Neue Geschäftsmodelle auch im Firmenkundengeschäft

21.02.18 11:15

Wie die PSD2 den Zahlungsverkehr und die Bankbeziehung verändert

Von Desiree Backhaus

Die europäische Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 könnte auch die Arbeit im Treasury verändern, glauben manche Treasurer – insbesondere im Zahlungsverkehr.

Welche Rolle haben Banken künftig im Zahlungsverkehr? Die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 dürfte einiges durcheinanderwirbeln.

sborisov/iStock/Thinkstock/Getty Images

Welche Rolle haben Banken künftig im Zahlungsverkehr? Die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 dürfte einiges durcheinanderwirbeln.

Das Inkrafttreten der PSD2 vor knapp einem Monat haben viele Treasurer eher am Rande zur Kenntnis genommen. Kein Wunder: Anders als bei der Sepa-Umstellung vor dreieinhalb Jahren, der letzten großen regulatorischen Änderung im europäischen Zahlungsverkehr, bestand für die meisten Unternehmen kein unmittelbarer Handlungsbedarf.

Aus strategischer Sicht lohnt es sich aber, genau hinzuschauen: Denn im Zuge der PSD2 müssen Banken Drittanbietern Zugang auf Kundenkonten und -daten gewähren, falls der Kunde das wünscht. Diese Vorgabe dürfte dazu führen, dass die Karten im Zahlungsverkehr neu gemischt werden – Open Banking lautet das Schlagwort. „Im Privatkundengeschäft sehen wir die Auswirkungen heute schon, das Firmenkundengeschäft dürfte mit etwas Zeitverzögerung folgen“, prognostiziert Sandra Ficht, Expertin für Digital Banking bei der Strategieberatung Capgemini Consulting. „Welche Rolle Banken in diesem Ökosystem einnehmen werden und wie die Preismodelle aussehen werden, ist derzeit noch nicht absehbar.“

Auswirkungen der PSD2 für Treasurer

Für Treasurer hat das zwei Implikationen: Die Kunde-Bank-Beziehung könnte sich verändern, wenn die Banken plötzlich viele Produkte nur noch vertreiben, aber nicht mehr selbst produzieren. Zudem bieten sich durch offene Programmierschnittstellen (APIs) neue Möglichkeiten für den Zahlungsverkehr von Unternehmen. Das gilt insbesondere für Treasurer, deren Unternehmen im Endkundengeschäft tätig sind. „Die PSD2 beschleunigt die Disruption in der Finanzwelt“, glaubt Torsten Kohrs, Treasury-Chef der Lufthansa. Die Airline analysiert gerade, wie sie APIs einsetzen könnte. „Es gibt diverse Projekte, noch ist aber nichts spruchreif“, sagt Kohrs.

Boris Jendruschewitz, Leiter des Bereichs Konzernfinanzen bei der Otto Group wird konkreter: „Als Händler haben wir vier Anforderungen an den Zahlungsverkehr: Er muss komfortabel, schnell, sicher und preiswert sein.“ Vor allem im Hinblick auf die ersten beiden Punkte erhofft sich der Treasurer Verbesserungen durch die PSD2: „In wenigen Jahren werden wir in Folge der PSD2 und der Instant Payments  die alte Batch-Welt nicht mehr haben“, prognostiziert Jendruschewitz. „Der Zahlungsvorgang wird integraler Bestandteil des digitalen Kaufprozesses werden.“

Warum das Thema Komfort bei der Bezahlung für einen Online-Händler wie Otto besonders wichtig und wie die Banken verhindern wollen, zum reinen Abwickler der Transaktionen zu werden, erfahren Sie im aktuellen E-Magazin von DerTreasurer.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Ziel der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 ist es, den Zahlungsverkehr effizienter, sicherer und kostengünstiger zu machen. Wie sie sich auf den Zahlungsverkehr und die Geschäftsmodelle der Banken niederschlägt, erfahren Sie auf der Themenseite PSD2.

Die Redaktion von DerTreasurer beleuchtet im Rahmen einer Serie, was neue Technologien und Trends für die Treasury-Abteilung leisten und wie die Digitalisierung die Arbeit der Treasurer verändern könnte. Auf der Themenseite Treasury der Zukunft wagen wir einen Blick in die Glaskugel.

Einen weiterführenden Artikel zu diesem Thema, können Sie in der kommenden Printausgabe von DerTreasurer, die am 23. März erscheint, lesen.