Banken stellen sich langsam auf Digitalisierung ein

19.02.15 08:00

Zahlungsverkehr: FinTechs starten Angriff auf Firmenkunden

Von Desiree Backhaus

Die Digitalisierung sorgt für tiefgreifende Veränderungen im Zahlungsverkehr – und das längst nicht mehr nur im Retail-Banking. FinTechs sind den Banken noch einen großen Schritt voraus, doch langsam entwickeln auch diese neue Ideen für Firmenkunden.

Zahlungsverkehr: FinTechs starten Angriff auf Firmenkunden

Violetkaipa/iStock/Thinkstock/Getty Images

BBVA-Chef Francisco Gonzalez hat eine düstere Prognose: Mehr als die Hälfte der Banken weltweit werde wegen der digitalen Transformation vom Markt verschwinden, sagte Gonzalez kürzlich bei der Vorstellung der Jahreszahlen der Bank. Die Umwälzungen sind in der Tat immens: Der Strategieberatung Bain & Company zufolge gehören die Banken zu den Branchen, den in den kommenden zehn Jahren die größten Veränderungen durch die Digitalisierung ins Haus stehen. Im Branchenvergleich attestiert KPMG den Geldhäusern in einer aktuellen Studie zwar einen guten Digitalisierungsfortschritt. In den Kategorien digitale Geschäftsprozesse und Innovationsfähigkeit schneiden sie jedoch schlecht ab.

Im Zahlungsverkehr ist der Umbruch zurzeit am größten. Neue Anbieter beschränken sich nicht mehr nur auf die Privatkunden. Start-ups wie Traxpay und Taulia aber auch etablierte Player wie American Express wollen Banken im Firmenkundengeschäft den Rang ablaufen: Sie werben damit, Zahlungen rund um die Uhr in Echtzeit gutschreiben zu können. Außerdem verknüpfen sie den Zahlungsverkehr zunehmend mit Reporting- und Working-Capital-Tools.

Damit treffen die neuen Anbieter den Nerv der Treasurer, meint der Axel Goedecke von der Unternehmensberatung Horváth & Partner im Interview mit FINANCE-TV: „Schon beim Kauf ist die Zahlung garantiert, so dass direkt die Lieferung angestoßen werden kann. Die Liquidität steht sofort zur Verfügung und der gesamte Prozess kann vollautomatisiert ablaufen.“ Damit wird nicht nur das Working Capital optimiert, auch die Prozesskosten sinken. Momentan sind viele Treasury-Abteilungen allerdings eher zurückhaltend gegenüber den neuen Anbietern – aus Sicherheitsbedenken oder Veränderungsaversion.

Banken müssen neue Lösungen für B2B-Zahlungsverkehr entwickeln

Matthew Leavenworth, Innovationsspezialist im Bereich Payments bei der Bank of America Merill Lynch, warnt vor den Risiken: „Oft sieht nur so aus, als würden Echtzeitzahlungen durchgeführt. Tatsächlich kann die dahinter liegende Infrastruktur das gar nicht darstellen.“ Nur wenn sowohl der Zahlende als auch der Empfänger ein Konto bei demselben Anbieter hätten, sei eine Echtzeitüberweisung möglich. „Das Unternehmen muss also darauf vertrauen, dass die Zahlungsgarantie des Anbieters standhält. Damit entsteht ein Kreditrisiko.“

Trotz aller Bedenken sieht auch Leavenworth die Banken in der Pflicht neue digitale Lösungen zu präsentieren: „Wir dürfen uns nicht auf die Profite der Vergangenheit verlassen.“ Diese Message scheint angekommen zu sein: Die Commerzbank hat sich an Traxpay beteiligt, die BBVA ist bei Taulia eingestiegen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Darüber hinaus entwickeln Banken eigene Ideen: „Es gibt Planspiele den Zahlungsverkehr für Großkonzerne komplett zu übernehmen“, sagt Berater Goedecke. Dabei gehe es nicht nur um das Auslösen der Zahlung, sondern schon um den gesamten Prozess nach der Rechnungsfreigabe. „Bald werden wir erste Tests sehen“, kündigt er an.

Backhaus[at]derTreasurer.de