Digitaler Kredit

06.06.18 08:00

Commerzbank koppelt Kredite an Big Data

Von Andreas Mehring

Die Commerzbank will das Schlagwort Industrie 4.0 mit Leben füllen. Sie hat jetzt einen Kredit vorgestellt, dessen Tilgungsrate von der Auslastung der Maschine abhängt. Schafft die Idee den Durchbruch?

Kuzihar/Thinkstock/iStock/Getty Images

Die Commerzbank will mit Big Data die Gestaltung von Firmenkundenkrediten revolutionieren.

Die Commerzbank hat in den vergangenen Wochen bereits mehrfach ihre Wachstumsabsichten im umkämpften Firmenkundengeschäft bekräftigt. Mit digitalen Finanzprodukten will die Bank punkten und ihren Kundenkreis erweitern. Die Commerzbank untermauert diese Absicht nun mit der Entwicklung eines neuartigen Investitionskredits. Gemeinsam mit dem Werkzeugmaschinenhersteller Emag und dem Automobilzulieferer KMB Technologie hat das Finanzinstitut den sogenannten „Pay-per-Use-Kredit“ vorgestellt.

Die Idee hinter dem digitalen Kredit: Die Tilgungsraten variieren mit dem Nutzungsgrad der finanzierten Maschine. Je stärker eine Maschine ausgelastet ist, desto höher fallen die Tilgungsraten aus. Gleichzeitig sinken die Raten, sollte eine Maschine weniger stark in Betrieb sein. Damit atmet der Kredit mit der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens: Wenn Investitionsgüter nicht ausgelastet sind – und die Unternehmen in der Folge vermutlich weniger Ertrag erzielen – wird die Liquidität geschont. In Boom-Zeiten zahlt das Unternehmen dagegen mehr.

„Wir schaffen es dadurch, unsere Gewinnschwelle weiter zu drücken und erreichen damit eine höhere finanzielle Stabilität“, lässt sich Sven Hartwich, kaufmännischer Leiter der KMB Technologie Gesellschaft zitieren. Der Automobilzulieferer finanziert mit dem „Pay-per-Use-Kredit“ den Erwerb der neuen, vernetzten Maschinen der Emag.

„Pay-per-Use“ vorerst für Industrieunternehmen interessant

Die neue Kreditvariante dürfte bis auf weiteres hauptsächlich für Unternehmen von Interesse sein, die für die Fertigung ihrer Produkte Maschinen einsetzen. Um den Kredit auch tatsächlich verwenden zu können, müssen die Maschinen zudem miteinander vernetzt sein – Industrie 4.0 lautet das bekannte Stichwort. Nur so lassen sich die Informationen über die tatsächliche Nutzung auslesen und im Kreditmodel dann auf die Tilgungsraten übertragen.

Der Commerzbank-Entwicklungspartner Emag wiederum erhofft sich offenbar, Vorbehalte gegenüber vernetzten Maschinen abzubauen und neue Kunden zu gewinnen. „Auf dem Weg zur vernetzten Produktion müssen viele, oft mentale Hürden überwunden werden“, kommentiert Achim Feinauer Emag-COO die Vorteile des neuen Kredits. „Pay-per-Use ist geprägt durch eine direkte Verbindung von Nutzung, das heißt Umsatz und Ertrag, zu den Kosten der Investition.“

Mehring[at]derTreasurer.de

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