Hamburg Süd

05.07.18
Finanzen & Bilanzen

Erste Kunden nutzen Blockchain-Plattform We.trade

Nach Batavia kann nun mit We.trade die zweite Blockchain-Plattform mit Pilottransaktionen aufwarten. Der Wettbewerb um die Digitalisierung der Handelsfinanzierung verschärft sich.

We.trade verkündet einen wichtigen Meilenstein: Die Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierungen hat in den vergangenen Tagen die ersten Live-Transaktionen abgewickelt. Zehn Unternehmen haben sieben Handelstransaktionen mit Hilfe von vier Banken in fünf Ländern durchgeführt, teilte eine der initiierenden Banken mit. Diese Transaktionen seien die ersten kommerziell nutzbaren Open-Account-Trades, die die Blockchain-Technologie verwenden würden, heißt es in der Mitteilung weiter.

Damit hat We.trade den vergangenen Herbst kommunizierten leicht angepassten Zeitplan gerade noch eingehalten. Die Blockchain-Trade-Finance-Lösung, die die Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit vor eineinhalb Jahr initiiert hatten, sollte ursprünglich bereits im vergangenen Dezember starten, teilte das Bankenkonsortium Mitte Oktober 2017 mit. 

Nächster Schritt von We.trade: Netzwerk ausbauen

Nach den jetzt vollzogenen Pilottransaktionen will We.trade sein Netzwerk vergrößern: „Der nächste Schritt wird die Einbindung von weiteren Banken und ihren Kunden in Europa und darüber hinaus sein“, erklärt Roberto Mancone, Chief Operating Officer von We.trade. Die Blockchain-Plattform ist derzeit in elf europäischen Ländern verfügbar: Unternehmen aus Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und Großbritannien können das Angebot nutzen.

We.trade schließt damit zur Konkurrenz-Plattform Batavia auf. Diese Trade-Finance-Blockchain-Plattform hatte bereits Mitte April dieses Jahres mit dem deutschen Autobauer Audi und dem österreichischen Faserhersteller Lenzing erste Live-Pilottransaktionen durchgeführt. Hinter Batavia stehen die Schweizer Großbank UBS und der Technologiekonzern IBM. Seit Herbst vergangenen Jahres gehören ihr auch die Commerzbank, die österreichische Erste Group, die spanische Caixa Bank sowie die kanadische Bank of Montreal an. 

Banken forcieren Digitalisierung der Handelsfinanzierung

Zahlreiche Banken experimentieren derzeit mit der Blockchain, insbesondere im Trade-Finance-Bereich. Neben We.trade und Batavia gibt es mit Marco Polo noch eine dritte Blockchain-Plattform die sich im Markt etablieren will. Im vierten Quartal dieses Jahres planen die beteiligten Großbanken wie BNP Paribas, Commerzbank und ING gemeinsam mit Technologiespezialisten, die ersten Firmenkunden anzubinden.

Der Wille zur Digitalisierung der Handelsfinanzierung ist bei den Kreditinstituten offensichtlich da. Dem aktuellen Global Survey der Internationalen Handelskammer zufolge bieten 12 Prozent der befragten rund 250 Banken aus etwa 90 Ländern bereits digitale Lösungen zur Handelsfinanzierung an, knapp die Hälfte arbeiten derzeit an ihrer Implementierung.

Aber auch andere Marktteilnehmer testen das Potential der Blockchain. So wollen die weltgrößte Containerschiff-Reederei Maersk und der IT-Konzern IBM ebenfalls via Blockchain den globalen Handel verbessern.

Blockchain macht papierbasierte Dokumentation überflüssig

Dass so viele am Handel beteiligte Parteien das Potential der Blockchain testen, verwundert nicht. Denn durch die Digitalisierung könnten bei jeder Transaktion bis zu 100 Seiten an Unterlagen eingespart werden, prognostizierte die Internationale Handelskammer Ende Mai dieses Jahres. Ihr zufolge beruhte 2017 ein Großteil der Transaktionen von über 9 Billionen US-Dollar auf dem Austausch von Dokumenten. Nach offiziellen Schätzungen zirkulieren aktuell weltweit rund vier Milliarden Unterlagen zu Dokumentenakkreditiven.

Die Zirkulation dieser Vielzahl an Unterlagen ist mit der Blockchain nicht mehr nötig. Durch die Technologie können alle am Handel beteiligte Parteien – Exporteur, Importeur, Transporteure, die involvierten Banken, Zoll- und Steuerbehörden sowie Regulatoren und Kreditversicherer – über die dezentrale Datenbank zeitgleich auf die notwendigen Unterlagen zugreifen. Das heißt eine aufwendige papierbasierte Dokumentation wie die Bestellung oder die Rechnungsstellung ist nicht mehr notwendig. Damit würde sich die Handelsabwicklung deutlich beschleunigen und vereinfachen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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