehmensgröße oder den Volumina ab, die im Cash Pool gesammelt werden sollen. „Die Zahl der Banken steigt, wenn Unternehmen internationale Gesellschaften unterhalten“, sagt Meenen. Der Transaktionsbanker kennt Fälle, in denen viel zu viele Banken zum Einsatz kamen. Unabhängig davon empfehlen die Experten, mindestens zwei Banken für das Cash Pooling zu nutzen, um sich nicht von einer Bank abhängig zu machen und das Kontrahentenrisiko gering zu halten.

Physisches Zero Balancing beliebteste Variante des Cash Poolings

„Das Zero-Balancing betreiben sehr viele Unternehmen, es ist die gängigste Variante des Cash Poolings“, sagt Meenen. Dabei werden alle an den Pool angeschlossenen Konten am Abend auf Null gestellt. Guthaben werden von den Tochtergesellschaften auf das sogenannte Masterkonto bei der Muttergesellschaft übertragen. Konten, deren Saldo zu diesem Zeitpunkt negativ ist, werden ausgeglichen. Diese Variante wird bevorzugt, da sie im Idealfall vollkommen automatisch abläuft.

Auf einem Masterkonto sammelt ein Konzern die Liquidität der Tochtergesellschaften. Dabei erhält jede Währung ein eigenes Masterkonto. Doch ein solches Konto kann auch in unterschiedlichen Varianten verwendet werden. So sei auch die „Trennung zwischen Eingängen und Ausgängen möglich“, merkt Meenen an.

Fallstricke beim internationalen Cash Pooling

Wenn ein Konzern Tochtergesellschaften im Ausland unterhält, erhöht sich der Schwierigkeitsgrad des Cash Poolings. „Jenseits des Euro-Raums oder dem US-Dollar wird es etwas komplizierter“, merkt Carsten Jäkel an.

Einerseits spielen beim sogenannten Multi-Currency-Pooling auch Überlegungen der Währungsabsicherung eine Rolle. Andererseits ist Cash Pooling nicht in allen Ländern ohne weiteres möglich. Teilweise ist es sogar gänzlich verboten, so beispielsweise in Indien, wo das klassische Cash Pooling nicht erlaubt ist und die Konzerne teilweise strengen Restriktionen unterliegen. Experten sprechen in einem solchen Fall von Trapped Cash, da es dem Cash Pool nicht automatisch zugeführt werden kann.

Es wird deutlich, ein Cash-Pooling-Projekt erfordert eine detaillierte Vorbereitung, eine klare Struktur und ein hohes Maß an Ausdauer. Doch wenn die Treasury-Abteilung die Fallstricke beachtet und die Konzernstrukturen regelmäßig kontrolliert, ist der Mehrwert enorm.

Mehring[at]derTreasurer.de

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