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04.10.18
Finanzen & Bilanzen

Banken laufen von Blockchain-Plattform Batavia zu We.trade über

Spannendes Manöver im Wettlauf der Blockchain-Plattformen: Drei Banken laufen von der Trade-Finance-Plattform Batavia zu We.trade über. Die Zukunft von Batavia, die zuletzt Audi und Lenzing als Pilotkunden nutzten, ist damit fraglich.

Die Blockchain-Plattform We.trade bekommt Zuwachs. Mit der spanischen Caixa Bank, der österreichischen Erste Group und der Schweizer Großbank UBS stoßen gleich drei Banken zu der Trade-Finance-Plattform. Pikant daran: Die drei Finanzinstitute unterstützten bisher Batavia, einen Wettbewerber von We.trade. Über Batavia hatten noch in diesem Frühjahr der Autokonzern Audi sowie der österreichische Faserhersteller Lenzing erste Handelstransaktionen abgewickelt.

Nun ist die Zukunft von Batavia fraglich, denn nur zwei der ursprünglich fünf Batavia-Banken bleiben übrig: die Commerzbank und die kanadische Bank of Montreal. Die Commerzbank ist allerdings neben Batavia auch noch bei einem weiteren Trade-Finance-Wettbewerber, der Blockchain-Plattform Marco Polo, engagiert.

Ob sie ihre Arbeiten bei Batavia fortführen will, beantwortete die gelbe Bank auf Anfrage von DerTreasurer wie folgt: „Batavia hat allen Beteiligten sehr wertvolle und hervorragend nutzbare Erkenntnisse für die Nutzung der DLT-Technologie im Bereich Trade Finance geliefert. Für die Commerzbank wird der Fokus auch weiterhin auf Konsortien wie R3/Marco Polo liegen, aber auch in direkten Kooperationen mit unseren Kunden und Partnern.“ Das R3 Bankenkonsortium sei „mit über 200 Unternehmen verschiedener Branchen global hervorragend positioniert“, um die für eine erfolgreiche Business-Plattform nötigen Netzwerkeffekte zu realisieren, sagt ein Unternehmenssprecher. Deshalb werde die Bank ihre Aktivitäten auf ihre Arbeit im Marco-Polo-Konsortium konzentrieren.

We.Trade kann durch höhere Reichweite punkten

Der Zugang der ehemaligen drei Batavia-Konsorten kommt We.Trade zweifellos zugute. Die Zahl der beteiligten Banken erhöht sich auf zwölf. Neben den Gründungsmitgliedern Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit haben sich in der Zwischenzeit auch Santander und Nordea angeschlossen. „Für IBM liegt der Schlüssel zum Erfolg von Blockchain-Lösungen in der Stärke des Netzwerks“, erklärt Jason Kelley, General Manager Blockchain Services bei IBM. In einem Medienbericht wird zudem über ein Zusammengehen von Batavia und We.Trade spekuliert.

Die geographische Reichweite von We.trade steigt durch die Caixa Bank, die Erste Group und die UBS von 11 auf 13 Länder. Unternehmen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden, Schweiz und Spanien können nun die Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierungen nutzen. Erste Unternehmenskunden nutzten die Plattform bereits in diesem Sommer für mehrere Handelstransaktionen. Der Aachener Modehändler Navabi war Anfang August das erste deutsche Unternehmen, das über We.trade einen spanischen Lieferanten bezahlt hat.

Synergien durch gemeinsame Blockchain-Technologie

Die an We.trade beteiligten Banken erhoffen sich neben der größeren geographischen Reichweite  noch weitere Vorteile: Aus Sicht der beteiligten Banken könnten mit den ehemaligen Batavia-Banken „bedeutende Synergien bei Produkten und Technologien“ gehoben werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Erste Group. Denn We.trade und Batavia basieren beide auf der Blockchain-Technologie Hyperledger Fabric 1.0. unter anderem von IBM.

Ein UBS-Sprecher begründet die Entscheidung noch genauer: „Unser Ziel mit der Batavia-Initiative war es, Innovationen im Bereich Trade Finance mittels neuer Technologien wie Blockchain – in diesem Falle Hyperledger – zu eruieren“, zitiert die Online-Plattform inside-it.ch den Unternehmenssprecher. „Dies haben wir mit der ersten Live-Transaktion in der Minimum Viable Product Phase in diesem Jahr erfolgreich gezeigt.“ In der anschließenden Kommerzialisierungsphase habe UBS im Austausch mit We.trade signifikante Synergien identifiziert. Daher sei es ein logischer Schritt gewesen, die Kräfte zu bündeln. Ziel der UBS sei es, ihren Kunden Zugriff auf die Plattform mit der größten Reichweite und den besten Dienstleistungen zu geben.

Wie reagiert Marco Polo auf die Konsolidierung?

Die spannende Frage wird sein, wie nun die Konkurrenz auf die gestärkte We.trade-Initiative reagiert. Insbesondere mit Marco Polo existiert seit rund einem Jahr eine weitere Plattform ähnlichen Zuschnitts. BNP Paribas, die Commerzbank und die ING hatten die Initiative im September 2017 ins Leben gerufen. Mit Standard Chartered, DNB, SEB und der OP Financial Group haben sich danach weitere Banken und Finanzdienstleister der Initiative angeschlossen. „Ziel ist es, die Initiative dieses Jahr auf weitere Banken und externe Serviceanbieter wie Kreditversicherer und ERP- und Logistikanbieter auszuweiten“, hatten der Technologiespezialist TradeIX und das Fintech R3 zu Beginn dieses Jahres angekündigt.

Marco Polo nutzt allerdings eine andere Technologie als Batavia und We.trade: Sie basiert auf der Distributed-Ledger-Technologie Corda von R3, bei der TradeIX der Technologieanbieter ist. Batavia und We.trade basieren hingegen auf der Blockchain-Technologie Hyperledger Fabric 1.0. unter anderem von IBM.

Der weitere Verlauf des Rennens unter den Trade-Finance-Blockchain-Plattformen dürfte spannend bleiben. Auch We.trade will eigenen Angaben zufolge weiter expandieren und prüft die Aufnahme weiterer Partner – sowohl Banken als auch Nichtbanken.

Paulus[at]derTreasurer.de

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