Bank of England setzt Anleiherenditen unter Druck

26.10.16 08:00

Der Run auf die Sterling-Bonds

Von Antonia Kögler

Nicht nur die EZB verschafft den Unternehmen im Euro-Raum gute Finanzierungsbedingungen. Auch die Bank of England sorgt für sinkende Renditen am britischen Anleihemarkt. Das nutzen auch einige deutsche Konzerne.

Die Bank of England mischt am Bondmarkt mit. Den Effekt ihres Anleihekaufprogramms machen sich auch deutsche Unternehmen zunutze.

roland nagy/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Bank of England mischt am Bondmarkt mit. Den Effekt ihres Anleihekaufprogramms machen sich auch deutsche Unternehmen zunutze.

Die Wirren rund um die Brexit-Entscheidung sind nach wie vor am Pfundkurs abzulesen. Die Währung hat drastisch abgewertet, der Kurs liegt derzeit bei rund 1,11 Euro. Um die negativen Folgen des geplanten Austritts für die Wirtschaft abzufedern, greift die britische Zentralbank nicht nur zu Zinssenkungen. Wie die EZB mischt auch die BoE am Anleihemarkt mit: Seit dem 27. September kauft sie ebenfalls Unternehmensanleihen. Das Programm hat ein Volumen von bis zu 10 Milliarden Pfund (rund 11  Milliarden Euro). Anders als die EZB schlägt sie alleine am Sekundärmarkt zu. Erst mindestens einen Monat nach der Emission zeichnet sie. Das erklärte Ziel: Die Renditen der Bonds zu senken, um für Unternehmen die Finanzierungskosten zu reduzieren.

Auch einige Bonds von deutschen Emittenten stehen auf der potentiellen Einkaufsliste der Briten: Dazu gehören Anleihen von BASF, BMW, Daimler, Telekom, Eon und Siemens. Voraussetzung ist, dass die Unternehmen einen materiellen Beitrag zur wirtschaftlichen Aktivität in Großbritannien leisten.

Günstige Finanzierungschancen

Wie auch im europäischen Markt zeigte allein die Ankündigung des Programms bereits Wirkung: Die Höhe der gezahlten Kupons sank, gleichzeitig stieg die Zahl der Emissionen deutlich. Laut Daten des Fintechs CMDportal, einem Datennetzwerkbetreiber für Bondmarktteilnehmer, platzierten Unternehmen von Anfang Juli bis Ende September Sterling-Bonds über 16,44 Milliarden Pfund. In den drei Monate zuvor, im Vorfeld des Referendums, waren Emittenten wesentlich zurückhaltender: Nur 4,86 Milliarden Pfund wurden begeben.

Das Investoreninteresse scheint trotz sinkender Renditen enorm zu sein. Die Experten von CMDportal erklären das mit der Währungsentwicklung. Einige Marktteilnehmer erwarten, dass der Tiefpunkt des Pfunds erreicht ist und somit gerade ein guter Zeitpunkt für langfristig orientierte Investoren ist, um in den Markt einzusteigen.

Die guten Konditionen machten sich im Herbst auch einige deutsche Emittenten zunutze. BMW, Henkel, BASF und die Deutsche Telekom gingen an den Markt. Die verbesserten Konditionen lassen sich an der Transaktion von BMW ablesen: Im November 2015 zahlte der Konzern für eine sechsjährige Anleihe über 250 Millionen Pfund noch einen Kupon von 2,375 Prozent. Im August dieses Jahres musste der Autobauer für einen Bond über 600 Millionen Pfund mit gleicher Laufzeit lediglich einen Zins von 0,875 Prozent zahlen.

koegler[at]derTreasurer.de

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