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18.10.18
Finanzen & Bilanzen

Banken bauen Swift-ähnliches Netzwerk für Handelsfinanzierungen

Ausnahmsweise mal nicht die Blockchain: Mehrere Top-Banken, darunter die Deutsche Bank, HSBC und BNP Paribas, gründen eine Initiative zur Handelsfinanzierung. Die will nichts weniger, als einen Standard für multibank-fähige Handelsfinanzierungen setzen – und damit Fintechs vom Markt fernhalten.

Keine halben Sachen machen wollen diese sieben Banken: ANZ, Banco Santander, BNP Paribas, Citibank, Deutsche Bank, HSBC und Standard Chartered haben angekündigt, Ende 2018 eine neue Initiative zur digitalen Handelsfinanzierung zu gründen. Das sogenannte Trade Information Network, kurz TIN, zielt auf einen neuen Industriestandard für die digitale und multibankfähige  Handelsfinanzierung. Dieser habe das Potential, den internationalen Handel deutlich zu „transformieren“, teilten die beteiligten Geldhäuser mit.

Die Banken haben zunächst ein „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet. Im Rahmen der jährlich stattfindenden Sibos-Konferenz werden am 22. Oktober in Sydney Details dazu bekannt gegeben. „Wir rechnen mit einer Pilotierung spätestens im ersten Quartal 2019, in zweiten Quartal des kommenden Jahres wollen wir die Nutzung ausweiten und im dritten in vollem Umfang starten“, sagt Daniel Schmand, der seit August 2017 die Handelsfinanzierung der Deutschen Bank leitet.

Kommunikation mit den Banken erleichtern

Das neue Netzwerk soll es Unternehmen ermöglichen, Lieferungen zu einem früheren Zeitpunkt als bisher an ihre Banken zu kommunizieren und Finanzierungen abzuschließen. Neben den sieben Gründungspartnern sollen mehr als 20 Banken dazu beitragen, dass ein reibungsloses Zusammenspiel funktionieren kann. Offenbar haben bereits zahlreiche Unternehmen  ihr Interesse an der neuen Initiative bekundet. „Nach den Vorüberlegungen haben alle Banken ihre Kunden befragt“, sagt Daniel Schmand. „Erst als wir ein eindeutig positives Feedback hatten, sind wir in diesem Jahr in die Design-Phase gegangen.“

Dadurch, dass sie ihren Banken vertrauenswürdige Informationen zur Verfügung stellen, soll das Risiko von Doppelfinanzierung sowie betrügerischer Handelsinformationen minimiert werden. Dies soll den Banken helfen, Risiken besser einzuschätzen und Finanzierungen bereits zu einem früheren Zeitpunkt in der Lieferkette, beispielsweise vor dem Versand, zur Verfügung zu stellen.

Davon sollen insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen profitieren, die zuletzt häufiger den mangelnden Zugang zu Trade-Finance-Angeboten beklagt haben. Die Finanzierung sowie den vorgelagerten KYC-Prozess nehmen die Banken dann allerdings über ihre eigenen Systemen vor.

Damit bauen die Banken de-facto eine Vermittlungsplattform – ein Ansatz, den bislang vor allem Fintechs verfolgt haben. Im Bereich der Lieferantenfinantierung gibt es mit CRX Markets, C2FO, Crossinx, Traxpay und Taulia, diverse Anbieter, die solche Plattformen aufgebaut haben. Zum Teil tun sie dies mit Unterstützung der Banken, zum Teil ohne. Mit dem neuen Netzwerk wollen die Banken nun offenbar verhindern, dass Fintechs auch in den Bereich der Handelsfinanzierung drängen.

Offene Netzwerkarchitektur soll Swift ähneln

Das neuartige Netzwerk habe eine offene Architektur und eine standardisierte Konnektivität, die auf einem Steuerungsmodell „ähnlich wie Swift“ basiere, heißt es in einer Mitteilung der beteiligten Banken. Für Unternehmen soll die Handhabung aber einfach sein, beteuern die Initiatoren. Nutzer müssen sich einmal registrieren und erhalten dann Verbindungen zu allen beteiligten Banken. Käufer und Lieferant entscheiden, wer die Informationen einsehen kann. „Wir hoffen auf eine ähnliche breite Marktakzeptanz wie Swift im Zahlungsverkehr“, erklärt Schmand zu den Erwartungen der beteiligten Banken.

„Wir hoffen auf eine ähnliche breite Marktakzeptanz wie Swift im Zahlungsverkehr.“

Daniel Schmand, Deutsche Bank

Die Technologie für die neue Handelsplattform liefert der internationale IT-Anbieter CGI – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen XML-Initiative. Die Banken haben sich dem Vernehmen nach lange Zeit gelassen, um den Anbieter auszuwählen. Die eingesetzte Infrastruktur basiert nicht auf der Blockchain-Technologie, dies sei nicht nötig gewesen. Die Blockchain könne aber im Nachgang eingeführt werden, falls dies einen Mehrwert bringe. Die Pilotversion des Netzwerks sei nun startklar, CGI solle auch in Zukunft das Trade Information Network supporten.

Weitere Initiativen sollen Trade Finance erleichtern

Neben dem Trade Information Network gibt es weitere Initiativen, die die derzeit oft papierbasierte Finanzierung des internationalen Handels digitalisieren und damit erleichtern sollen. Zurzeit stehen besonders Blockchain-Plattformen wie „Marco Polo“, „We.trade“ und „Batavia“ im Fokus. Erst vor kurzem waren Banken von der Initiative Batavia zu We.Trade übergelaufen. An We.trade sind auch einiger der TIN-Banken beteiligt. Diese Initiativen seien aber als komplementär zu den Blockchain-Projekten anzusehen, heißt es aus Bankkreisen.

Schon etwas älter ist die Bank Payment Obligation (BPO). Diese enthält ein unwiderrufliches Versprechen der Bank des Käufers an die Bank des Verkäufers, bei Fälligkeit der Rechnung eine entsprechende Zahlung zu leisten. Die Übermittlung der Daten erfolgt dabei rein elektronisch. Da die Daten des Handelsgeschäfts über die TSU-Plattform des Finanznachrichtendienstleisters Swift elektronisch übermittelt und abgeglichen werden, sinkt die Fehleranfälligkeit und Prozesse werden effizienter. BPO  konnte allerdings – abgesehen von einzelnen Anbindungen – nie den Durchbruch am Markt feiern. Die Herausforderung ist, dass zu viele Parteien von den Vorteilen der BPO überzeugt werden mussten, was bisher nicht gelungen ist.

Auch das neuartige Trade Information Network wird den Beweis erbringen müssen, ob es in kurzer Zeit eine kritische Masse an beteiligten Banken und Unternehmen erschließen kann.

Dentz[at]derTreasurer.de

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