40 Unternehmen fordern elektronische Gebührenabrechnung

28.02.13 13:49

Twist-Initiative: Banken unter Druck

Von Desiree Backhaus

In die deutsche Twist-Initiative kommt Bewegung. Rund 40 Unternehmen forderten in der vergangenen Woche bei einer Konferenz ihre Banken auf, ihre Gebührenabrechnungen in elektronischer Form statt in Papierform vorzulegen.

Lufthansa gehört bisher zu den wenigen Einzelkämpfern der Twist-Initiative.

Lufthansa

Lufthansa gehört bisher zu den wenigen Einzelkämpfern der Twist-Initiative.

Das Interesse an der deutschen Twist-Initiative wächst, die aktuelle Erklärung steht auf einer breiten Basis: Unter den unterzeichnenden Unterzeichnern waren auch DAX-Schwergewichte wie Siemens, Deutsche Post und Bayer sowie weitere Konzerne wie Bilfinger, Hochtief und WackerChemie. „Das Interesse an dem Thema nimmt zu“, bemerkt Daniel Sylla aus dem Cash Management der Lufthansa, die die Konferenz ausrichtete und bereits seit zwei Jahren die Werbetrommel für Twist rührt (siehe Der Treasurer 04/2011).

 

In fast allen Branchen ist eine elektronische Gebührenabrechnung mittlerweile ein selbstverständlicher Standard - nicht so bei Banken. Für Treasurer ist eine Abrechnung in Papierform ein Ärgernis: Bei den mehr als tausend Konten, die DAX–Unternehmen häufig unterhalten, können sie es sich kaum leisten, Mitarbeiter Gebühren manuell eingeben zu lassen. Die Folge: Sie können nicht prüfen, ob die Bank wie vereinbart abgerechnet hat. Außerdem können sie nicht zwischen Banken, Ländern und Services vergleichen und das günstigste Angebot auswählen. Wettbewerb ist so kaum möglich.

 

Bei großen Firmen funktioniert das Prinzip Druck, wie das Beispiel Lufthansa beweist: Von ihren beiden Hausbanken erhält die Fluggesellschaft inzwischen die Daten für etliche Länder im XML-Format – in einem Fall als Download, im anderen sogar automatisch über eine Schnittstelle. Laut Sylla konnte der DAX-Konzern so in den vergangenen zwei Jahren viel Geld einsparen.

Einzelne Vorreiter beim Twist-Reporting

Twist-Initiative, elektronische Gebührenabrechnung

Gerade in exotischeren Ländern fehlen etliche Daten aber nach wie vor. „Dort haben wir deshalb begonnen, nur die Leistungen zu bezahlen, die unsere Banken elektronisch abrechnen“, sagt Cash Manager Sylla. „Die Datenqualität hat sich dadurch schon verbessert, aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.“

 

Bisher beschränken sich konkrete Fortschritte vor allem auf große Einzelkämpfer wie Lufthansa und Siemens. Bis zu einem branchenweiten Standard, den die Initiative anstrebt und von dem auch kleinere Unternehmen profitieren, ist der Weg noch weit. Sylla fordert seine Treasurer-Kollegen deshalb auf, diese Leistung aktiv von ihren Banken einzufordern. „Von alleine bieten sie es nicht an“, sagt Sylla. Im Gegenteil: Einige Banken ließen sich das Twist-Reporting mittlerweile gar vergüten. Das sei der falsche Weg. Sylla empfiehlt deshalb, bei künftigen Ausschreibungen direkt eine elektronische Abrechnung zu verlangen. Im Extremfall sollte ein Unternehmen sogar darüber nachdenken, die Bank zu wechseln.

Backhaus[at]derTreasurer.de