Studie: Deutsche Firmen mit 189 Milliarden Euro Liquiditätspotential

15.07.14 08:00

Working Capital: Firmen sehen keinen Bedarf

Von Desiree Backhaus

Beim Working Capital Management treten deutsche Unternehmen laut einer Studie derzeit auf der Stelle. Insbesondere mit einer Stellschraube könnten die Unternehmen mehr Liquidität freisetzen. Doch es scheint, als ob die Optimierung des Working Capital derzeit nicht so stark im Fokus steht.

Working Capital: Firmen sehen keinen Bedarf

Thinkstock / Getty Images

Deutsche Unternehmen können noch reichlich Liquidität freisetzen - zum Beispiel in dem sie Rechnungen später zahlen.

Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr im Durchschnitt kaum Fortschritte bei der Optimierung ihres Working Capitals gemacht. Das geht aus einer aktuellen Studie des Beratungshauses REL hervor. Wie im vergangenen Jahr betrug die Kapitalbindungsdauer bei den 118 untersuchten Unternehmen im Schnitt 45 Tage. Auch der Anteil des Working Capitals am Umsatz ist mit gut 12 Prozent konstant geblieben. Damit konnte der positive Trend von 2011 auf 2012 nicht fortgesetzt werden: 2011 hatten die Kennzahlen noch bei 48 Tagen und gut 13 Prozent gelegen.

Aus diesen Kennzahlen hat REL das ungehobene Liquiditätspotential der Firmen errechnet: Gemessen am oberen Viertel ihrer jeweiligen Branche, könnten die weniger erfolgreichen deutschen Unternehmen demnach 189 Milliarden Euro an Kapital freisetzen. Solche aggregierten Zahlen sind zwar mit Vorsicht zu genießen, weil sie die starken Unterschiede zwischen Geschäftsmodellen nicht berücksichtigen. Doch die Tendenz ist klar: Vor deutschen Treasurern liegt noch eine Menge Arbeit. Im vergangenen Jahr hatte das Liquiditätspotential bei ähnlichen 183 Milliarden Euro gelegen. 

Working Capital Management derzeit nicht so stark im Fokus

Dass das Working-Capital-Management derzeit nicht so stark im Fokus steht, könnte auch daran liegen, dass viele Unternehmen in Liquidität schwimmen, die sie im Niedrigzinsumfeld nicht rentierlich anlegen können. Da es im Gegensatz zu den Zeiten der Finanzkrise keinen Notstand gibt, halten sich ihre Bemühungen in Grenzen.

Das meiste Cash könnten deutsche Unternehmen laut REL durch ein besseres Management von Verbindlichkeiten heben – also in dem sie Lieferantenrechnungen später zahlen und die Zahlungsziele vollständig ausschöpfen: Hier lassen die Unternehmen aktuell 92 Milliarden Euro liegen. Diese gute Zahlungsmoral erklärt auch, warum deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich beim Working Capital hinterherhinken: „Unternehmen, die einen Großteil ihrer Beschaffung in Deutschland durchführen, zahlen sehr viel schneller als ihre europäischen Wettbewerber. Ihre Kunden aber, die zum großen Teil außerhalb Deutschlands verortet sind, praktizieren dagegen Zahlungsziele, die bis zu 60 Tage betragen können“, sagt Paul Moody, Managing Director bei REL.

Auffällig ist auch: Die 25 untersuchten Dax-Unternehmen schneiden schlechter ab als der Durchschnitt der deutschen Unternehmen – laut der REL-Erhebung zahlen sie ihre Rechnungen noch schneller als kleinere Unternehmen.

Backhaus[at]derTreasurer.de