Die Preisträger: Konstantin Sauer (3.v.l) und Klaus Wirbel (5.v.l.) mit Torsten Murke (BNP Paribas), Markus Rupprecht (Traxpay), Volker Heischkamp (Innogy), Markus Dentz, Bastian Frien und Michael Hedtstück.

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30.11.18
Finanzen & Bilanzen

14. Structured FINANCE: Turbulente Zeiten für CFOs und Treasurer

Treasury und CFO des Jahres sowie die Thesen von Professor Hans Werner Sinn sind einige der Themen, die die Finanzverantwortlichen auf der 14. Structured FINANCE interessiert haben. In den Roundtables dominierten aber keine politischen und marktwirtschaftlichen Themen.

Wer erhält die Auszeichnung Treasury des Jahres 2018? Diese Frage wurde am Galaabend der 14. Structured FINANCE beantwortet. In einem engen Rennen setzt sich das Treasury der Rewe Group gegenüber Baywa, Puma, Atotech und Scout 24 durch. Das Kölner Handels- und Touristikunternehmen stemmte in diesem Jahr die Platzierung eines milliardenschweren Schuldscheins sowie zahlreiche Digitalisierungsinitiativen. Für diese Anstrengungen bedankte sich Group Treasurer Klaus Wirbel in seiner kurzen Dankesrede bei seinem Team, das den Preis anschließend gebührend feierte.

Konstantin Sauer wird CFO des Jahres 2018

Auch bei einem Automobilzulieferer war die Freude groß, als wenig später der CFO des Jahres bekannt wurde. Konstantin Sauer, Finanzchef der ZF Friedrichshafen, erhielt den Award für seine Leistungen rund um die transformatorische Übernahme von TRW Automotive im Jahr 2015. Die Jury ließ sich absichtlich etwas Zeit mit der Auszeichnung, um zu sehen, wie ZF die milliardenschwere Übernahme verdauen würde. Inzwischen ist klar: sehr gut. Die Schulden des Konzerns sind stark gesunken, die Ratings liegen bei den Agenturen wieder im Investmentgrade.

„Ich freue mich sehr über die Auszeichnung“, sagte Sauer, der zwischenzeitlich auch als Interim-CEO von ZF agierte. „Sie würdigt die kontinuierliche Leistung des gesamten Teams im Finanzbereich, ZF für die Zukunft der Mobilität erfolgreich aufzustellen.“ Dabei sei es gelungen, die Strategie mit hohen Investitionen vor allem in Elektromobilität und autonomes Fahren weiter zu verfolgen und zugleich die finanziellen Ziele zu erreichen.

Brexit beschäftigt CFOs und Treasurer

Die Konferenz fiel in diesem Jahr in eine Zeit, in der speziell die Automobilhersteller und ihre Zulieferer vor großen Herausforderungen stehen. Zolldiskussion um Trump, Branchenumbruch und Dieselskandal sind nur einige Stichworte. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Monaten der makroökonomische Gegenwind zunahm. Die Banken achten deshalb wieder genauer auf ihre Klientel im Automotive-Sektor, weswegen ein Austausch mit ihnen sicher sinnvoll war.

Daneben stand die Konferenz unter dem Eindruck des nahenden Austritts der Briten aus der EU („Brexit“) und der Haushaltskrise in Italien. Zahlreiche Teilnehmer harrten noch bis zum Ende des zweiten Konferenztages aus, um den Thesen Professor Hans Werner Sinns zu folgen. Der renommierte Ökonom forderte im Gespräch mit dem FAZ-Redakteur Rainer Hank, mit den Briten weiter eng zusammenzuarbeiten, da sie aus Gründen der Sicherheitspolitik und des marktwirtschaftlichen Denkens wichtig für Europa seien.

Neue Schuldscheinplattformen geraten in den Blick

In den Roundtables und Workshops - in diesem Jahr erstmals über 100 - dominierten allerdings andere Themen. Zahlreiche Diskussionen kreisten um die operativen Finanzierungs- und Treasury-Fragen. Ein Thema war besonders von Interesse, das im vergangenen Jahr noch nicht präsent war: die zahlreichen neuen Schuldscheinplattformen, die Banken derzeit lancieren. Sie stehen im Wettbewerb mit bankunabhängigen Fintechplattformen, die sich aber teils auch als Bankenpartner positionieren.

Im Breakfast Club an zweiten Tag berichteten die Baywa-Finanzexperten Uwe Falk und Miriam Kumerle von ihren Erfahrungen mit einem digitalen Schuldschein, der über die Plattform Debtvision (LBBW/Börse Stuttgart) platziert wurde. Noch ist nicht gesagt, welche technische Lösung sich dauerhaft durchsetzen wird. Doch so viel war auch klar: Einer sinnvollen digitalen Plattform wird sich kein Unternehmen verschließen, laufen doch heute noch viele Prozesse bei Schuldscheinplatzierungen manuell ab.

15. Structured FINANCE am 27. und 28. November 2019

Mit dem Fokus Digitalisierung startete auch die Konferenz. „CFOs müssen hier die Stoßrichtung erkennen, sich aber auch im Zweifel von jüngeren Mitarbeitern beraten lassen“, sagte Matthias Heiden, ehemaliger SAP-Treasurer und heutiger Finanzvorstand des Lkw-Zulieferers SAF-Holland, im Rahmen der Diskussionsrunde.

Der Rahmen der Konferenz, der über 2.300 Teilnehmer beiwohnten, bot genügend Möglichkeiten, sich auch abseits der Workshops und Panel-Diskussionen auszutauschen, was die Teilnehmer auch intensiv nutzten. Im kommenden Jahr wird die 15. Structured FINANCE am 27. und 28. November stattfinden - ebenfalls in Stuttgart.

Dentz[at]derTreasurer.de

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