US-Großbank kooperiert mit Fintech

29.03.18 12:04

BofAML setzt auf künstliche Intelligenz

Von Desiree Backhaus

Unternehmen mit vielen Eingangszahlungen kämpfen mitunter damit, diese richtig zuzuordnen. Die BofAML will mit künstlicher Intelligenz Abhilfe schaffen und kooperiert hierfür mit einem Fintech.

Die BofAML bietet eine neue Lösung an, um die Reconciliation mit Hilfe von künstlicher Intelligenz zu verbessern.

Jirsak/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die BofAML bietet eine neue Lösung an, um die Reconciliation mit Hilfe von künstlicher Intelligenz zu verbessern.

Händler, Versicherer, Energiekonzerne – große Rechnungssteller kämpfen damit, eingehende Zahlungen den offenen Forderungen zuzuordnen. „Unserer Erfahrung nach ist bei etwa 1 bis 5 Prozent der Transaktionen unklar, wer für welche Ware oder welchen Service bezahlt hat“, sagt Alwin Harkema, Treasury Sales Manager für Deutschland bei der Bank of America Merrill Lynch. Die Folge: Mitarbeiter müssen selbst nachforschen, zu welchem Vorgang die Eingangszahlung gehört. Das kostet Zeit und Geld.

Zwei US-Versicherer setzen neue Lösung von BofAML schon ein

Um diesen Abgleich („Reconciliation“) zu erleichtern, bieten Banken seit längerem virtuelle Konten an, bei denen jeder Kunde eine eigene, virtuelle IBAN erhält. Die BofAML geht nun einen neuen Weg: Die US-Großbank hat vor kurzem eine Kooperation mit dem Fintech High Radius geschlossen. Dessen Intelligent-Receivables-Lösung wertet Informationen aus E-Mails, Kontoauszügen und anderen Datenquellen aus, um den Zahlenden zu identifizieren und so den Abgleich zu automatisieren.

„Die Software wendet künstliche Intelligenz an, um von richtig zugeordneten Transaktionen zu lernen, so dass der Anteil der Zahlungen, die automatisiert verarbeitet werden können, mit der Zeit steigt“, erklärt Harkema. Zwei US-Versicherer setzen die neue Lösung schon ein. Sie haben laut Harkema die Straight-through-Processing-Quote von 10 auf 80 Prozent verbessert.

Dafür muss das Treasury die Software zuerst mit Informationen füttern: Sie benötigt Daten aus dem ERP-, dem TMS- und anderen Systemen, die im Forderungsmanagement eingesetzt werden. „Im Moment sind die meisten Systeme schon in der Lage, die Übertragung dieser Daten zu automatisieren, was zu einer Reduzierung der manuellen Handhabung beiträgt“, sagt Natalie Willems-Rosman, Head of Payments and Receivables EMEA bei der BofAML.

Die Bank ist momentan nach eigenen Angaben die einzige Bank, die die Software von High Radius integriert hat. Exklusiv ist die Partnerschaft mit dem Fintech jedoch nicht: High Radius darf auch mit anderen Banken kooperieren.

Treasurer brauchen wenige Wochen für Softwareimplementierung

Und welchen Mehrwert bietet die Bank? „Wir beschleunigen die Einführung der Lösung und können den Datenerfassungsprozess aus verschiedenen Quellen rationalisieren“, sagt Willems-Rosman. Sie schätzt, dass Unternehmen so nur acht bis zehn Wochen für die Implementierung der Software benötigen. Auch kostenseitig dürfte dies kein Nachteil sein, behauptet die Bankerin: „Mit uns kann High Radius sein Produkt skalieren.“ Deshalb ließe sich ein wettbewerbsfähiger Preis anbieten.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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