Die Nebenwirkungen des Hypes

21.12.17 09:00

Allianz GI beklagt Verfall der Standards bei Schuldscheinen

Von Markus Dentz

Der Schuldschein-Hype geht auch 2017 weiter. Für institutionelle Investoren werden die Papiere zunehmend unattraktiver, sagt Thomas Schneider von Allianz Global Investors. Er würde sich eine deutsche Version des US-Private-Placement-Marktes wünschen.

Thomas Schneider verantwortet bei Allianz Global Investors das Schuldschein-Geschäft.

Allianz Global Investors

Thomas Schneider verantwortet bei Allianz Global Investors das Schuldschein-Geschäft.

Der deutsche Schuldscheinmarkt steuert auf ein neues Rekordjahr zu. Allerdings gehen mit dem Hype des Instruments sinkenden Marktstandards einher. „Wir beobachten den Margenverfall und die reduzierten Dokumentationsstandards mit Sorge“, sagt Thomas Schneider, der bei Allianz Global Investors (AGI) das Geschäft mit European Corporate Loans leitet.

Die Konsequenz: „Wir spielen nicht unbegrenzt mit bei zehn Jahren Laufzeit ohne Covenants“, sagt Schneider. Durch den Preisverfall im Markt sei der Schuldschein für institutionelle Investoren ein Stück weit uninteressanter geworden. Insbesondere billiges Geld, das von internationalen Anlegern in den Markt fließt, beobachtet er mit Skepsis, da die Investoren die Kreditqualität der Emittenten, die meist nicht über ein externes Rating verfügen, nur bedingt einschätzen könnten.

„In Deutschland dominieren die Banken das Geschäft, der Markt sollte sich aber stärker an den Bedürfnissen institutioneller Investoren ausrichten“, fordert Schneider. „Wir wissen, dass viele Emittenten Diversifikation der Kreditgeber suchen.“ Eine deutsche Version des US-Private-Placement-Marktes für institutionelle Investoren wäre aus seiner Sicht eine ideale Lösung.

Allianz ist bei Schuldscheinen aktiv

Die Allianz selbst ist bei Schuldscheinen bereits seit Jahrzehnten aktiv, das Team ist am Jahresanfang 2017 von Allianz Investment Management zu Allianz GI gewechselt, um Schuldscheine auch Drittinvestoren anbieten zu können. Derzeit verwalten die Münchner ein Vermögen von rund 4 Milliarden Euro. Sie investieren ausschließlich in Investmentgrade-Emittenten. Seit zehn Jahren gebe es keine Ausfälle aus Neuinvestments, sagt Dietmar Schubert, Stellvertretender Leiter Portfolio Management: „Wenn Branche und Bonität stimmen, sind wir durchaus bereit, in bis zu 15 Jahre Laufzeit zu investieren.“

AGI zeichnet üblicherweise Tranchen von 25 bis 100 Millionen Euro, wobei der „Sweetspot“ 50 Millionen Euro ist. Die Münchener seien für ihre aktuellen Kapitalgeber prinzipiell in allen Branchen aktiv, sagt Schubert: „Besonders interessant ist das Engagement bei Unternehmen, die einen langfristigen Buy-and-Hold-Investor suchen und Schuldscheine nicht breit in den Markt syndizieren wollen.“

Dazu gehörte in diesem Jahr der Pumpenhersteller Wilo, der ein Papier über 50 Millionen Euro platziert hat. Da bei Schuldscheinen meist nur wenige Investoren mit großen Summen involviert sind, können die Platzierungen sehr schnell geschehen – ein Vorteil gegenüber Banken-Deals, die oft mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Dentz@derTreasurer.de


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