Zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft rekapitalisiert sich erfolgreich

08.05.14 13:57

Air Berlin tauscht Mittelstandsanleihen um

Von Sabine Paulus

Die Fluggesellschaft Air Berlin tauscht ihre 2014 und 2015 fälligen Mittelstandsanleihen um und platziert hierfür in Euro und Schweizer Franken denominierte Anleihen. CFO Ulf Hüttmeyer kann durch diesen Schritt die Zinlast der Fluggesellschaft deutlich senken und die Eigenkapital- und Liquiditätsposition stärken.

Air Berlin tauscht Mittelstandsanleihen um

Air Berlin

Nach wochenlangen Spekulationen über die Zukunft von Air Berlin hat sich die Fluggesellschaft nun erfolgreich rekapitalisiert. Mit neuen Anleihen konnte das Unternehmen die Zinslast deutlich senken und seine Eigenkapital- und Liquiditätsposition stärken.

Den Investoren bestehender Mittelstandsanleihen hat Air Berlin angeboten, ihre Anleihen in neue Bonds einzutauschen, die bis 2019 laufen. „Den Investoren der 2014 und 2015 fälligen Anleihen bieten wir eine attraktive Option zum Umtausch, um die Fälligkeitsstruktur der Verbindlichkeiten zu entspannen“, sagte Air-Berlin-CFO Ulf Hüttmeyer vor einigen Tagen.

Die im November 2014 auslaufende Mittelstandsanleihe über 150 Millionen Euro wird mit stolzen 11,5 Prozent verzinst. Die im Herbst 2015 fällige Anleihe über 200 Millionen Euro ist immerhin noch mit einem Kupon von 8,5 Prozent ausgestattet.

Air Berlin platziert verschiedene neue Anleihen

Nun steht das Ergebnis des Umtauschangebots fest: Gläubiger der 2014 fälligen Mittelstandsanleihe haben Papiere über insgesamt rund 8,5 Millionen Euro zum Umtausch angedient, Gläubiger der 2015 fälligen Mittelstandsanleihe Teilschuldverschreibungen über insgesamt rund 4,1 Millionen Euro. Auf der Basis der schon veröffentlichten Umtauschverhältnisse platziert Air Berlin demnach eine neue, in Euro denominierte Anleihe im Volumen von 7,294 Millionen Euro und eine neue, in Schweizer Franken denominierte Anleihe über 7,275 Millionen Schweizer Franken.

Um neue Mittel aufzunehmen, begibt die Fluggesellschaft weitere Anleihen in Höhe von etwa 162,7 Millionen Euro und rund 92,7 Millionen Schweizer Franken, die im Rahmen einer Privatplatzierung bereits vollständig gezeichnet wurden. Den erzielten Nettoerlös aus der Emission im Gegenwert von rund 150 Millionen Euro will Air Berlin für allgemeine Unternehmenszwecke verwenden, und mit dem Rest bestehende Verbindlichkeiten refinanzieren.

Insgesamt ergibt sich damit folgendes Bild: Durch zwei neue Anleihen hat Air Berlin insgesamt 252 Millionen Euro eingenommen. Die in Euro denominierte Anleihe platzierte die Fluggesellschaft mit einem Gesamtnennbetrag von 170 Millionen Euro. Die Anleihe ist mit einem Kupon von 6,75 Prozent p.a. ausgestattet. Der Gesamtnennbetrag der Franken-Anleihe, deren Kupon bei 5,625 Prozent p.a festgelegt wurde, wird 100 Millionen Schweizer Franken betragen (knapp 82 Millionen Euro).

„Beim Umtausch haben wir zwar die erhoffte Zielmarke von 100 Millionen Euro nicht erreicht“, sagte Air-Berlin-CFO Ulf Hüttmeyer. „Allerdings werden wir den Liquiditätszufluss, der signifikant höher als erwartet ist, nutzen, um bei günstigen Marktbedingungen die anstehenden fälligen Anleihen in dem angestrebten Umtauschvolumen zu adäquaten Preisen am Markt zurückzukaufen.“

Etihads Eigenkapitalspritze hilft Air Berlin

Bei diesem Rettungsplan musste Air Berlin zusätzlich auch auf die Hilfe seines Großaktionärs Etihad Airways bauen. Die Gesellschaft, hinter der das Königshaus des Golf-Emirats Abu Dhabi steht, hat bereits eine Wandelanleihe in Höhe von 300 Millionen Euro gezeichnet, wodurch die Equity-Seite von Air Berlin gestärkt wurde.

Das Eigenkapital von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft war bisher tiefrot: Ende Dezember 2013 und damit vor den neuen Kapitalmaßnahmen lag das Eigenkapital bei einem Minus von 181,9 Millionen Euro. Darüber hinaus hat Air Berlin die Laufzeit eines Gesellschafterkredits in Höhe von 255 Millionen US-Dollar von 2016 auf 2021 verlängert.

Die Rekapitalisierung hat ein Gesamtvolumen von 550 Millionen Euro. „Mit dieser Rekapitalisierung ist es uns gelungen, unser Eigenkapital und die Liquiditätsausstattung von Air Berlin deutlich zu stärken“, sagte Hüttmeyer weiter. Gleichzeitig verringerte die Fluggesellschaft dadurch ihre Nettoverschuldung und muss nun auch weniger Zinsen zahlen.

Eigentümerstruktur von Air Berlin bleibt unverändert

Die neuen Finanzierungen einschließlich der Kapitalspritze von Etihad haben allerdings keine Folgen für die Eigentümerstruktur der Berliner Fluggesellschaft. „Nach dieser Rekapitalisierung wird die Eigentümerstruktur der Air Berlin PLC unverändert bleiben“, teilte die Fluggesellschaft mit – und beendet damit Spekulationen, nach denen Etihad weitere Unternehmensanteile von Air Berlin übernehmen oder die Fluggesellschaft oder Teile davon in eine Europa-Holding einbringen könnte. Höhere Anteile könnten sich negativ auf die Anflugsrechte in Europa auswirken.

Paulus[at]derTreasurer.de