Im Treasury liegt einiges im Argen

20.12.17 13:53

Steinhoff setzt Cash Pool aus

Von Desiree Backhaus

Der Möbelkonzern Steinhoff strauchelt heftig. Banken ziehen ihre Kreditlinien für den deutsch-südafrikanischen Konzern zurück, jetzt hat die Poco-Mutter auch den Cash Pool ausgesetzt.

Steinhoff International

Die Finanzlage bei Steinhoff ist heikel.

Die Liquiditätslage bei dem Möbelriesen Steinhoff spitzt sich nach Bekanntwerden des Verdachts auf Bilanzmanipulation zu. Wie der Konzern mittelte, ziehen Gläubiger ihre Kreditlinien „zunehmend“ zurück. Auch Kreditversicherer würden ihre Limite kürzen, heißt es in einer Präsentation, die das Steinhoff-Management am gestrigen Dienstag vor den Banken gehalten hatte. Auf Gruppenlevel herrsche derzeit große Unsicherheit, weil viele operative Einheiten bei der Finanzierung des Working Capitals von der Mutter abhängig seien.

Erschwerend hin zu kommt, dass Steinhoff seine Cash Pools ausgesetzt hat. Ein solcher Schritt ist üblicherweise ein Vorbote für eine handfeste Liquiditätskrise bis hin zu einer drohenden Zahlungsunfähigkeit. So hatte beispielsweise der hochverschuldete Immobilienkonzern IVG 2013 kurz vor der Insolvenz den Cash Pool „als rechtliche Vorsichtsmaßnahme“ abgeschaltet. 

Das hat vor allem haftungsrechtliche Gründe: Wenn Geschäftsführer in Deutschland davon ausgehen, dass sie das in den Cash Pool eingezahlte Geld nicht zurückbekommen, das im Falle einer Insolvenz nachrangig bedient würde, müssen sie den Vertrag kündigen. Andernfalls haften sie persönlich.

Steinhoff muss Liquiditätsmanagement verbessern

Ohnehin scheint im Steinhoff-Treasury einiges im Argen gelegen zu haben: Der Bankpräsentation zufolge hatte Steinhoff bislang keinen Überblick über den Cashflow seiner operativen Einheiten. Die erst vor wenigen Wochen an Bord geholten Berater von Alix Partners würden nun einen 13-wöchig rollierenden Cashflow-Forecast einführen, um die Transparenz zu erhöhen, heißt es weiter.

Dabei ist ein ordentliches Liquiditätsmanagement für die Steinhoff-Gruppe eigentlich essentiell. Denn nach eigenen Angaben hat der Möbelriese 10,7 Milliarden Euro Finanzschulden. Wie sich diese zusammensetzen, das lesen Sie bei unserer Schwesterpublikation FINANCE.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Kapitalverkehrskontrollen, Haftungsrisiken für Manager,eine komplexe technische Umsetzung – das Thema Cash Pooling ist für Treasury-Abteilungen alles andere als trivial. Mit der Themenseite Trends im Cash Pooling bleiben Sie informiert.