Cash Pooling ist komplex, kann aber Kosten einsparen und die Flexibilität erhöhen.

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27.01.21
Cash Management & Zahlungsverkehr

So setzen Treasurer einen effektiven Cash Pool auf

Das Aufsetzen eines Cash Pools bietet Unternehmen zahlreiche Vorteile. Es lauern jedoch ebenso viele Fallstricke, die im schlimmsten Fall zu finanziellen Schäden und Rechtsstreitigkeiten führen können. So funktioniert erfolgreiches Cash Pooling.

Das Aufsetzen eines Cash Pools bietet Unternehmen zahlreiche Vorteile. Es lauern jedoch ebenso viele Fallstricke, die im schlimmsten Fall zu finanziellen Schäden und Rechtsstreitigkeiten führen können. Das zeigt unter anderem das Cash-Pool-Beispiel der Luftfahrttochter Condor, die durch die Mutter Thomas Cook in die Insolvenz gerutscht ist.

Cash Pooling: Definition und Vorteile

Cash Pooling findet in großen Konzernen statt, die aus mehreren Tochtergesellschaften bestehen. Ziel ist es, dass es zu einem konzerninternen Liquiditätsausgleich kommt. Das gelingt der Konzernmutter durch zwei Maßnahmen: Zum einen entzieht sie den Töchtern überschüssige Liquidität und zum anderen deckt sie Liquiditätsengpässe durch Kredite.

Dabei bietet ein gut strukturiertes und konsequent geplantes Cash Pooling Unternehmen und deren Treasury-Abteilungen viele Vorteile. Wenn die Liquidität an einer Stelle innerhalb des Unternehmens konzentriert ist, schafft das nicht nur mehr Transparenz für die Finanzabteilungen. Auch die Kontrahentenrisiken lassen sich besser steuern und die Zinskosten sinken. Denn der Mutterkonzern kann in der Regel bessere Kreditkonditionen mit den Banken aushandeln und die Tochtergesellschaften können sich wiederum über die Mutter günstiger finanzieren.

Doch so verlockend die Vorteile des Cash Poolings selbst in Zeiten von Negativzinsen klingen, Unternehmen müssen jederzeit die potentiellen Risiken einer Zentralisierung ihres Cash Managements im Auge behalten. So sind detaillierte Vertragsverhandlungen zwischen den Tochtergesellschaften und der Zentrale zwingend, um Haftungsrisiken – etwa im Falle einer Insolvenz – zu adressieren.

Je internationaler das Unternehmen aufgestellt ist, desto komplexer wird es, einen Cash Pool zu betreiben. Schlecht strukturiert kann ein Cash Pool das Unternehmen daher nicht nur Effektivität, sondern auch sehr viel Geld kosten.

Erste Schritte beim Cash Pooling

Als absoluten Startpunkt für die Einrichtung eines Cash Pools ist die Inventur des eigenen Konzerns. „Das Unternehmen muss sich Gedanken über seine Konzernstruktur machen“, betonte Lothar Meenen von der Deutschen Bank bereits 2018. Zudem müsse festgelegt werden, welche Tochtergesellschaften an den Cash Pool angeschlossen werden sollen.

Bereits hier verbirgt sich erstes Konfliktpotential. Denn durch die Zentralisierung verlieren die lokalen Gesellschaften die Hoheit über ihre liquiden Mittel. Dies kann vor allem bei Unternehmen mit hohen Cash-Beständen zu Unmut führen. Hier sind zwei Dinge essentiell: Zum einen müssen diesen Tochtergesellschaften die Vorteile des Cash Poolings aufgezeigt werden. Und zum anderen braucht es hier wasserdichte Verträge zwischen dem Mutterkonzern und den Tochtergesellschaften, um im Streitfall Klarheit zu schaffen.

Um den Cash Pool möglichst effektiv zu gestalten, sollten Unternehmen bereits im Vorfeld überprüfen, welche Bankkonten tatsächlich noch benötigt werden. „Unternehmen sollten Transparenz über ihre Bankkonten und deren Salden schaffen“, sagte 2018 der Treasury-Experte Carsten Jäkel, der viele Jahre für die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG tätig war, mittlerweile aber zum Wettbewerber EY gewechselt ist.

Cash Pool: Konten-Überblick ist wichtig

Das klingt einfacher, als es in der Praxis ist: Gerade bei schnell wachsenden Mittelständlern hat die Zentrale oft keinen Überblick über die von Tochtergesellschaften betriebenen Konten und Bankbeziehungen. Um diesen Wildwuchs zurechtzustutzen und die Komplexität des Cash Pools so gering wie möglich zu halten, „sollte man Konten, die man nicht mehr braucht, direkt eliminieren“, sagt der Experte.

Bereits die ersten Vorbereitungen zur Einrichtung eines Cash Pools lassen erahnen, dass es sich hierbei um einen langwierigen Prozess handelt. Wie lange das Aufsetzen dauert, hängt dabei im Wesentlichen von zwei Faktoren ab. Zum einen spielt die Anzahl der Tochtergesellschaften eine Rolle und zum anderen, ob das Unternehmen ausländische Gesellschaften unterhält. „Eine Implementierung kann dann durchaus einige Monaten dauern“, gibt Cash-Management-Spezialist Meenen zu bedenken.

Cash Pooling: Banken richtig auswählen

Nachdem sich die Projektverantwortlichen einen Überblick verschafft und definiert haben, wer an den Pool angeschlossen werden soll, folgt die Auswahl der Bankpartner. „Die Anforderungen, die die Unternehmen an die Banken stellen, weichen, von branchenspezifischen Schwerpunkten abgesehen, kaum voneinander ab“, beobachtet Jäkel bereits 2018.

Weit oben auf der Liste steht naturgemäß der Preis. In Summe muss das Cash Pooling günstiger sein als die klassischen bilateralen Bankbeziehungen, die die Tochtergesellschaften bisher unterhalten. Außerdem spielt es oftmals eine Rolle, ob die Bank dort regional vertreten ist, wo der Konzern Gesellschaften unterhält.

Laut Transaktionsbanker Lothar Meenen fragen viele Unternehmen im Zuge der Request for Proposals (RfPs) aber noch zwei weitere Punkte ab: Es sei wichtig „in welchem Format die Daten an die Bank übermittelt werden können.“ Hierbei würde vor allem den Datenformaten XML und Global CGI gefragt. Außerdem sei es von großer Bedeutung, „wie lange die Cut-off-Zeiten sind“, also die Zeiten, in denen eine Bank keine Zahlungen abwickelt.


Mit wie vielen Banken ein Unternehmen Cash Pooling betreibt, hängt am Ende von der Unternehmensgröße oder den Volumina ab, die im Cash Pool gesammelt werden sollen. „Die Zahl der Banken steigt, wenn Unternehmen internationale Gesellschaften unterhalten“, sagt Meenen. Der langjährige Transaktionsbanker kennt Fälle, in denen viel zu viele Banken zum Einsatz kamen. Unabhängig davon empfehlen die Experten, mindestens zwei Banken für das Cash Pooling zu nutzen, um sich nicht von einer Bank abhängig zu machen und das Kontrahentenrisiko gering zu halten.

Wie Zero Balancing im Cash Pool funktioniert

„Das Zero-Balancing betreiben sehr viele Unternehmen, es ist die gängigste Variante des Cash Poolings“, sagt Meenen. Dabei werden alle an den Pool angeschlossenen Konten am Abend auf Null gestellt. Guthaben werden von den Tochtergesellschaften auf das sogenannte Masterkonto bei der Muttergesellschaft übertragen. Konten, deren Saldo zu diesem Zeitpunkt negativ ist, werden ausgeglichen. Diese Variante wird bevorzugt, da sie im Idealfall vollkommen automatisch abläuft.

Auf einem Masterkonto sammelt ein Konzern die Liquidität der Tochtergesellschaften. Dabei erhält jede Währung ein eigenes Masterkonto. Doch ein solches Konto kann auch in unterschiedlichen Varianten verwendet werden. So sei auch die „Trennung zwischen Eingängen und Ausgängen möglich“, merkt Meenen 2018 an.

Cash Pooling im Ausland

Wenn ein Konzern Tochtergesellschaften im Ausland unterhält, erhöht sich der Schwierigkeitsgrad des Cash Poolings. „Jenseits des Euro-Raums oder dem US-Dollar wird es etwas komplizierter“, merkt Carsten Jäkel an. So führte zum Beispiel der Brexit zu steuerrechtlichen Änderungen im Cash Pool in Großbritannien.

Einerseits spielen beim sogenannten Multi-Currency-Pooling auch Überlegungen der Währungsabsicherung eine Rolle. Andererseits ist Cash Pooling nicht in allen Ländern ohne weiteres möglich. Besonders Cash Pooling in China und Russland ist komplex und Treasurer müssen viele Regeln beachten. Teilweise ist es sogar gänzlich verboten, so beispielsweise in Indien, wo das klassische Cash Pooling nicht erlaubt ist und die Konzerne teilweise strengen Restriktionen unterliegen. Experten sprechen in einem solchen Fall von Trapped Cash, da es dem Cash Pool nicht automatisch zugeführt werden kann.

Es wird deutlich: Ein Cash-Pooling-Projekt erfordert eine detaillierte Vorbereitung, eine klare Struktur und ein hohes Maß an Ausdauer. Doch wenn die Treasury-Abteilung die Fallstricke beachtet und die Konzernstrukturen regelmäßig kontrolliert, ist der Mehrwert enorm.

s.backhaus[at]dertreasurer.de

Bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden mit unserer Themenseite Trends im Cash Pooling. Weitere einführende Treasury-Texte finden Sie auf der Themenseite Treasury-Ratgeber.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel ist ein Ratgeber-Text, der laufend überarbeitet wird und zuerst im März 2018 erscheinen ist.