Novum am Corporate-Bond-Markt

14.07.16 12:29

Deutsche Bahn begibt erste Anleihe mit negativer Rendite

Von Sabine Paulus

Premiere am Anleihemarkt: Der Deutschen Bahn ist es als erstem Unternehmen gelungen, eine Euroanleihe mit einem Nullprozent-Kupon und einer Negativrendite bei der Emission zu platzieren.

Novum am Corporate-Bond-Markt: Die Deutsche Bahn hat die erste Euroanleihe mit negativer Rendite platziert.

Deutsche Bahn AG

Novum am Corporate-Bond-Markt: Die Deutsche Bahn hat die erste Euroanleihe mit negativer Rendite platziert.

Die Deutsche Bahn hat über die Konzernfinanzierungsgesellschaft Deutsche Bahn Finance erstmalig eine Nullkuponanleihe emittiert. Das wäre vor einigen Jahren noch als unmöglich erschienen. „Dies ist die erste Euroanleihe eines Emittenten mit einem Nullprozent-Kupon und einer Negativrendite bei der Emission“, sagt Jörg Senger, Bereichsleiter Sales & Origination der BayernLB.

Nullkuponanleihen hat es zwar am Corporate-Bondmarkt schon gegeben. Die Allianz, Sanofi-Aventi, Unilever und GDF Suez platzierten bereits ein solches Papier. „Diese [Unternehmensanleihen] boten jedoch eine positive Rendite, da sie unter par begeben wurden“, sagt Mario Spatling, Debt Capital Markets, Corporates bei der Raiffeisen Bank International (RBI). Darüber hinaus ist die Anleihe der Deutschen Bahn „die erste Euro-Anleihe mit einem Nullprozent-Kupon und einer fünfjährigen Laufzeit“, ergänzt Spatling noch. Die Nullkuponanleihen der Allianz und von Unilever laufen vier Jahre, die von Sanofi läuft drei Jahre und die von GDF Suez zwei Jahre. Die Bayerische Landesbank und die Raiffeisen Bank International waren die Konsortialführer der Anleiheemission.

Deutsche Bahn eröffnet Bondmarkt nach Brexit-Votum

Dass der Deutschen Bahn diese Premiere gelungen ist, dürfte unter anderem auch an der Eigentümerstruktur liegen. Die Bundesrepublik Deutschland hält alle Anteile an dem Eisenbahnkonzern. Das honorieren auch die Ratingagenturen: Standard & Poor’s bewertet die Deutsche Bahn mit AA, Ausblick negativ, Moody’s sieht den Eisenbahnkonzern bei Aa1, Ausblick stabil. Die Rating-Einstufungen der beiden Agenturen sind Unternehmensangaben zufolge seit ihrer Erteilung im Jahr 2000 unverändert. Für die Anleger ist diese hohe Kreditwürdigkeit ein gutes Argument, die Anleihe zu zeichnen. Sie suchen dringend nach guten Anlagemöglichkeiten und sehen Deutschland als sicheren Hafen an. Das hat die Deutsche Bahn bereits für sich genutzt und als erstes europäisches Unternehmen nach dem Brexit-Votum Ende Juni den Bondmarkt wieder eröffnet.

„Wir gehen weiter von einem aktiven Primärmarkt für Euro-Corporate-Anleihen aus, die EZB als großer Käufer für die nach den Ankaufregularien in Frage kommenden Anleihen wird für sehr stabile Preise bzw. deutliche Preiseinengung sorgen“, sagt der BayernLB-Banker Senger. Derzeit habe der Brexit kaum Auswirkungen auf des Emissions- und Investorenverhalten, da weder der Zeitrahmen noch die Austrittsmodalitäten hinreichend klar seien, um Marktreaktionen abzuleiten.

Anleihe der Deutschen Bahn erneut deutlich überzeichnet

Die neue Nullkuponanleihe der Deutschen Bahn hat ein Volumen von 350 Millionen Euro, läuft fünf Jahre und war  um mehr als das 2,4-fache überzeichnet. Der RBI zufolge wurde die Anleihe vorrangig bei Fonds (57%), gefolgt von Banken (23%), Versicherungen (9%) und sonstigen Investoren platziert. Europäische Investoren waren sehr an dem Bond interessiert. Institutionellen Investoren vor allem aus Deutschland und Großbritannien haben das Papier gezeichnet. „Das Orderbuch ist hochgranular“, sagt Senger weiter. Mit dem frischen Geld will die Deutsche Bahn eigenen Angaben zufolge ihre finanzielle Flexibilität erhöhen.

Der Eisenbahnkonzern hat zahlreiche Anleihen ausstehen. Für die langfristige Finanzierung nutzt die Deutsche Bahn ein Debt-Issuance-Programm über 20 Milliarden Euro. Für kurzfristige Finanzmittel kann der Konzern auf ein Multi-Currency-Multi-Issuer-Commercial-Paper-Programm mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro zurückgreifen. Darüber hinaus stehen der Deutschen Bahn  garantierte ungenutzte Kreditlinien in Höhe von 1,9 Milliarden Euro mit einer Restlaufzeit von 1 bis 2 Jahren sowie eine weitere garantierte ungenutzte Kreditfazilität in Höhe von 100 Millionen Euro zur Verfügung. Für das operative Geschäft hat der Eisenbahnkonzern Kredite über 2,2 Milliarden Euro vereinbart.

Paulus[at]derTreasurer.de

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