Illustration Sascha Duis

14.03.18
Finanzen & Bilanzen

Die Mär von den Fintech-Partnern

Banken sprechen in letzter Zeit gerne von Fintechs als Partner. Im DCM-Geschäft gilt das nicht: Credx, Firstwire & Co. greifen das Geschäftsmodell der Banken direkt an.

Es ist eine Nachricht mit Seltenheitswert: Mit der Telekom hat sich im Februar erstmals ein namhaftes deutsches Unternehmen als Kunde eines Fintechs geoutet, das sich klar als Konkurrent zu Banken positioniert. Der Dax-Konzern hat über die Plattform Credx einen Schuldschein über 50 Millionen Euro platziert. Das Fintech sieht sich als neutraler Vermittler für die Privatplatzierungen von Fremdkapitalinstrumenten und damit als „Alternative zur vorherrschenden Platzierung und Syndizierung über Banken“. Laut Credx können Unternehmen so etwa 50 Prozent der Emissionskosten sparen.

Bei den Banken kommen solche Transaktionen gar nicht gut an. Kein Wunder, widerlegen sie doch, was viele Geldhäuser gebetsmühlenartig wiederholen: Fintechs seien Partner und keine Konkurrenten. Das mag für zahlreiche Anbieter von Finanztechnologie auch gelten, etwa im Zahlungsverkehr, beim Debitorenmanagement und im Treasury-Reporting. Dort bieten B2B-Fintechs komplementäre Produkte zu Banken an, beide Seiten können von einer Kooperation profitieren: Das Fintech kann auf die Reichweite und die regulatorischen Kompetenzen der Bank (Stichwort KYC) zurückgreifen, die Bank ihren Kunden innovative Produkte anbieten.

Treasurer reagieren zurückhaltend auf die Avancen der Fintechs – noch

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Einige Start-ups wollen das Geschäftsmodell der Banken direkt attackieren. Das gilt vor allem für das Debt-Capital-Markets-Geschäft: Neben Credx sind auch die Firstwire-Gründer und ehemaligen Goldman-Sachs-Investmentbanker Michael Dreiner und Johannes Haidl mit dem Versprechen angetreten, mit ihrer Plattform „im Firmenkundengeschäft die Vermittler zu verdrängen“. In der Kommunalfinanzierung sorgt das Schweizer Fintech Loanboox bei Banken für Ärger.

Bislang ist es für diese Fintechs allerdings extrem schwierig, Kunden zu gewinnen. Sie müssen CFOs und Treasurer davon überzeugen, dass ihre Lösung es wert ist, die Banken vor den Kopf zu stoßen. In Zeiten, in denen Finanzchefs penibel darauf achten, Zusatzgeschäfte fair unter ihren Kernbanken zu verteilen, ist das alles andere als einfach.

Doch liefern die neuen Anbieter einen „Proof of Concept“, dann werden sich wie einst beim Siegeszug von 360T die Finanzentscheider auf Dauer der Kostenlogik der Fintechs nicht entziehen können. Für die Banken wäre ein Erfolg der DCM-Plattformen noch einschneidender: 360T führte zwar zu einer Margenerosion im Derivategeschäft, die Banken werden als Gegenpartei aber weiter gebraucht. Im DCM-Geschäft steht gleich ihr gesamtes Geschäftsmodell auf dem Spiel.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Welche Fintechs buhlen um die Gunst der Finanzverantwortlichen und wie reagieren die Banken? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite Fintechs im Treasury.