Interview mit Alex Manson, Group Head Transaction Banking bei Standard Chartered

18.05.15 08:27

Standard Chartered: „Iran absolut kein Thema für uns“

Von Desiree Backhaus

Die Standard Chartered Bank will vom Renminbi-Boom profitieren und Kunden in den chinesischen Markt begleiten. Welche Rolle der deutsche Markt dabei spielt, wie die Bank mit dem zunehmenden Wettbewerbsdruck im Transaction Banking umgeht und wie es im Zahlungsverkehr mit dem Iran weitergeht – Alex Manson, Group Head Transaction Banking im Gespräch mit DerTreasurer.

Sieht neue Anbieter im Zahlungsverkehr als Chance für seine Bank: Alex Manson, Head of Global Transaction Banking bei der Standard Chartered

Standard Chartered Bank

Sieht neue Anbieter im Zahlungsverkehr als Chance für seine Bank: Alex Manson, Head of Global Transaction Banking bei der Standard Chartered

Herr Manson, der chinesische Markt wird für deutsche Unternehmen immer wichtiger. Das müsste für die Standard Chartered Bank doch eigentlich eine Steilvorlage sein. In Gesprächen mit deutschen Treasurern, die in China innovative Cash-Management-Lösungen aufsetzen, fällt der Name Ihrer Bank aber selten. Woran liegt das? Ist der deutsche Markt nicht wichtig für Sie?
Ganz im Gegenteil, der deutsche Markt ist uns wichtig, deshalb haben wir unser Team in Frankfurt verstärkt. Unsere Strategie ist klar: Ein lokales, innerdeutsches Geschäft wollen wir nicht aufbauen. Vielmehr wollen wir deutsche Unternehmen nach Asien begleiten. Dort sind wir stark, dort kennen wir uns aus. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Unsere Kunden können sich aufgrund unserer Historie sicher sein, dass wir uns dort nicht zurückziehen werden, auch wenn es einmal schwierig wird. In Zeiten, in denen sich einige Banken aus gewissen Märkten verabschieden, ist diese Verlässlichkeit ein wichtiges Signal für Treasurer.

Dennoch haben andere Banken die Nase vorn, wenn es darum geht, deutsche Unternehmen nach China zu begleiten.

Der Eindruck täuscht: Bei den Dax-Unternehmen haben wir heute schon ein gutes Standing. In China gibt es nur zwei große internationale Banken: Die HSBC und uns. Deshalb bin ich mir sicher, dass wir unsere Position bei in China tätigen deutschen Firmen weiter ausbauen können.

Das globale Transaction Banking steht derzeit unter Druck, besonders in Europa: Das Niedrigzinsumfeld, der starke Wettbewerb und die Regulatorik drücken auf die Margen. Hinzu kommt die Konkurrenz durch neue Anbieter wie Paypal, Apple & Co. Wie gehen Sie mit diesem schwierigen Marktumfeld um?
Ich sehe das nicht so dramatisch. Die neuen Anbieter sehe ich nicht als Bedrohung, sondern als Chance: In unseren Kernmärkten haben wir in elf Ländern gerade ein Kooperationsprojekt mit Telekommunikationsunternehmen gestartet, um auch Menschen ohne Bankkonto zu erreichen. Bis Jahresende planen wir die Kooperationen auf 15 Länder auszudehnen. Dadurch verlieren wir kein Geschäft, sondern gewinnen neues. In Bezug auf die Regulatorik stimme ich Ihnen allerdings zu: Sie verkompliziert einiges, das Risiko- und Liquiditätsmanagement ist für die Banken viel wichtiger geworden.

Stichwort Risiken: Es zeichnet sich ab, dass die Iran-Sanktionen gelockert werden sollen. Einige Banken, darunter  auch Standard Chartered, haben Milliardenstrafen wegen Verstöße gegen die Sanktionen zahlen müssen. Wann können Unternehmen wieder darauf hoffen, ihren Zahlungsverkehr im Iran über internationale Banken abwickeln zu können?
Es wird sicherlich noch ein bis zwei Jahre dauern bis die Sanktionen tatsächlich zurückgefahren sind. Für uns ist Iran derzeit absolut kein Thema, wir haben dort jegliches Geschäft aufgelöst. Im Übrigen: Der Fall Myanmar zeigt, wie lange es nach Jahren der finanziellen Isolation dauert, bis wieder ein funktionierendes Zahlungsverkehrssystem aufgebaut ist. Dort arbeitet die Zentralbank noch heute am Aufbau der Infrastruktur.

Backhaus[at]derTreasurer.de