Stabilus hat als eines der ersten deutschen Unternehmen das Renminbi-Clearing-Center in Frankfurt genutzt.

Stabilus

18.03.15
Cash Management & Zahlungsverkehr

Stabilus setzt auf den Renminbi

Stabilus hat als eines der ersten deutschen Unternehmen das Renminbi-Clearing-Center in Frankfurt genutzt. Beim Cash Management bereitet die Regulatorik dem Gasfederhersteller aber noch Probleme. Bernd-Dietrich Bockamp, Leiter Group Accounting, im Gespräch mit DerTreasurer.

Manche Unternehmen scheuen den Pilotkundenstatus, andere können es kaum abwarten, die Ersten zu sein. Der Gasdruckfederhersteller Stabilus gehört zur zweiten Gruppe, besonders in Bezug auf das Renminbi-Clearing. Bereits einen Werktag bevor das Renminbi-Clearing-Center in Frankfurt am 17. November offiziell seine Pforten eröffnete, führte die Commerzbank für Stabilus eine Zahlung über das Center durch. Laut der zweitgrößten deutschen Bank war dies die erste Firmenkundenzahlung des Clearing-Centers. „Wir wollten die Ersten sein“, sagt Bernd-Dietrich Bockamp heute, der als Leiter Group Accounting auch für das Treasury von Stabilus verantwortlich ist.

Das war nicht nur eine Prestigefrage, Bockamp sieht auch Vorteile im Frankfurter Clearing: „Die Zahlung wird noch am selben Tag abgewickelt und unser Ansprechpartner sitzt direkt vor Ort und nicht in einer anderen Zeitzone.“ Das sei vor allem wichtig, sollte etwas schief laufen. Bockamp sagt aber auch: „Im Grunde ist das Clearing ein Bankenthema.“ Über welchen Kanal die Commerzbank die Renminbi-Zahlungen von Stabilus heute genau abwickle – über Frankfurt oder Hongkong –, wisse er nicht. „Als Unternehmen muss uns nur interessieren, dass die Zahlung reibungslos ankommt“, sagt der Leiter Group Accounting. Und das funktioniere in den meisten Fällen einwandfrei. 

China: Mittelständler im Nachteil beim Cash Pooling

Der Automobilzulieferer ist in China mit einem Werk vertreten. Das lokale Werk hat seine lokalen Lieferanten schon immer in Renminbi bezahlt, ausländische Stabilus-Werke zahlen ihre chinesischen Lieferanten dagegen erst seit 2014 in Renminbi. „Wir wollten die grenzüberschreitende Fakturierung auch schon früher auf den Renminbi umstellen, haben das Projekt wegen der hohen Dokumentationsanforderung aber zunächst wieder auf Eis gelegt“, sagt Bockamp. Erst als die chinesischen Regulierungsbehörden die bürokratischen Hürden für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in Renminbi schrittweise kippten, nahm Stabilus den Plan wieder auf. Heute profitiert das Koblenzer Unternehmen, weil chinesische Lieferanten Preisnachlässe gewähren, wenn sie in Renminbi bezahlt werden.

Inzwischen ist es deshalb weniger der Zahlungsverkehr als vielmehr das Cash Management, das Stabilus in China vor Herausforderungen stellt. Auch hier muss das Unternehmen wieder auf die Regulierer warten: Zwar erlaubte die chinesische Zentralbank PBoC im vergangenen November landesweit grenzüberschreitendes Cash Pooling in Renminbi. In den Genuss dieser Lockerung kommt ein Mittelständler wie Stabilus allerdings (noch) nicht: „Die Schwellenwerte sind für uns zu hoch“, sagt Bockamp. Die PBoC fordert einen Mindestumsatz von 5 Milliarden Renminbi (650 Millionen Euro) in China, um von der Erleichterung Gebrauch machen zu können. Stabilus erwirtschaftete im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr jedoch konzernweit gerade einmal 507 Millionen Euro Umsatz, etwa 6,5 Prozent davon entfallen auf China.

Antiquierte Methoden im Cash Management

Deswegen behilft sich das SDax-Unternehmen im Reich der Mitte mit „antiquierten Methoden“ des Cash Managements, wie es der Leiter Group Accounting ausdrückt: Um möglichst viel Renminbi-Cash aus China in die Konzernzentrale nach Koblenz zu transferieren, rechnet Stabilus inzwischen auch unternehmensintern in der chinesischen Währung ab. Die unternehmensinterne Fakturierung erfolgt jedoch keinesfalls immer in derselben Währung, weswegen Bockamp von einer Behelfslösung spricht: „Die Rechnung wird in der Währung gestellt, die gerade hierzulande benötigt wird“, sagt Bockamp. Das könne Renminbi aber eben auch Euro oder US-Dollar sein.

Diese manuelle Lösung würde Stabilus nur zu gerne durch ein echtes grenzüberschreitendes Cash Pooling ersetzen. In Koblenz wartet man daher gespannt darauf, ob und wann die chinesische Zentralbank die Schwellenwerte kippen wird. Die Chancen stehen nicht schlecht: Zuletzt sind die Regulierungsbehörden immer den nächsten Schritt gegangen.

Backhaus[at]derTreasurer.de