Alvarez & Marsal

29.04.19
Cash Management & Zahlungsverkehr

Wenn der Treasurer zum Krisenmanager wird

In Krisenzeiten gewinnt das Liquiditätsmanagement plötzlich an Bedeutung. Dann ist auch der Treasurer gefragt. Ein Sanierungsexperte zeigt die häufigsten Fehler auf.

Noch ist die wirtschaftliche Lage gut. Doch in einzelnen Industrien – wie im Maschinenbau, in der Modebranche und bei Automobilzulieferern – steigt die Zahl der Restrukturierungen. Damit rückt in diesen Branchen eine Treasury-Kernaufgabe stärker in den Fokus: die Sicherung der Liquidität. „In guten Zeiten spielt der Überblick über Zahlungsströme jenseits des Treasury oft eine untergeordnete Rolle“, beobachtet Joachim Lubsczyk, Sanierungsexperte bei der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal. „In Krisenzeiten ist diese Transparenz überlebenswichtig.“ Eine kurzfristige Liquiditätsplanung für die kommenden 13 Wochen, die in der Restrukturierung als Standard gilt, müsse daher wöchentlich, bei sich zuspitzender Krise täglich, aktualisiert werden.

Fehler bei der Liquiditätsplanung

Allerdings beobachtet Lubsczyk bereits bei der Erfassung des Ist-Bestands Defizite: „Oftmals werden zum Beispiel Gelder, die in Märkten mit Kapitalverkehrskontrollen liegen, bei der Überprüfung des insolvenzrechtlichen Liquiditätsstatus in die Liquiditätsposition einbezogen, ohne deren kurzfristige Verfügbarkeit geprüft zu haben“, so der Sanierer, der bereits bei einigen Mittelständlern im Einsatz war. „Dieses Trapped Cash steht meist aber nicht kurzfristig für die Begleichung von Verbindlichkeiten zur Verfügung.“

Ein weiterer Fehler, den er oft beobachtet, ist der mangelnde Fokus auf konzerninterne Verbindlichkeiten durch Warenlieferungen oder Cashpools bei der Liquiditätsplanung. „In der Krise kann die Innenfinanzierung eines Konzerns oft nicht wie gewohnt weitergeführt werden, etwa aufgrund der Kündigung eines Cashpools“, so Lubsczyk. „Das kann die gesamte Gruppe oder einzelne Teile des Konzerns in Bedrängnis bringen.“

„In guten Zeiten spielt der Überblick über Zahlungsströme jenseits des Treasury oft eine untergeordnete Rolle.“

Joachim Lubsczyk, Sanierungsexperte bei Alvarez & Marsal

Verhandlungen mit Kreditgebern

Bei drohenden Liquiditätsengpässen ändert sich zudem die Rolle des Treasurers: Er ist plötzlich als Krisenmanager gefragt. Das gilt etwa für die Gespräche mit den Banken und anderen Finanzierungspartnern. „Es ist wichtig, Probleme wie etwa einen drohenden Covenant-Bruch frühzeitig und offen zu kommunizieren und zugleich bereits einen Plan vorzulegen, wie die aktuelle Krise überwunden werden kann“, weiß Lubsczyk.

Kritisch ist aber auch die interne Kommunikation: So komme es immer wieder vor, dass Eingangsrechnungen nicht sauber in den Systemen erfasst werden, plötzlich auftauchen und hohe Beträge sofort fällig sind. „Daher ist ein bereichsübergreifender Austausch wichtig“, sagt der Berater. „Wir erleben aber ganz oft, dass diese Kommunikation nicht stattfindet.“

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