Kampf um Investoren am Euro-Bondmarkt

15.01.16 08:02

Das bedeutet die US-Zinswende für Treasurer

Von Desiree Backhaus

Die amerikanische Notenbank Fed hat erstmals seit fast zehn Jahren ihren Leitzins angehoben. Auch deutsche Treasurer sind von der Zinswende betroffen – nicht nur bei der US-Dollar-, sondern auch bei der Euro-Finanzierung.

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Ende der Nullzinspolitik: In den USA hat die Zentralbank Fed die Zinswende eingeläutet. Das trifft auch die Wall Street.

Der Anfang ist gemacht: Die US-Zentralbank Fed hat Mitte Dezember die mehrfach verschobene Zinswende eingeleitet und den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,25 bis 0,50 Prozent angehoben. Es war die erste Zinsanhebung seit fast zehn Jahren. Mit einer schnellen Abkehr von der Zeit des billigen Geldes rechnen jedoch die wenigsten Ökonomen: „Der nächste Zinsschritt dürfte ab dem Frühjahr folgen“, meint Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. „Zu einer Normalisierung der Geldpolitik wird es unserer Einschätzung nach danach aber nicht kommen.“

Die Fed hat für dieses Jahr vier Zinsschritten in Aussicht gestellt, so dass der Leitzins Ende 2016 bei 1,25 bis 1,50 Prozent liegen würde. Dieser Anstieg wäre langsamer als in den Zinserhöhungsphasen der 1990er und 2000er Jahre: Damals kletterte der Leitzins laut Hepperle innerhalb eines Jahres um durchschnittlich 225 Basispunkte.

Finanzierung wird anspruchsvoller

Was bedeutet die Zinswende in den USA für deutsche Treasurer? Klar ist: Das Funding in US-Dollar wird 2016 teurer. Das gilt sowohl für Kredite als auch für Anleihen. „Die meisten deutschen Großkonzerne, die Bonds in Dollar emittieren, haben allerdings kaum eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative, um ihr US-Geschäft zu finanzieren“, sagt Ingo Nolden, Co-Head Debt Capital Markets bei HSBC Deutschland. Eine Euro-Finanzierung per Cross-Currency-Swap in Dollar zu überführen sei marktbedingt und aufgrund der Regulierung häufig teurer und aufwendiger geworden. Außerdem verschulden sich Unternehmen in der Regel in der Währung, in der Umsätze erwirtschaftet werden, um die natürliche Absicherung zu optimieren. Beziehungen mit US-Banken sind wichtiger denn je.

Während der Dollar-Bondmarkt ohnehin nur für eine kleine Anzahl der deutschen Unternehmen relevant ist, betrifft die Lage am Euro-Anleihemarkt deutlich mehr Firmen. Hier könnte die US-Zinswende zu einem Verdrängungswettbewerb führen: „Deutsche Firmen müssen sich darauf einstellen, künftig verstärkt mit US-Unternehmen um Investoren zu konkurrieren“, sagt Nolden. Schließlich wird es auch für Firmen jenseits des Atlantiks attraktiver, sich in Euro zu finanzieren. Das Problem: Während deutsche CFOs stärker auf das Pricing schauen, gelten viele amerikanische Finanzchefs als weniger preissensibel und grasen den Markt ab.

Doch nicht nur die Finanzierung, bei der Treasurer alles in allem immer noch paradiesische Zustände vorfinden, wird schwieriger. Was die US-Zinswende für die Wechselkurssicherung bedeutet, das lesen Sie im Aufmacher des aktuellen E-Magazins.

Backhaus[at]derTreasurer.de