Softwarekonzern plant größten Zukauf in der Firmengeschichte

19.09.14 16:10

Concur-Übernahme: SAP holt Rating ein

Von Sabine Paulus

Das SAP-Treasury hat derzeit einiges zu tun: Der Walldorfer Softwarekonzern hat nicht nur sein erstes externes Rating eingeholt, sondern auch die größte Übernahme der Firmengeschichte angekündigt.

Concur-Übernahme: SAP holt Rating ein

SAP

Das Erstrating deutet darauf hin, dass SAP den Kredit zur Finanzierung der Concur-Übernahme mittelfristig durch neue Anleihen ablösen will.

Der Softwarekonzern SAP hat sich erstmals in seiner Unternehmensgeschichte raten lassen und ist gleich in der obersten Riege der Investmentgrade-Ratings gelandet. Moody’s hat den Walldorfern ein Langfristrating von A2 und ein Kurzfristrating von Prime-1 gegeben. Der Ausblick der beiden Ratings ist stabil.

„Die zugewiesenen A2/P-1-Ratings reflektieren unsere Einschätzung, dass SAP ein sehr robustes Geschäftsmodell hat, was sich in starken und stabilen operativen Margen sowie Cashflows spiegelt - trotz der steigenden Konkurrenz und der schnellen Veränderungen im technologischen Bereich, wie zum Beispiel das wachsende Cloud-Geschäft“, sagt Falk Frey, leitender Moody’s-Analyst für SAP. SAP profitiere zudem von einer treuen, diversifizierten Kundenbasis, die den Umsatz und die Cashflows stabil und vorhersehbar macht. Die Veröffentlichung eines weiteren Ratings von einer zweiten Agentur soll SAP zufolge folgen. Der externe Ratingprozess laufe gerade.

Mit seinem A2-Rating reiht sich SAP in die Reihe der wenigen DAX-Konzerne ein, die über eine Bonitätsnote im A-Bereich verfügen. Erst vor einigen Tagen hatte es ein anderes DAX-Unternehmen in den illustren A-Club geschafft: Moody’s hatte die Bonitätsnote des Logistikkonzerns Deutsche Post DHL um eine Stufe von Baa1 auf A3 hochgestuft. Daneben verfügt der Leverkusener Bayer-Konzern noch über ein erstklassiges Rating: S&P bewertet Bayer mit A- (stabil), Moody’s mit A3 (stabil). Der Autokonzern Daimler besitzt ebenfalls ein A-Rating und wird von S&P und Moody’s wie Bayer bewertet. Fitch sieht den Autobauer bei A- (stabil).

Rating eröffnet SAP Zugang zu weiteren Investoren

Matthias Heiden ist seit August 2011 Head of Global Treasury beim Walldorfer Softwarekonzern SAP.

Matthias Heiden

Bisher konnte der Walldorfer Konzern sehr unproblematisch Anleihen ohne Rating platzieren. Im März 2010 hatte der Softwarekonzern seine erste ungeratete Anleihe begeben und eine vier- und siebenjährige Tranche über jeweils 500 Millionen Euro platziert. Weitere Bonds folgten, einem Rating wollte sich der Konzern aber bisher nicht unterziehen.

Das hat sich angesichts der angestrebten Milliarden-Übernahme von Concur geändert – eine spannende Aufgabe für das Treasury-Team um Matthias Heiden, der seit August 2011 das Global Treasury der SAP verantwortet. Moody’s hat in das erstmalige Rating von SAP auch schon die angekündigte, mit Fremdkapital finanzierte Übernahme von Concur Technologies einkalkuliert, die am 18. September bekanntgegeben wurde.

SAP bewertet Concur im Rahmen des M&A-Deals mit stolzen 8,3 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 6,4 Milliarden Euro. Der Übernahmepreis liegt bei 129 US-Dollar pro Aktie. Damit wäre diese Akquisition die teuerste in der SAP-Firmengeschichte. Das Softwareunternehmen will die Übernahme zunächst mit einer Kreditfazilität in Höhe von bis zu 7 Milliarden Euro finanzieren. Darin sollen den Walldorfern zufolge der Kaufpreis, die Rückzahlung von bestehenden Finanzverbindlichkeiten und die akquisitionsbezogenen Kosten abdeckt sein. Das Erstrating deutet darauf hin, dass der Kredit mittelfristig durch neue Anleihen abgelöst wird.

SAP will Cloud-Computing-Geschäft ausweiten

Die Walldorfer wollen mit dem Concur-Zukauf ihr Geschäft mit Cloud-Computing stärken. Die Cloud-Lösungen des US-Unternehmens sind netzwerkbasiert und ermöglichen Reisenden den Zugriff auf kontextbezogene Anwendungen über jedes mobile Endgerät. Mit der Übernahme von Concur wird das Geschäftsnetzwerk der Walldorfer SAP-Angaben zufolge ein Transaktionsvolumen von mehr als 600 Milliarden US-Dollar jährlich betreiben, eine reibungslose Abwicklung von Handelsprozessen in über 25 Branchen bieten und den Markt für Geschäftsreisen mit jährlichen Ausgaben in Höhe von 1,2 Billionen US-Dollar weltweit adressieren.

Die Transaktion soll spätestens im ersten Quartal 2015 abgeschlossen sein und steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Concur-Aktionäre, der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden und der Erteilung weiterer in diesem Zusammenhang üblicher Genehmigungen.

Paulus[at]derTreasurer