Wirkung des EZB-Kaufprogramms schwächt sich ab

21.12.16 09:02

Bond-Rallye bald zu Ende?

Von Sabine Paulus und Antonia Kögler

Ausblick auf den Anleihemarkt 2017: Treasurer müssen sich im Laufe des kommenden Jahres auf weiter steigende Finanzierungskonditionen einstellen, glauben Experten.

Experten gehen davon aus, dass 2017 die Finanzierungskonditionen am Kapitalmarkt weiter steigen werden.

Creatas/Thinkstock/Getty Images

Experten gehen davon aus, dass 2017 die Finanzierungskonditionen am Kapitalmarkt weiter steigen werden.

Die Rallye am Bond-Markt könnte sich im Laufe des kommenden Jahres abschwächen und gegebenenfalls sogar ganz ein Ende finden. Treasurer müssen sich im Laufe des Jahres 2017 auf weiter steigende Finanzierungskonditionen einstellen, glauben Experten. So wie das bereits im vierten Quartal erkennbar war. Paula Weißhuber, Managing Director Debt Capital Markets für Deutschland und Österreich bei der Bank of America Merrill Lynch, rechnet damit, dass die Unternehmen auch deshalb am Anfang des Jahres verstärkt mit Neuemissionen an den Markt gehen werden: „In den ersten drei bis sechs Monaten erwarten wir eine erhöhte Emissionsaktivität“, sagt die Bankerin. „Dies könnte zusätzlich zur Bewegung der Zinskurve zu einer Ausweitung der Spreads über die Ratingkategorien hinweg führen. Und bei den schlechteren Bonitäten ist das dann in der Regel ausgeprägter.“

Martin Wagenknecht, DCM-Experte der Société Générale äußerte sich beim jährlichen Kapitalmarktausblick der Bank Anfang Dezember ähnlich: „Wir gehen davon aus, dass die Talsohle bei den Zinsen erreicht ist und Unternehmen im nächsten Jahr noch die Chance nutzen werden, sich gute Konditionen zu sichern, bevor die Zinsen wieder ansteigen.“

Bond-Markt: Politische Unsicherheit bleibt 2017 bestehen

Ein Grund dafür liegt in der weniger expansiven Geldpolitik der Europäische Zentralbank (EZB), die sich 2016 zum Großinvestor am Euro-Bondmarkt aufgeschwungen hat. Zwar hat die EZB ihr Anleihekaufprogramm kürzlich bis Jahresende 2017 verlängert – allerdings mit einem geringeren Volumen als bislang. Mit dem Auslaufen des Bondprogramms und wieder steigenden Spreads könnte der Boom am Bondmarkt sogar ganz beendet sein – zumal auch im kommenden Jahr mit den Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden große politische Unsicherheiten bestehen.

Bei Hochzinsanleihen und Hybrid-Bonds – beide Segmente sind vom EZB-Kaufprogramm ausgenommen – war die Volatilität schon 2016 deutlich zu spüren. Einen deutlichen Sprung werden beide Märkte im kommenden Jahr nach Einschätzung der Société Générale nicht machen. „Es gibt 2017 keine große Menge an fällig werdenden Bonds, die im Hochzinsbereich zum Marktreiber werden könnten“, sagt Wagenknecht. Ein möglicher Zinsanstieg dürfte eine stärkere Motivation für die Emittenten sein.

Koegler[at]derTreasurer.de

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