Deutsche Bank

26.04.18
Finanzen & Bilanzen

Deutsche Bank: Strategieschwenk wertet Transaction Banking auf

Die Deutsche Bank stutzt ihr Investmentbanking. In den USA und Asien will sie kein Corporate-Finance-Geschäft mehr mit lokalen Unternehmen betreiben, auch das US-Zinsgeschäft soll schrumpfen. Stärker in den Fokus rückt dagegen das für Treasurer relevante Transaction Banking.

Der neue Chef der Deutschen Bank greift durch: Christian Sewing will die Unternehmens- und Investmentbank (CIB) verkleinern und sich aus einzelnen Geschäftsfeldern komplett zurückziehen. Das kündigte das größte deutsche Geldhaus heute im Rahmen der Präsentation der Quartalszahlen an. Die Erträge des Geldhauses sind in den ersten drei Monaten des Jahres um 5 Prozent auf 7 Milliarden Euro zurückgegangen. Unter dem Strich verdiente die Bank 120 Millionen Euro, nach 575 Millionen im ersten Quartal 2017.

Drei konkrete Maßnahmen hat der Vorstand bereits beschlossen: So verabschiedet sich die Deutsche Bank zum Teil aus dem Corporate-Finance-Geschäft in den USA und Asien. Kunden, die nicht grenzüberschreitend aktiv sind, wollen die Frankfurter künftig nicht mehr bedienen. Auch das US-Zinsgeschäft soll deutlich verkleinert werden, während das Geldhaus in Europa weiter in dieses Geschäft investieren will.

Noch keine finale Entscheidung hat die neue Deutsche-Bank-Führung derweil beim weltweiten Aktiengeschäft getroffen: „Voraussichtlich“ werde es „in bestimmten Bereichen“ zurückgefahren, schreibt die Bank und deutet an, dass wohl vor allem im Geschäft mit Hedgefonds zurechtgestutzt werden soll.

Transaction Banking rückt als „stabiles Geschäftsfeld“ in den Fokus

Unter Sewing will sich die Deutsche Bank nun auf „stabilere“ – und risikoärmere – Geschäftsfelder fokussieren. Innerhalb der Unternehmens- und Investmentbank rückt deshalb das Transaction Banking in den Fokus, zu dem das Geschäft mit Zahlungsverkehr, Cash Management sowie weiteren Treasury-Lösungen gehört. Die Transaktionsbank soll künftig etwa einen Ertragsanteil von etwa 15 Prozent für die Gesamtbank beisteuern. Eine echte Verschiebung ist das allerdings nicht: Im ersten Quartal dieses Jahres waren es etwa 13 Prozent.

Das Transaction Banking steht derzeit nicht nur wegen des Niedrigzinsumfeldes unter Druck: Im ersten Quartal gingen die Erträge gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 12 Prozent auf 918 Millionen Euro zurück. Das lag unter anderem an ungünstigen Wechselkursänderungen. Im Cash Management machte sich aber auch bemerkbar, dass sich die Deutsche Bank weiterhin von Kunden trennt und sich aus gewissen Regionen zurückzieht, wie die Bank selbst schreibt.

GTB-Deutschlandchef Spiegel: „Die passenden Kunden gewinnen“

So hat sich die Deutsche Bank vor zwei Jahren aus einigen Ländern in Südamerika verabschiedet. Aber auch in Europa sank die Marktdurchdringung der Deutschen Bank einer Umfrage der Beratung Greenwich zufolge zuletzt etwas, während die anderen großen Player BNP Paribas und HSBC ihre Kundenzahl ausbauen konnten.

Michael Spiegel, Deutschlandchef der Transaktionsbank sagte dazu im vergangenen Juni gegenüber DerTreasurer: „Wir haben gar nicht den Anspruch, die meisten Kunden in Europa zu haben. Wir wollen die passenden Kunden für uns gewinnen.“ Dass das Transaction Banking unter dem neuen CEO Sewing nun zunächst einmal kommunikativ aufgewertet wird, dürfte Spiegel freuen.

Deutsche Bank setzt auf Privatkunden und Vermögensverwaltung

Von Sewings Strategieschwenk profitiert auch das Geschäft mit Privatkunden und kleinen Firmenkunden (PCB). Das Segment will der Privatkundenmann Sewing ebenso ausbauen wie die gerade erst an die Börse gebrachte Vermögensverwaltung DWS. Die Deutsche Bank hält mit 79,5 Prozent weiterhin die Mehrheit der DWS-Anteile. Konkrete Wachtsumspläne nannte Sewing aber noch nicht.

Nur so viel: Bis 2021 sollen die zwei Sparten „nachhaltig“ rund die Hälfte der Konzernerträge erwirtschaften. Gravierende Verschiebungen wären das allerdings nicht: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres trugen PCB und die Vermögensverwaltung bereits 46 Prozent der Erträge bei. Trotz diverser Rechtsstreitigkeiten und operativer Schwierigkeiten ist das Investmentbanking bis zuletzt ein guter Ertragsbringer für die Deutsche Bank – aber eben auch entsprechend eigenkapitalintensiv und volatil.

Mehr zum Umbau bei der Deutschen Bank finden Sie bei unserer Schwesterpublikation FINANCE.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Wie sich andere Banken im Transaktionsgeschäft aufstellen, erfahren Sie auf unserer Themenseite Transaction Banking im Wandel.