Scheckzahlungen bleiben aber wichtig

20.03.15 08:00

US-Zahlungsverkehr: Fed will XML-Nutzung vorantreiben

Von Desiree Backhaus

Die amerikanische Notenbank Fed will das US-Zahlungsverkehrssystem modernisieren. Dafür setzt sie auf das XML-Format – und löst damit Freude in einigen deutschen Treasury-Abteilungen aus.

Die amerikanische Notenbank Fed will das US-Zahlungsverkehrssystem modernisieren.

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In Bezug auf Zahlungsverkehr sind die USA rückschrittlich, so sehen es zumindest einige deutsche Treasurer.

Die Modernisierung des US-Zahlungsverkehrs nimmt Fahrt auf: Die amerikanische Zentralbank Fed hat gerade fünf Strategien zur Verbesserung des US-Zahlungsverkehrssystems veröffentlicht. Ein zentraler Bestandteil ist der ISO-20022-XML-Standard, der auch den Sepa-Zahlungen zugrunde liegt. Das XML-Format ist global auf dem Vormarsch, in den USA findet es aber noch kaum Anwendung: „Etwa 70 Prozent der Zahlungen in den USA werden über Schecks abgewickelt“, sagt Manfred Fleckenstein, Head of Working Capital Management Sales bei der SEB in Deutschland. Auch bei den elektronischen Zahlungen dominieren andere Formate, wie das CTX-Format des US-Clearingsystems ACH.

Das will die Fed jetzt ändern und stößt mit ihrer XML-Initiative auf viel Gegenliebe bei deutschen Unternehmen mit US-Aktivitäten: „Der US-Zahlungsverkehr ist sehr komplex und durchzogen von lokalen Besonderheiten“, sagt Martin Postweiler, Leiter Cash Management bei Merck. Das Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen hat einen Großteil des Zahlungsverkehrs in den USA zwar in der zentralen Payment Factory integriert. Dennoch laufen einige Zahlungsarten nach wie vor lokal. Auch wenn Merck dabei ist, das zu ändern, werden die antiquierten Scheckzahlungen ein Ärgernis bleiben: „Sie sind nicht nur ineffizient und erfordern teilweise manuelles Eingreifen, sie erschweren auch das Working Capital Management und sind aus Compliance-Gesichtspunkten bedenklich“, sagt Postweiler.

Nach Sepa setzen deutsche Treasurer auch global auf XML

Nicht nur Merck würde sich deshalb wünschen, in den USA auf XML umzusteigen: „Nach der Sepa-Umstellung wollen viele deutsche Unternehmen nun mit ISO 20022 ihren globalen Zahlungsverkehr harmonisieren“, sagt Fleckenstein. In Australien, Japan und Brasilien, selbst in Indien und China gibt es entsprechende Initiativen. Die USA haben sich bislang jedoch geziert: Die Fed hat sich das Thema XML zwar schon 2012 auf die Agenda genommen, es wegen der geringen Bekanntheit und Akzeptanz unter US-Unternehmen allerdings zunächst nicht forciert.

Auf den Druck großer europäischer, aber auch global agierender US-Unternehmen ändert sich das nun, meint Fleckenstein: „Ich kann mir vorstellen, dass wir in den kommenden zwei bis drei Jahren erhebliche Fortschritte bei der XML-Akzeptanz in den USA erleben werden.“ Dass die Fed dem EU-Vorbild folgt und eine verpflichtende Deadline zur Einführung des XML-Formats festlegen wird, glaubt der SEB-Banker aber nicht. Scheckzahlungen werden bis auf weiteres eine große Rolle spielen.

Backhaus[at]derTreasurer.de