Zwei neue Konzerne wagen sich an den Markt für grüne Finanzierungen: Continental und Lanxess schließen ESG-linked Loans ab.

Continental/Lanxess

04.12.19
Finanzen & Bilanzen

Conti und Lanxess setzen auf ESG-linked Loans

Kredite mit Nachhaltigkeitskomponente sind derzeit das angesagteste Instrument aus der Welt der grünen Finanzierung. Das zeigen zwei neue Transaktionen von Continental und Lanxess – weitere dürften folgen.

ESG-linked Loans werden immer beliebter. Nun haben sowohl Continental als auch Lanxess Kredite abgeschlossen, deren Verzinsung an Nachhaltigkeitskomponenten gekoppelt ist. Das Besondere: Um die Nachhaltigkeitsperformance zu messen, setzen beide Unternehmen auf eigens definierte Nachhaltigkeitsziele. Bei ähnlichen Transaktionen im deutschen Markt hatten Konzerne wie Henkel oft auf ESG-Ratings als Maßstab abgestellt.

Conti schließt ESG-Loan über 4 Milliarden Euro ab

Mit Continental wagt sich ein Automobilzulieferer an den Markt für grüne Finanzierungen. Der Dax-Konzern refinanziert seine revolvierende Kreditlinie vorzeitig. Die neue Linie hat ein Volumen von 4 Milliarden Euro – 1 Milliarde Euro mehr als zuvor – und läuft über fünf Jahre. Die alte Kreditlinie wäre noch bis April 2021 gelaufen. Der Kredit wird von 27 Banken zur Verfügung gestellt. BNP Paribas und Deutsche Bank agierten als Konsortialführer, BNP Paribas war zudem Sustainability-Advisor.

Das Dax-Unternehmen hat die Höhe der Zinszahlungen für eine Inanspruchnahme des Kredits an die Erreichung bestimmter Nachhaltigkeitsleistungen gekoppelt. Diese orientieren sich an der in diesem Jahr neu aufgelegten Nachhaltigkeitsstrategie von Continental. Konkret hat sich der Konzern auf eine Umstellung des externen Strombezugs auf regenerativen Quellen, die Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen, die Senkung der Unfallrate und der Krankheitsrate sowie die Steigerung des Anteils recycelten Abfalls festgelegt. Findet in diesen Bereichen eine verbesserte Nachhaltigkeitsleistung statt, sinken die Kosten. Mindert sich die Leistung, steigen sie.

Der Sustainable-Finance-Gedanke betrachtet Unternehmen ganzheitlich und belohnt nachhaltiges Wirtschaften.

Stefan Scholz, Leiter Finance & Treasury, Continental

Conti setzt auf KPIs statt ESG-Rating

Continental setzt damit auf eigens vereinbarte Nachhaltigkeitskennzahlen statt auf ESG-Ratings, die andere Unternehmen in solchen Transaktionen herangezogen haben. Der Konzern erklärt den Schritt mit der schwierigen Vergleichbarkeit: Da die Maßstäbe der gängigen Ratings sehr unterschiedlich sind, verpflichtet sich Continental im Rahmen seiner neuen Kreditfazilität direkt zur „Erreichung konkreter Leistungsverbesserungen bei der Nachhaltigkeit“, teilte das Unternehmen mit.

Stefan Scholz, Leiter Finance & Treasury bei Continental, hofft zudem, dass die nachhaltige Kreditvereinbarung auch das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln im gesamten Unternehmen steigern kann. „Der Sustainable-Finance-Gedanke betrachtet Unternehmen ganzheitlich und belohnt nachhaltiges Wirtschaften. Diesen Ansatz unterstützen wir, so auch mit unserer neuen Kreditlinie“, sagt der Treasury-Chef. Laut Scholz war die Syndizierung des Kredits deutlich überzeichnet.

Die Konditionen seien zudem im Vergleich zur vorangegangenen Kreditvereinbarung verbessert worden, was der „grundsoliden Bilanzstruktur und finanziellen Leistungsfähigkeit Rechnung“ trage. Genaueres ist zu den Finanzierungskonditionen nicht bekannt. Im Interview mit DerTreasurer in der Septemberprintausgabe hatte Scholz noch grüne Finanzierungen grundsätzlich für gut befunden, aber noch „keinen Anwendungsfall“ für den Konzern gesehen. Das hat sich nun mit dem neue Kredit geändert.

Lanxess schließt ESG-linked Loan über 1 Milliarde Euro ab

Ebenfalls am heutigen Mittwoch hat der Spezialchemiekonzern Lanxess den Abschluss eines Kredits mit Nachhaltigkeitskomponente bekanntgegeben. Der Kredit hat ein Volumen von 1 Milliarde Euro und wird von zwölf Banken zur Verfügung gestellt. Deutsche Bank und Unicredit haben die Transaktion als Koordinatoren begleitet. Unicredit fungierte zudem als Nachhaltigkeitsagent. Auch Lanxess löst damit vorzeitig eine bestehende Kreditlinie über 1,25 Milliarden Euro ab, die erst 2023 ausgelaufen wäre. Die neue Kreditlinie läuft über fünf Jahre und kann noch zweimal um jeweils ein Jahr verlängert werden.

Wie Continental setzt auch der MDax-Konzern Lanxess nicht auf ein ESG-Rating, um seine Nachhaltigkeitsperformance zu messen. Stattdessen hängen die Zinskonditionen von der Reduktion von Treibhausgas-Emissionen und der Steigerung des Frauenanteils in den obersten drei Führungsebenen ab. Beide Unternehmen setzen damit auf Faktoren, die mehr als den Bereich „Umwelt“ umfassen.

Lanxess will bis 2040 klimaneutral werden

Lanxess-CFO Michael Pontzen zu den Hintergründen des nachhaltigen Kredits: „Wir sind davon überzeugt, dass nachhaltige Kriterien auch für die Kapitalmärkte immer wichtiger werden.“ Die Kölner wollen mit der nachhaltigen Kreditlinie den Anspruch unterstreichen, ihre Klimaziele zu erreichen. Im November hatte Lanxess bekannt gegeben, bis 2040 klimaneutral zu werden und die Treibhausgas-Emissionen von derzeit rund 3,2 Millionen Tonnen CO2 abzubauen.

Mit den Transaktionen von Continental und Lanxess macht die Finanzierungsform „ESG-linked Loan“ einen Sprung nach vorne. Bislang gab es zwar nur sieben Transaktionen dieser Art am deutschen Markt, doch aus Bankenkreisen ist zu hören, dass das Interesse auf Seiten der Unternehmen wächst.

Mit dem Faserkonzern Lenzing hat kürzlich auch ein weiteres österreichisches Unternehmen eine solche ESG-Komponente bei der Finanzierung genutzt – allerdings im Zuge einer Schuldscheintransaktion. Mit den beiden heutigen Abschlüssen wird deutlich, dass Unternehmen die Kredite nun auch verstärkt passend zu den eigenen Nachhaltigkeitsstrategien maßschneidern.

Koegler[at]derTreasurer.de


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