BMW Group

28.08.19
Finanzen & Bilanzen

BMW testet neuen Referenzzins Sonia

Der Automobilkonzern BMW hat in einer Privatplatzierung einen Floater begeben, der auf dem neuen britischen Referenzzins Sonia beruht. Es ist die erste Transaktion dieser Art, der Konzern treibt damit die Umstellung der Referenzzinssätze voran.

Der Automobilkonzern BMW hat sich als erstes Unternehmen an eine Kapitalmarkttransaktion gewagt, die auf dem neuen risikolosen Referenzzinssatz Sonia – dem Sterling Overnight Index Average – beruht. Der Konzern hat im Rahmen einer Privatplatzierung einen einjährigen Floater mit einem Volumen von 250 Millionen britischen Pfund begeben. Die Verzinsung liegt bei Sonia plus 28 Basispunkte, die HSBC agierte als Sole Bookrunner.

BMW wolle mit der Transaktion die anstehende Umstellung der Referenzzinssätze aktiv begleiten, kommentiert Fredrik Altmann, Director Corporate Finance bei den Münchnern, die Transaktion. Derzeit kommt bei vielen Finanzierungen noch der Libor zum Einsatz. Doch der skandalgeplagte Referenzzins soll bis Ende 2021 durch den Sonia abgelöst werden.

Die Reaktionen am Markt fielen laut Altmann positiv aus: „In Großbritannien findet die Umstellung von vielen Markteilnehmern – Bank of England, Investmentbanken und Investoren – nachhaltige Unterstützung. Ein deutliches Indiz dafür ist, dass die Transaktion der sehr hohen Nachfrage folgend von ursprünglich 200 Millionen auf 250 Millionen britische Pfund erhöht werden konnte“, berichtet er und ergänzt: „Und das bei dem engen Pricing.“

BMW hat Sonia-Transaktion intensiv vorbereitet

Der Konzern hat sich nach eigenen Angaben lange auf die Transaktion vorbereitet. Der Sonia wurde in das 50 Milliarden Euro schwere EMTN-Programm der Münchner aufgenommen. Zudem musste der neue Zinssatz in das zentrale Treasury Management System integriert und Bewertungsfragen mit der Buchhaltung geklärt werden. „Selbstverständlich wurde parallel eine tiefgründige Markt- und Investorenanalyse betrieben“, berichtet der Treasurer.

Altmann geht davon aus, dass die Erfahrungen, die BMW bei dieser Transaktion gesammelt hat, auch bei den Umstellungen der Referenzzinssätze in den USA und der EU helfen werden. „Der notwendige und hohe Aufwand zahlt sich aus“, ist er überzeugt. „Im Ergebnis werden die Finanzierungsaktivitäten und das Zinsmanagement der BMW Group in Zukunft noch robuster und effizienter.“

HSBC: Unternehmen sollten neue Referenzzinsen testen

Auch Ingo Nolden, der das DCM- und Corporate Finance-Geschäft der HSBC Deutschland verantwortet, begrüßt, dass BMW diesen Schritt gemacht hat. „Es ist wichtig, dass die Unternehmen anfangen, die neuen Referenzzinssätze zu testen“, so der Experte. „Der Sterling-Markt eignet sich dafür besonders gut, da bereits seit einiger Zeit auf dem neuen Sonia gehandelt werden kann. Der Markt dort ist also einen Schritt weiter als die Eurozone.“ In der wird erst ab Oktober der neue risikolose Zinssatz Estr veröffentlicht. Bislang gibt es nur eine vorläufige Version.

Marktteilnehmer müssen sich an die Umstellung der Referenzzinsen erst herantasten, denn es entsteht nicht nur technischer Aufwand, der neue Zins hat auch Auswirkungen auf das Pricing. „Eine Transaktion wie die von BMW wäre zuvor mit einem 12-Monats-Libor gepreist worden“, erklärt Nolden. „Da nun erstmals der Sonia für eine solche Emission eingesetzt wurde, mussten sich die Beteiligten erst mal auf den richtigen Preis verständigen“, so Nolden. Da keine Erfahrungswerte für diese Art der Emission vorlagen, variierten die Angebote mehr als sonst. So etwas passiere bei etablierten Märkten kaum. „Um dort den richtigen Preis festzulegen – auch für Emissionen mit längeren Laufzeiten – ist es wichtig, dass Unternehmen anfangen, den Markt zu testen.“

Noch ist die Ablösung des Referenzzinses Libor in Großbritannien aber nicht abgeschlossen. Es fehlen derzeit die sogenannten Term Rates, also eine Terminkurve für Referenzzinsen mit längeren Laufzeiten. Mehrere Administratoren haben sich in Position dafür gebracht, solche Zinssätze zu entwickeln.

Koegler[at]derTreasurer.de

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