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11.10.16 08:30

EnBW platziert Hybridanleihen in zwei Währungen

Von Antonia Kögler

Der Energiekonzern EnBW hat als erstes deutsches Unternehmen in diesem Jahr eine Hybridanleihe begeben. Mit dem nachrangigen Papier verbreitert das Unternehmen seine Investorenbasis.

Die EnBW eröffnet den deutschen Hybridmarkt.

EnBW/Uli Deck

Die EnBW eröffnet den deutschen Hybridmarkt.

EnBW macht den Anfang: Als erstes deutsches Unternehmen platziert der Energieversorger in diesem Jahr Hybridanleihen. Die Karlsruher wagen sich dabei sogar in zwei Währungsmärkte und begeben einen Bond in Euro und einen in US-Dollar. Die Bonds laufen rund 60,5 Jahre. Die Euro-Emission hat ein Volumen von 725 Millionen Euro und wird bis zum ersten Kündigungstermin im April 2022 mit 3,375 Prozent verzinst. Platziert wurde das Papier zu einem Emissionspreis von 99,399 Prozent.

Der zwei Tage zuvor platzierte US-Bond hat ein Volumen über 300 Millionen Dollar und wird mit 5,125 Prozent verzinst. Der Ausgabepreis lag bei 100 Prozent. Der Dollar-Hybrid ist auch für EnBW eine Premiere. Der Konzern hatte sich entschieden, auch diesen Markt anzuzapfen und deshalb das Volumen der Euro-Emission reduziert, teilte die HSBC mit, die gemeinsam mit BNP Paribas und J.P. Morgan die Transaktion strukturiert hat. Die Platzierung wurde außerdem von BBVA, RBS und Unicredit begleitet.

EnBW diversifiziert Investorenbasis

Mit dem Dollar-Bond, der ausschließlich Investoren außerhalb der USA angeboten wurde, konnte EnBW  die eigene Investorenbasis diversifizieren. Der Konzern war in Hongkong, Singapur und London auf Roadshow gegangen und konnte viele asiatische Investoren gewinnen. Sie machen rund 40 Prozent der Investoren bei der Dollar-Emission aus, die restlichen kommen aus der EMEA-Region.

Neben der Verbreiterung der Investorenbasis konnte EnBW mit der US-Transaktion auch den Preisvorteil nutzen, der sich im Moment auch bei herkömmlichen Anleihen zwischen Dollar- und Euro-Emissionen ergibt. Diese Chance ergriff vor kurzem auch die Deutsche Telekom (siehe Ausgabe 18-2016).

Frühere Hybridanleihe vorzeitig refinanziert

Mit den neuen Mitteln will der Energieriese bestehende Schulden refinanzieren, teilt das Unternehmen mit. Dabei fällt auch die Hybridanleihe ins Auge, die EnBW 2011 begeben und 2012 auf insgesamt 1 Milliarden Euro aufgestockt hat. Die Anleihe, die mit 7,375 Prozent aus heutiger Sicht einen stattlichen Kupon hat, kann im April 2017 von EnBW erstmals zurückgezahlt werden.

Die Struktur der neuen Bonds, die von Standard & Poor’s und Moody’s zur Hälfte als Eigenkapital anerkannt werden, entspricht im Wesentlichen dem Standard, der bereits bei den 2014 begebenen Hybridanleihen des Konzerns angewendet wurde. Allerdings verfügen die neuen Bonds über eine zusätzliche Regelung: EnBW kann die Bonds bereits drei Monate vor dem ersten Call-Termin zu par kündigen. Laut HSBC wurde diese 3-month-par-call-Option erst zum zweiten Mal von einem europäischen Hybridemittenten eingesetzt.

Koegler[at]derTreasurer.de

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