Welche Finanzierungsoptionen gibt es derzeit? Was können Unternehmen jetzt tun?

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26.03.20
Finanzen & Bilanzen

Die Finanzierungslage in der Coronakrise

Das Coronavirus sorgt bei vielen Unternehmen für noch nie dagewesene Herausforderungen: Woher kommt das Cash, wenn die Einnahmen nicht fließen? Ein Blick auf die aktuellen Finanzierungsoptionen.

In der Coronakrise steht bei den Unternehmen vor allem eines ganz oben auf der Liste: Liquidität für die nächsten Monate sichern. Doch die Welt der Unternehmensfinanzierung ist nun eine grundlegend andere als noch vor wenigen Wochen. Im besten Fall müssen Unternehmen für ihre Finanzierung jetzt tiefer in die Tasche greifen. Im schlimmsten Fall heißt die letzte Hoffnung Staatshilfe.

Einige Finanzierungswege stehen schon jetzt nur noch den Top-Unternehmen offen. Am Anleihe- oder Schuldscheinmarkt gibt es wenig Aktivität. Mittelständler haben kaum noch Chancen, dort an Geld zu kommen: „In so einer Phase, in der sich alle ganz stark auf „Risk Off“ einstellen, passiert wenig an diesen Märkten“, erklärt Arno Fuchs, Gründer und CEO von FCF Fox Corporate Finance, einem Finanzierungsspezialisten für den Mittelstand.

Bei der klassischen Kreditvergabe, die in Krisenzeiten umso wichtiger ist, ziehen die Konditionen deutlich an: „Wir haben in der vergangenen Woche bei einzelnen Transaktionen im Bereich der Kreditfinanzierung Verdopplungen der Kreditmargen gesehen“, berichtet Kai Frömert, Managing Director bei FCF Fox Corporate Finance. Da das vorherige Zinsniveau auf einem so extrem niedrigen Niveau lag, habe der Anstieg aber keine dramatischen Folgen: „Eine Verteuerung der Kreditmargen von 1 Prozent auf 2 Prozent stellt zwar eine Verdoppelung dar, dürfte jedoch aufgrund des zuletzt niedrigen Zinsniveau für die wenigsten Unternehmen ein Problem darstellen“, vermutet Frömert. Das gilt zumindest für solche Firmen, die vor der Krise über eine gesunde Finanzierungsstruktur verfügten.

Banken über mögliche Schwierigkeiten informieren

Auch die Liquiditätssituation der Banken sieht FCF-Experte Frömert derzeit als unproblematisch an. „Die Tatsache, dass der Bankenmarkt, anders als in der vergangenen Weltwirtschaftskrise, über ausreichend Kapital verfügen kann, heißt aber natürlich nicht, dass jedes Unternehmen jetzt noch problemlos einen Kredit oder das benötigte Kreditvolumen bekommt“, warnt der Experte. Die Banken gehen deutlich restriktiver bei der Kreditvergabe vor und sicheren sich zudem stärkere Covenants. „Angesichts des harten Wettbewerbs im Firmenkundengeschäft hatten die Banken zuletzt viel Boden gegenüber den Unternehmen verloren bis zu dem Punkt, dass Risiken teilweise nicht korrekt gepreist waren – dies wird sich nun bei nicht KfW-gedeckten Krediten wieder zugunsten der Banken verändern“, so der Experte.

Bei Unternehmen mit einem impliziten Rating im Single-B-Bereich könnte es mit neuen nicht KfW-gedeckten Krediten schwierig werden, argumentiert der Experte. Gerade hier sollten Unternehmen aktiv auf ihre Banken zugehen. „Es ist jetzt besonders wichtig, Banken als Partner und nicht als Gegner zu sehen, mögliche Probleme frühzeitig anzusprechen und Banken mit aussagekräftigen Informationen, auch Szenario-Analysen, zu versorgen“, so Frömert. Wird bald ein Covenant gerissen? Ist womöglich eine Prolongation nötig?

„Unternehmen, die bislang stark auf kurzfristige Vereinbarungen, zum Beispiel b.a.W-Linien (bis auf Weiteres-Linien) gesetzt haben, sollten nun versuchen, diese in langfristige Vereinbarungen umzuwandeln“, rät er außerdem. B.a.W.-Linien sind zwar günstiger, können von den Banken aber kurzfristig gekündigt werden.

KfW-Förderprogramme laufen an

Zusätzlich stehen den Unternehmen, die durch die Krise in Schieflage gerate sind, Kredite der Förderbank KfW für Investitionen und Betriebsmittel bereit. Seit Montag dieser Woche können diese Mittel bei den jeweiligen Hausbanken beantragt werden. Für einige Unternehmen könnte die rettende Finanzspritze aber zu spät kommen, fürchten viele. „Man wird abwarten müssen, ob die KfW dadurch die möglicherweise entstehende Kreditklemme wirklich lösen beziehungsweise verhindern kann“, so Arno Fuchs. „Noch stehen wir ganz am Anfang dieses Programms, das allerdings von der Politik im Eiltempo ins Leben gerufen worden ist“, so der Experte. Besonders schwer werde es für die Unternehmen, deren Liquidität schon zuvor auf „Kante genäht“ war.

Unternehmen, die die KfW-Hilfe in Anspruch nehmen wollen, rät Fuchs vor allem eins: gut vorbereiten. „Man muss eine umfassende Finanzplanung inklusiver historischer Zahlen vorlegen und das Geschäftsmodell intensiv erklären, den Banken eine Bonitätsprüfung durch die eingereichten Unterlagen so leicht wie möglich machen“, betont er. „Wer hier nur das Nötigste zusammenstellt, der wird möglicherweise kein oder erst zu spät Geld bekommen.“ Es werde schließlich „nichts verschenkt“.

Die Aktivseite der Bilanz prüfen

Für Unternehmen, die dringend Cash brauchen, kann der Schlüssel auch im eigenen Betrieb liegen – nämlich auf der Aktivseite der Bilanz. Eine Möglichkeit, sich schnell Liquidität zu sichern, bietet etwa  Factoring, also der Forderungsverkauf. „Zudem kann auch eine Optimierung des Lagerbestands, unter anderem durch ein Vorräte-Leasing eine Lösung sein“, sagt Marcel Lange, Vice President von FCF Fox Corporate Finance. Auch ein Immobilien Sale-and-Lease-back kann in schwieriger Lage eine Option sein.

„Insgesamt muss der Fokus nun auch auf verstärktem Management des Working-Capitals (inklusive Monitoring, Analyse und Optimierung) liegen“, betont der Finanzierungsexperte. Dass das keine leichte Aufgabe ist, in Zeiten in denen Unternehmen erstmal ihr operatives Geschäft mit hohem Home-Office-Anteil am Laufen halten müssen, ist unbestritten.

Koegler[at]derTreasurer.de

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