Das Innogy-Start-up Motionwerk, das Fintech Xtech und die Sutor Bank bringen gemeinsam ein System für Blockchain-basierende Zahlungen auf den Markt.

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19.05.17
Cash Management & Zahlungsverkehr

Unternehmen, FinTech und Bank starten Zahlsystem mit Blockchain

Das Innogy-Start-up Motionwerk hat zusammen mit dem Fintech Xtech und der Sutor Bank ein System für Blockchain-basierte Zahlungen entwickelt. Das Beispiel zeigt, welchen Mehrwert die Technologie bieten kann.

Die Technologie Blockchain ist dieser Tage in aller Munde. Ein Projekt jagt das nächste und gerade Banken und Infrastrukturbetreiber in der Finanzwelt versprechen sich davon große Effizienzvorteile. Nun haben Motionwerk, ein Start-up des Energieunternehmens Innogy, das Fintech Xtech und die Sutor Bank gemeinsam ein System für Blockchain-basierte Zahlungen entwickelt. Das teilten die drei Parteien am heutigen Freitag mit. Das Zahlungssystem wird demnach auf einer E-Mobility-Plattform verwendet, die Motionwerk betreibt.

Über diese Plattform können Fahrer von Elektroautos und Ladestationsbesitzern ihren Strom ab sofort via App bezahlen. Hierfür schließen sie digitale Verträge, sogenannte Smart Contracts ab, die auf der Blockchain-Technologie Etherum basieren. Durch die Blockchain wird eine dritte Partei, die den Zahlvorgang vermittelt, überflüssig: Mit dem Stromaustausch wird die Zahlung der Mitteilung zufolge automatisch angestoßen. So soll der gesamte Tankprozess effizienter gestaltet werden.

Das Verfahren sieht wie folgt aus: Der Plattform-Teilnehmer überweist im Vorfeld Geld auf ein Treuhandkonto bei der Bank. Dadurch lädt er seine virtuelle Brieftasche (Wallet) mit Tokens auf. Über diese virtuelle Brieftasche wird der Ladestationsbesitzer bezahlt. Treuhandkonto und virtuelle Geldbörse sind über eine Schnittstelle miteinander verbunden. Das System des FinTechs registriert die Zahlungseingänge auf dem Treuhandkonto und sorgt für die Umwandlung der Geldbeträge in Tokens. Umgekehrt können sich die Teilnehmer ihre Token-Guthaben über das Treuhandkonto wieder auszahlen lassen.

Blockchain im Zahlungsverkehr: schneller, einfacher und preiswerter

Insbesondere im Zahlungsverkehr bietet Blockchain einige Vorteile: Bei dem „verteilten Kontobuch“ handelt es sich um eine dezentrale Datenbank, deren Inhalte auf diversen Servern abgelegt sind. Jeder Teilnehmer verfügt so in Echtzeit über denselben Informationsstand.
 
Das ist gerade auch für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr interessant. Die für Treasury-Abteilungen relevanten Zahlungen könnten mithilfe von Blockchain direkt zwischen den Beteiligten ausgetauscht werden, was die Prozesse erheblich einfacher, schlanker und günstiger machen dürfte – und damit auch neue Geschäftsmodelle ermöglicht, wie das Innogy-Beispiel zeigt.

Die spanische Bank Santander hatte im Sommer 2015 errechnet, dass sich durch Blockchain im weltweiten Zahlungsverkehr 18 Milliarden US-Dollar einsparen ließen. Gerade Finanzdienstleister untersuchen deshalb derzeit die Möglichkeiten, die Blockchain bietet. Einer aktuellen globalen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zufolge könnte die Technologie schon bald Teil des alltäglichen Bankgeschäfts werden: 55 Prozent der Befragten wollen diese Technologie bereits im kommenden Jahr in ihren Systemen und Prozessen anwenden, 77 Prozent planen das bis 2020. Allerdings ist im Moment beispielsweise noch unklar, wie mit der neuen Technologie in der Regulierung umgegangen werden soll.

Paulus[at]derTreasurer.de

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