Unterschätze Diksussion

07.12.17 09:00

Die unklare Nachfolge von Libor und Euribor

Von Antonia Kögler

Treasurer sind bislang noch wenig auf eine mögliche Umstellung der Referenzzinsen vorbereitet. Dabei sind die Auswirkungen dieses Vorhabens auch für das Treasury enorm.

Was kommt nach Libor und Euribor? Welche Pläne setzen sich durch?

joxxxxjo/iStock/Thinkstock/Getty Images

Was kommt nach Libor und Euribor? Welche Pläne setzen sich durch?

Es war einer der ganz großen Skandale im Nachgang der Finanzkrise: Die Manipulation von Referenzzinsätzen wie dem Libor, kurz für London Interbank Offered Rate. 2021 wird es vorbei sein mit dem skandalgebeutelten Referenzzins. Auch das Ende des Euribor ist möglicherweise in Sicht, denn die Zeit drängt: Die EU-Benchmark-Verordnung besagt, dass der Referenzzins bis Ende 2019 auf Transaktionsdaten basieren muss. Bisher setzt er sich lediglich aus Einschätzungen der Banken zusammen.

Auch wenn das Ende klar ist, sind die Nachfolgelösungen weit weniger offensichtlich. Für den Sterling sind mit dem Sonia (Sterling Overnight Index Average) und für den US-Dollar mit dem SOFR (Secured Overnight Financing Rate) zwar Alternativen für den Libor Overnight gefunden worden, doch eine Lösung für längere Laufzeiten gibt es noch nicht. "Von diesen Übernachtzinssätzen ausgehend, müssen die Marktteilnehmer zunächst eine Terminkurve für längere Laufzeiten entwickeln", erklärt Thomas Epple, Head of Corporate Sales Germany & Austria im Financial Markets der ING Wholesale Bank.

Vorstoß für Euribor-Reform im Frühjahr gescheitert

In der Euro-Zone ist man noch langsamer. Erst im März ist ein Vorstoß des Europäischen Geldmarktinstituts (Emmi) gescheitert, das Erhebungsverfahren des Euribor auf ein rein transaktionsbasiertes Modell umzustellen.
Das Problem: Das Handelsvolumen zwischen den Banken am Geldmarkt ist zu gering und reicht offenbar nicht aus, um den Zins auf diesem Weg zu berechnen. Das Institut prüft nun ein Hybridmodell, bei dem Transaktionsdaten verwendet werden, bei Bedarf aber auch andere Quellen herangezogen werden können. "Im ersten Halbjahr 2018 wird das Institut eine Wirkungsanalyse durchführen, im zweiten folgt dann die Konsultation der relevanten Interessengruppen", erklärt Epple.

Im September hat die Europäische Zentralbank einen weiteren Vorschlag ins Rennen geschickt: Die Zentralbank will bis 2020 einen eigenen Geldmarktzins veröffentlichen.

Mehr über die Pläne der Zentralbank und was die Unklarheiten rund um Euribor und Libor für Treasurer bedeuten, erfahren Sie im aktuellen E-Magazin von DerTreasurer.

Koegler[at]derTreasurer.de

Bleiben Sie über Trends im Cash Management, Updates bei der Treasury-Software, Treasurer-Wechsel und alle anderen News im Treasury-Bereich auf dem Laufenden und folgen Sie uns auf Twitter.