19.03.20
Finanzen & Bilanzen

Deutsche Bank: „Wollen unserer Rolle als Risikoträger gerecht werden“

Das Coronavirus belastet die deutsche Wirtschaft. Wie die Deutsche Bank auf die Lage reagiert, und was Treasurer bei Förderkrediten beachten müssen, erklärt Stefan Bender, Chef der Unternehmensbank, im Interview.

Innerhalb weniger Wochen hat sich das Coronavirus zu einer echten Gefahr für die deutsche Wirtschaft entwickelt. Wie bewerten Sie die Lage?
Die Lage ist ernst. Es ist klar, dass wir auf eine Wirtschaftskrise zusteuern. Wie lang und wie heftig diese ausfallen wird, kann heute niemand seriös abschätzen, dafür ist die Situation zu dynamisch. Das spiegelt sich auch in unseren Gesprächen mit den Kunden wider: Waren die meisten Finanzverantwortlichen vor kurzem noch verhältnismäßig entspannt, haben die Grenzschließungen innerhalb der EU und die Ausgangssperren in Ländern wie etwa Frankreich und Spanien das Blatt gewendet: Seit dem vergangenen Wochenende hat jedes Unternehmen das Thema Corona auf der Agenda.

Liquiditätssicherung steht in der derzeitigen Situation für viele Unternehmen an erster Stelle. Welche Optionen haben Treasurer jetzt?

Wir stellen fest, dass der Finanzierungsmarkt ins Stocken geraten ist. Das trifft vor allem Unternehmen mit Private-Equity-Hintergrund, die in der Regel bereits hochverschuldet sind. Aber auch für all jene Unternehmen, die jetzt refinanzieren müssen, wird es schwieriger. Die Aktivität am Kapitalmarkt geht zurück – und auch die Konsortialbanken schauen genauer hin.

Gilt das auch für die Deutsche Bank?
Natürlich müssen wir als Bank die Corona-Widerstandsfähigkeit der Unternehmen prüfen. Wo immer möglich, wollen wir helfen, diese weiter zu erhöhen. Wir haben in China gesehen, was es bedeutet, wenn Produktionsbänder stillstehen und Lieferketten zum Erliegen kommen. Deshalb suchen wir jetzt aktiv die Gespräche mit unseren Kunden, um zu schauen, wie wir ihnen helfen können, die Krise zu meistern. 

„Ich fühle mich wohl mit dem Kreditbuch“

Das heißt, dass sie zusätzliche finanzielle Unterstützung zusagen, wenn nötig?
Klar ist: Wir werden unseren Kunden auch in schwierigen Zeiten beistehen und wollen unserer Rolle als Risikoträger gerecht werden. Das kann eine Erhöhung des Kreditrisikos im eigenen Buch bedeuten, aber auch eine Ausplatzierung über den Kapitalmarkt. Oder wir holen weitere Partner an Bord, wie zum Beispiel Förderbanken, private oder institutionelle Investoren.

Die Ratingagentur S&P hat gerade davor gewarnt, dass sich die Unternehmenskreditausfälle in Europa aufgrund der Coronakrise verdreifachen dürfte. Schreckt Sie diese Aussicht nicht ab?
Mir war immer wichtig, dass es in meinem Bereich kein Kreditwachstumsziel gibt. Denn es war klar, dass auch schwierigere Zeiten kommen, in denen die Bank als Risikomanager gefordert ist. Daher fühle ich mich mit dem Kreditbuch wohl und gut aufgestellt. 

„Wir stellen fest, dass der Finanzierungsmarkt ins Stocken geraten ist.“

Stefan Bender, Leiter Unternehmensbank, Deutsche Bank

Was Treasurer über das KfW-Programm wissen müssen

Am vergangenen Freitag hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz der deutschen Wirtschaft über die Förderbank KfW „unbegrenzt“ Kredite in Aussicht gestellt. Wie viele Unternehmen haben sich bei Ihnen bereits danach erkundigt?
Seit Montagvormittag erleben wir einen geradezu exponentiellen Anstieg der Anfragen in unseren Beratungscentern. Dabei geht es aber nicht nur um Förderprogramme. Viele Kunden fragen beispielsweise auch Unterstützung bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld an. Oder sie wollen wissen, wie man Bankgeschäfte sicher und effizient aus dem Homeoffice betreiben kann.

Wenn man als Unternehmen einen Kredit aus dem angekündigten KfW-Sonderprogramm beantragen will: Wie läuft das ab?
Zunächst muss man klarstellen, dass das Sonderprogramm für all die Unternehmen gilt, die wegen der Corona-Krise in Finanznöte geraten sind. Darüber hinaus passt die KfW aktuell auch ihre bestehenden Förderprogramme an, um einem breiteren Kreis von Unternehmen Zugang zu Liquidität unter den bestehenden Förderprogrammen zu ermöglichen.

„Seit Montagvormittag erleben wir einen geradezu exponentiellen Anstieg der Anfragen in unseren Beratungscentern.“

Stefan Bender, Leiter Unternehmensbank, Deutsche Bank

Inwiefern?
Die KfW hat erklärt, dass die Risikoprüfung für Kreditsummen bis zu 3 Millionen Euro ausschließlich über die Hausbank erfolgen soll. Bislang gab es eine Doppel-Prüfung durch die Hausbank und eine durch die KfW. Das ist eine Neuerung, die den Prozess sehr beschleunigen dürfte.

Und wie ist es bei Krediten über 3 Millionen Euro?
Auch für solche Beträge hat die KfW eine beschleunigte Bearbeitungszeit angekündigt, damit alle Unternehmen schnellst möglich an Liquidität kommen. Für Unternehmen, die jedoch schon in einer Notlage sind, müssen wir auch weiterhin von einer gründlichen Prüfung ausgehen, die dann entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen kann. Wir erwarten in den nächsten Tagen und Wochen fortlaufend neue Informationen von Bund, Ländern und der KfW und werden unsere Kunden entsprechend schnell informieren und beraten.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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