Bayer; Montage: DerTreasurer

02.10.18
Finanzen & Bilanzen

„Aufschieben war keine Alternative“

Bayers Kapitalmarktchef Sven Vorstius spricht mit DerTreasurer über die Anleiheplatzierung für den Monsanto-Deal.

Die Übernahme von Monsanto war für Bayer zeitweise eine Hängepartie – besonders, weil die Genehmigung der Kartellbehörden so lang auf sich warten ließ. Ende Mai dieses Jahres machte das US-Justizministerium endlich den Weg frei und genehmigte den Monsanto-Kauf unter Auflagen. Dann ging es ganz schnell: Bayer initiierte eine Kapitalerhöhung.

„Da sie nicht so groß war wie ursprünglich gedacht, hatten wir weniger Bedenken, dass etwas schiefgehen würde“, sagt Sven Vorstius, Kapitalmarktchef des Konzerns, heute rückblickend. Bayer brauchte „nur“ noch 6 Milliarden Euro, weil der Konzern 4 Milliarden Euro über die Pflichtwandelanleihe, fast 9 Milliarden Euro über Verkäufe von Covestro-Aktien und 3 Milliarden Euro über einen Deal mit dem Investor Temasek aus Singapur erlöst hatte.

Stürmisches Umfeld bei Mega-Anleihen-Transaktion

Spannender gestalteten sich hingegen die folgenden Anleihetransaktionen. Das Umfeld war stürmisch: Bereits im Frühjahr hatten politische Diskussionen um die Italienwahl und um Trumps Strafzölle die Finanzmärkte bewegt. Hinzu kam, dass die EZB just am 14. Juni bekanntgab, das Anleihekaufprogramm zum Ende des Jahres hin auslaufen zu lassen. „Ein langes Aufschieben war deshalb keine ideale Alternative“, sagt Vorstius im Gespräch mit DerTreasurer. Am Wochenende vor den geplanten Emissionstagen verschlechterte sich zudem die Stimmung an den Finanzmärkten.

Bayer konnte dennoch am Mittag des 18. Juni mit einer gewaltigen Transaktion am Bond-Markt  auftrumpfen, um mit den Erlösen Teile des Brückenkredits für die 63 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Monsanto abzulösen. Der Konzern sammelte über neue Anleihen zunächst 15 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro) ein. Die Emission war rund dreifach überzeichnet.

„Am US-Bond-Markt hätten wir sogar noch mehr Volumen erzielen können“, sagt Vorstius rückblickend. Noch spannender wurde es am folgenden Dienstag, dem 19. Juni: Die Börsen eröffneten mit tiefroten Zahlen in Asien, und auch der Dax war schwach. Bayer dachte an Verschiebung, verwarf den Gedanken aber schnell wieder. „Die Investoren wollten den Deal unbedingt machen – besser früher als später“, sagt Vorstius.

Denkbar wäre ohnehin nur ein Schieben um ein bis zwei Tage gewesen. So wurden weitere Anleihen in Höhe von 5 Milliarden Euro platziert. Am Euro-Markt war Bayer damit ebenfalls erfolgreich, befand sich nach Vorstius‘ Einschätzung allerdings „am oberen Limit“. Beim Währungsmix spielten steuerliche Erwägungen wie Fragen der Innenfinanzierung eine Rolle.

Wie Sven Vorstius bei Bayer die gesamte Refinanzierung des Monsanto-Deals erlebt hat, erfahren Sie in der neuen Printausgabe von DerTreasurer, die Sie hier abonnieren oder direkt als E-Paper bestellen können.

Dentz[at]derTreasurer.de

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