Eine weitere Debüttransaktion kommt zu den bislang bekannten Blockchain-Erstlingen dazu.

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08.01.18
Finanzen & Bilanzen

Erste Zweitmarkt-Anleihe-Transaktion via Blockchain abgewickelt

Der Asset-Management-Arm der Privatbank Lombard Odier hat eine der ersten Zweitmarkt-Anleihe-Transaktionen komplett über die Blockchain abgewickelt. Damit konnten die Schweizer die Abwicklungskosten deutlich senken.

Lombard Odier Investment Managers (Lombard Odier IM) hat seine erste vollständige Anleihetransaktion über die Blockchain durchgeführt. Das teilte der Asset-Management-Arm der Schweizer Privatbank am heutigen Montag in London mit. Der Kauf einer Katastrophenanleihe durch das für Versicherungsverbriefungen zuständige Team gelte als einer der ersten Zweitmarkttransaktionen dieser Art, die komplett über die Blockchain abgewickelt worden sind, heißt es weiter.

Lombard Odier IM hat dabei Unternehmensangaben zufolge die Anleihe von Solidum Partners, einer auf versicherungsgebundene Anleihen spezialisierten Anlageberatungsfirma, über das Abwicklungssystem Delivery-versus-Payment (DVP) für einen eigenen Fonds erworben. Ursprünglich hatte Solidum die Anleihe im August vergangenen Jahres über eine private Blockchain an ausschließlich eingeladene Teilnehmer emittiert. Insgesamt waren laut Lombard Odier IM sechs Anlagefonds an der ursprünglichen Transaktion beteiligt.

Der Asset-Management-Arm der Schweizer Privatbank war eigenen Angaben zufolge nun die erste Partei, die sich auf dem Sekundärmarkt an der Transaktion beteiligt hat. Theoretisch könnten sich weitere Teilnehmer der Blockchain anschließen, falls sich Verkaufsopportunitäten ergeben, erklärte die Gesellschaft auf Anfrage von DerTreasurer.

Laut Solidum ist die Emission der Dom-Re-Anleihe in Höhe von 15 Millionen US-Dollar die erste private Transaktion einer Katastrophenanleihe, die auf diese Weise abgewickelt worden ist. Die Anlageberatung hat die Anleihe nach dem Berg Dom aus den Walliser Alpen benannt. Dom Re bietet Rückvericherungsschutz für Windrisiken im US Gulf.

Blockchain bietet sich für standardisierte Prozesse an

Damit gliedert sich diese Debüttransaktion in die Reihe von Blockchain-Erstlingen ein. So haben beispielsweise Commerzbank, KfW und der Vermögensmanager MEAG im vergangenen Herbst gemeinsam ein von der KfW begebenes Geldmarktwertpapier gehandelt. Diese Transaktion mit einem Euro Commercial Paper wurde parallel in einer Blockchain abgebildet.

Gerade die Wertpapierabwicklung, der Schuldschein und die Handelsfinanzierung gelten für die Anwendung der Blockchain-Technologie als prädestiniert, da die Prozesse hoch standardisiert sind. Über die dezentrale Datenbank können die Prozesse deutlich schneller und effizienter abgewickelt werden, wodurch sich die Transaktionskosten erheblich reduzieren lassen.

Das liegt am Aufbau der Blockchain: Alle an der Datenbank Beteiligten verfügen in Echtzeit über denselben Informationsstand und können die Datensätze nur gemeinsam aktualisieren. Die dezentral gespeicherten Daten werden zudem kryptografisch signiert. Damit herrscht rückwirkend volle Transparenz, Sicherheit, Datenintegrität und verteiltes Wissen.

Blockchain reduziert Abwicklungsprozess auf weinige Sekunden

Diese Vorteile nutzte auch Lombard Odier IM bei seiner Transaktion. „Die Nutzung der Blockchain-Technologie hat die Transaktionskosten im Vergleich zu anderen DVP-Abwicklungssystemen, bei denen die Kosten für Transaktionen dieser Größenordnung prohibitiv hoch sind, deutlich gesenkt“, sagt Simon Vuille, Portfolio Manager im Insurance-Linked-Strategies-Team bei Lombard Odier IM.

Die Transaktionskosten kann der Asset-Management-Arm der Schweizer Privatbank allerdings eigenen Angaben zufolge nicht genau quantifizieren. „Die Transaktion wäre jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisierbar gewesen, wäre sie auf ,traditionelle‘ Weise abgewickelt worden“, teilte Lombard Odier IM auf Anfrage von DerTreasurer mit.

Aber nicht nur die Kosten reduzieren sich, auch die Prozesse lassen sich erheblich schneller durchführen: „Die [Blockchain-] Technologie […] beschleunigte den sonst teilweise manuellen Abwicklungsprozess von normalerweise einigen Tage auf wenige Sekunden“, sagt Vuille weiter.

Rechtliche Fragen bei Blockchain bislang noch ungeklärt

Doch bis die Blockchain in den verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie in Serie gehen wird, wird noch einige Zeit vergehen. „Bis zu einer breiten kommerziellen Nutzung der Blockchain-Technologie im Finanzsektor werden noch drei bis fünf Jahre vergehen“, prognostiziert beispielsweise Jörn Tobias, Blockchain-Experte bei State Street in Deutschland, jüngst bei DerTreasurer. Denn die Regulatorik erlaube es derzeit noch nicht, eine Finanztransaktion allein über die Blockchain durchzuführen. So ist beispielsweise die Frage der rechtlichen Eigentumsübertragung in der dezentralen Datenbank noch ungeklärt.

Die derzeitigen Blockchain-Experimente dienen bislang vor allem dazu, die technische Durchführbarkeit solcher Transaktionen nachzuweisen und erste Erfahrungen zu sammeln: „Durch diese Blockchain-Transaktion haben wir mehr über die Verwendung der Technologie und die eher praktischen Aspekte, mit denen man dabei umgehen muss, erfahren“, sagt Stéphane Rey, Chief Technology Officer bei Lombard Odier IM, und fügt hinzu: „Das gilt nicht zuletzt für die rechtlichen und die Compliance-Aspekte, um nur einige zu nennen.“

Paulus[at]derTreasurer.de

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