Bechtle

19.10.18
Finanzen & Bilanzen

Bechtle platziert Debütschuldschein

Das MDax-Unternehmen Bechtle hat den ersten Schuldschein in seiner Unternehmensgeschichte begeben und sich dabei bewusst für den traditionellen Emissionsweg entschieden.

Das IT-Systemhaus Bechtle nutzt das nach wie vor attraktive Marktumfeld für eine Premiere. Das im MDax und TechDax notierte Unternehmen hat einen Debütschuldschein über 300 Millionen Euro begeben. Das Orderbuch war, Unternehmensangaben zufolge, um das Dreifache überzeichnet. Daher stockte Bechtle das ursprünglich geplante Emissionsvolumen um 100 Millionen Euro auf. Der Schuldschein teilt sich auf vier Tranchen auf, die fünf, sieben und zehn Jahre laufen. Die beiden fünfjährigen Tranchen werden sowohl fix als auch variabel verzinst, die beiden länger laufenden Tranchen nur fix.

„In einem hochkompetitiven Kapitalmarktumfeld mit zahlreichen parallel vermarkteten Transaktionen ist es uns gelungen, das Schuldscheindarlehen zu sehr attraktiven Konditionen zu platzieren“, sagt Bechtle-CEO Thomas Olemotz, der bei dem IT-Systemhaus auch das Finanzressort verantwortet. Das zeige das große Vertrauen der Investoren in das Geschäftsmodell und die nachhaltig positive Geschäftsentwicklung von Bechtle.

Bechtle gewinnt viele Investoren und finanziert Zukäufe

Ein interessanter Randaspekt der Transaktion: Bechtle konnte insgesamt gut 140 Investoren für sich gewinnen. Das sind außerordentlich viele für einen mittelgroßen Schuldschein, vor allem, wenn ein Debütant das Papier emittiert. Die arrangierenden Banken BayernLB, Commerzbank und LBBW erklären diese außergewöhnlich hohe Streuung mit dem „hohen Bekanntheitsgrad von Bechtle sowie der vom Markt als sehr gut wahrgenommenen Unternehmensbonität“. Die meisten Investoren stammen aus Deutschland, ein kleinerer Teil aus den Nachbarländern.

Mit dem Emissionserlös will das IT-Systemhaus aus Neckarsulm „in erster Linie“ seine beiden jüngsten Zukäufe finanzieren: Vor wenigen Tagen hatte Bechtle die Übernahme von BT Stemmer angekündigt, einem Spezialisten für Netzwerklösungen aus München. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Kartellbehörden müssen den Deal noch genehmigen.

Die bislang größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte konnte der MDax-Konzern hingegen Anfang September erfolgreich abschließen. Der Kaufpreis für den französischen IT-Anbieter Inmac Wstore lag Bechtles Halbjahresbericht zufolge bei rund 230 Millionen Euro. Diese Summe konnte Bechtle nicht aus den liquiden Mitteln begleichen. Ende Juni 2018 hatte das IT-Systemhaus eine Liquidität von 104,4 Millionen Euro und ungenutzte Bar- und Avalkreditlinien in Höhe von 38,8 Millionen Euro.

Bechtle entscheidet sich gegen digitale Plattformen

Ein weiterer spannender Aspekt der Transaktion: Bechtle hat bewusst den traditionellen Emissionsweg gewählt, obwohl mit der BayernLB und der LBBW gleich zwei der arrangierenden Banken eine digitale Plattform zur Emission von Schuldscheinen anbieten.

„Wir haben uns in der Vorbereitungsphase über die Möglichkeiten der digitalen Plattform ausgetauscht“, erklärt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage von DerTreasurer. „Da es sich bei uns jedoch um eine Debüttransaktion handelte, war kein großer Mehrwert zu erwarten. Für mögliche zukünftige Transaktionen könnten die digitalen Plattformen aber durchaus attraktiv sein.“ Denn das IT-Systemhaus sieht in der Platzierung von Schuldscheinen „durchaus ein attraktives Instrument“, das es auch bei zukünftigen Transaktionen nutzen kann.

Paulus[at]derTreasurer.de

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