Auch Treasurer erhoffen sich Vorteile

29.04.16 11:29

Standards für Echtzeitzahlungen veröffentlicht

Von Desiree Backhaus

Echtzeitzahlungen in Euro sollen in anderthalb Jahren möglich sein. Jetzt hat das European Payment Council die Standards für das neue Instant-Payment-Scheme vorgelegt. An einigen Stellen gibt es noch Verbesserungspotential.

Martin Poole/iStock/Thinkstock/Getty Images

In Sekundenschnelle Geld erhalten: Die neue Sepa-Echtzeitzahlung soll es möglich machen.

Die Einführung eines einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsverfahren in Echtzeit rückt näher: Das European Payment Council (EPC), ein Gremium der europäischen Zahlungsdienstleister, hat jetzt das Regelwerk für den sogenannten Sepa Instant Credit Transfer vorgelegt. Bis zum 10. Juli haben Marktteilnehmer nun Zeit, ihre Kommentare einzureichen. Im November wird der EPC dann die finale Fassung der Standards vorlegen, die Ende 2017 in Kraft treten sollen. „In fünf Jahren dürften Echtzeitzahlungen die neue Normalität sein“, prognostiziert Kate Pohl, Leiterin Transaction Service Sales bei der ING in Deutschland.

Im ersten Schritt sollen aber nur Beträge über bis zu 15.000 Euro in Echtzeit abgewickelt werden. „Belgien und die Niederlande haben aber bereits erklärt, keine Limitbeschränkungen vorzugeben“, sagt Pohl. Das steht ihnen laut EPC-Rulebook frei. „In Deutschland wird darüber noch diskutiert.“

Echtzeitzahlung orientiert sich an der Sepa-Überweisung

Beim Design der Echtzeitzahlung hat sich das EPC eng an der Sepa-Überweisung orientiert, um den Banken eine möglichst schnelle und kostengünstige Einführung der neuen Zahlart zu ermöglichen. Dennoch steigen die technischen Anforderungen: Die teilnehmenden Anbieter müssen in der Lage sein, die Zahlungen rund um die Uhr – selbst am Wochenende – abwickeln zu können. Innerhalb von zehn Sekunden muss das Geld auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben werden. Offen ist allerdings noch, wie die Bank das Geld so schnell erhalten soll: „Echtzeit-Clearing, dass heißt 24/7 ist noch nicht möglich, deshalb soll Collateral gestellt werden“, sagt Pohl. Diese Sicherheiten wird wohl nicht jede Bank leisten können. Folge: Kleinere Institute könnten Schwierigkeiten haben, Echtzeitzahlungen anzubieten.

Anders als bei der Sepa-Überweisung und der -Lastschrift, bleibt es ohnehin den Banken in den 34 Ländern der Sepa-Zone überlassen, ob sie ihren Kunden die Echtzeitüberweisung anbieten wollen. Ob sie dies tun, dürfte auch von der Nachfrage nach dieser neuen Zahlart abhängen: In der Öffentlichkeit entsteht zuweilen der Eindruck, Echtzeitzahlungen seien nur für Privatpersonen und Händler relevant. Eine aktuelle Umfrage von DerTreasurer unter 100 Treasury-Verantwortlichen deutet allerdings darauf hin, dass auch Industrieunternehmen von Echtzeitzahlungen profitieren könnten: Immerhin jeder dritte Befragte erhofft sich von der Instant-Payment-Initiative Vorteile für das Geschäft des eigenen Unternehmens. Zur vollen Nutzung müssten allerdings auch die Treasury-Abteilungen rund um die Uhr einsatzbereit sein.

Backhaus[at]derTreasurer.de