Fokus auf Emerging Markets

16.08.17 12:31

Deutsche Bank will Marktanteile im Trade Finance gewinnen

Von Jakob Eich

Die Deutsche Bank setzt verstärkt auf die Handelsfinanzierung und will der Konkurrenz Marktanteile wegnehmen. Dafür will das Geldhaus sein Team aufstocken und kräftig in die IT investieren, erklärt Daniel Schmand als neuer Leiter des Bereichs.

Die Deutsche Bank will in der Handelsfinanzierung wachsen. Der besondere Fokus liegt dabei auf Infrastrukturinvestments in Entwicklungsländern.

Deutsche Bank/Mario Andreya

Die Deutsche Bank will in der Handelsfinanzierung wachsen. Der besondere Fokus liegt dabei auf Infrastrukturinvestments in Entwicklungsländern.

Die Deutsche Bank will sich künftig stärker auf den Bereich Trade Finance konzentrieren. „Wir wollen in den kommenden drei Jahren Marktanteile gewinnen“, erklärte Daniel Schmand, Leiter der Handelsfinanzierung bei Deutschlands größtem Geldhaus, am heutigen Mittwochmorgen gegenüber Journalisten in Frankfurt am Main. Schmand hatte in diesem Frühjahr den Bereich der Handelsfinanzierungen im Rahmen einer größeren Personalrochade von Vorgänger Michael Spiegel übernommen.

Handelsfinanzierung: DeuBa legt Fokus auf Entwicklungsländer

Damit das Wachstum gelingt, will sich die Deutsche Bank vor allem auf die Finanzierung von Infrastrukturprojekten in Entwicklungsländern konzentrieren. Dazu zählte Schmand besonders Regionen wie Afrika, Lateinamerika, der Nahe und Mittlere Osten sowie Asien.

Das Geldhaus hält die Nachfrage nach Trade-Finance-Produkten in den Emerging Markets für groß und stützt sich dabei auch auf eine Studie der Internationalen Handelskammer und der Asiatischen Entwicklungsbank. Demnach würden derzeit jährlich angefragte Handelsfinanzierungen in Höhe von rund 1,4 Billionen Euro unerfüllt bleiben. Gerade kleine Firmen hätten in dieser Hinsicht ein Problem.

Als Beispiel für einen Wachstumarkt nennt Schmand den afrikanischen Kontinent: Dort setze die Deutsche Bank derzeit mit weiteren Kreditinstituten Projekte im Volumen von 10 Milliarden Euro um. Zudem hat die Deutsche Bank 2016 mehr als 3.000 Exporttransaktion aus Afrika heraus begleitet und über 13.500 Importtransaktionen auf den Kontinent. „Etwa ein Drittel davon kamen aus Deutschland“, sagt Schmand.

Handelsfinanzierung soll fast zweistellige Rendite abwerfen

Das Geschäft steht aber auch durch geopolitische Konflikte vor Herausforderungen: Themen wie Risikoabwägung, Know Your Customer (KYC) und Compliance sind dem Trade-Finance-Chef zufolge wichtig. „Wir wollen wachsen. Aber es muss Projekte geben, die finanzierungswürdig sind.“ Die Handelsfinanzierung solle verlässlich begleitet und abgesichert sein. Die Projekte würden nach internationalen Standards von mehreren Seiten geprüft. Alle Länder, die mit klaren Sanktionen belegt sind, seien ohnehin „No-Go-Länder“. Daher solle das Wachstum nicht abrupt stattfinden, sondern einem langfristigen Plan folgen.

In Deutschland liegt der Marktanteil der Deutschen Bank im Bereich Trade Finance derzeit im zweistelligen Prozentbereich. Nach einer Umfrage von Greenwich Associates lag die Bank 2016 in Deutschland knapp hinter der Commerzbank. „Wir haben einen bunten Strauß an Wettbewerbern“, räumt Schmand ein. Speziell nennt er die Commerzbank und Citigroup, die in Nordafrika sehr präsente BNP Paribas sowie die in Asien sehr aktive HSBC. „In der EU schrammen wir an der zweistelligen Marke entlang“ sagt Schmand. Konkrete Ziele, wie stark der Anteil steigen soll, wollte er allerdings nicht nennen.

Allerdings böten sich auch Chancen wie etwa durch den Rückzug der britischen Großbank Barclays aus Afrika. Zuvor hatte bereits die Royal Bank of Scotland ihre internationalen Aktivitäten heruntergefahren, was neben dem Cash Management auch das Trade Finance betraf. Zudem seien durchaus Kooperationen mit anderen Geldhäusern, etwa bei Konsortialkrediten, möglich, sagt Schmand.

Bei der Rendite erklärt der Trade-Finance-Chef der Deutschen Bank, peile man einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich an. „Das kommt natürlich stark auf das Risiko an. Grundsätzlich sollen sich die Projekte sollen selbst tragen.“

Deutsche Bank will ihr Trade-Finance-Team verstärken

Damit der Ausbau des Trade-Finance-Geschäfts gelingt, will die Deutsche Bank in dem Bereich auch personell aufstocken. „Wir wollen 20 bis 30 Mitarbeiter in der Handelsfinanzierung einstellen“, so Schmand.

Auch in die IT will die Deutsche Bank investieren, um eine Grundlage für das Wachstum zu legen. Dafür soll ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag in den Bereich fließen, der auch dabei helfen soll, den gestiegenen regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden.

Ein weiteres spannendes Innovationsprojekt läuft im Bereich Trade Finance: Das Geldhaus hat gemeinsam mit sechs weiteren Banken eine Blockchain-Initiative für Trade Finance ins Leben gerufen. Diese verspricht insbesondere für Mittelständler Effizienzgewinne.

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