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02.08.18
Finanzen & Bilanzen

Erstes deutsches Unternehmen nutzt Blockchain-Plattform We.trade

We.trade ist in Deutschland angekommen. Der Aachener Modehändler Navabi hat als erstes deutsches Unternehmen die Blockchain-Plattform genutzt. Jetzt soll die breite Markteinführung der Plattform für Handelsfinanzierung beginnen.

Die Blockchain-Plattform We.trade hat einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Wie die Hypovereinsbank (HVB) am heutigen Donnerstagmorgen mitteilte, ist eine erste Live-Transaktion unter der Beteiligung eines deutschen Unternehmens erfolgt. Der HVB-Kunde Navabi, ein Aachener Modehändler, hat über We.trade einen spanischen Lieferanten bezahlt. Auf der Empfängerseite war die spanische Bank Santander beteiligt. Damit macht die HVB Ernst bei der Digitalisierung der Handelsfinanzierung.

Erst vor knapp einem Monat vermeldete We.trade, dass erste Transaktionen abgewickelt wurden, an denen insgesamt zehn internationale Kunden und fünf Banken beteiligt waren. Diese Handelsgeschäfte erfolgten jedoch später als ursprünglich geplant. Eigentlich sollten bereits im Dezember 2017 erste Transaktionen abgewickelt werden. Den ersten Live-Transaktionen war eine mehrmonatige Testphase vorausgegangen.

Im September soll nun die breite Markteinführung der Plattform erfolgen, teilte die HVB heute mit. Dann werde We.trade den Unternehmenskunden der angeschlossenen Banken angeboten. Und auch auf der Bankenseite arbeitet die Plattform am Ausbau ihres Netzwerks: Noch in diesem Jahr will We.trade weitere Geldhäuser anbinden, um Unternehmen den Zugang zu bislang nicht abgedeckten internationalen Märkten zu ermöglichen.

We.trade soll Handelsfinanzierung erleichtern

We.trade wurde im Januar 2017 von sieben Banken gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit sind inzwischen Santander und Nordea hinzugestoßen. Das Konsortium arbeitet am Aufbau einer Blockchain-basierten Plattform, die die nationale und internationale Handelsfinanzierung transparenter und effektiver gestalten soll.

Unternehmen aus elf europäischen Ländern können über We.trade bereits Geschäfte tätigen. Dazu gehören Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und Großbritannien. Perspektivisch will die Plattform aber auch die wichtigen asiatischen und nordamerikanischen Märkte in den Fokus nehmen.

We.trade, Batavia und Marco Polo kämpfen miteinander

Mit der heutigen Ankündigung erreicht der Wettbewerb in der Digitalisierung der Handelsfinanzierung die nächste Phase. Zahlreiche Konsortien treiben derzeit den Ausbau von Blockchain-basierten Plattformen voran. Bisher sind es vor allem die Initiativen Batavia, Marco Polo und We.trade, die sich um den Anschluss weiterer Kunden und Banken bemühen, um sich am Ende gegen die Konkurrenten durchzusetzen.

Seit diesem Jahr hat sich der Wettbewerb unter den Plattformen zunehmend verschärft. Im April vermeldete Batavia die Abwicklung erster Pilottransaktionen. Zu den beteiligten Unternehmen zählten der deutsche Autobauer Audi und der österreichische Faserhersteller Lenzing.  

Blockchain reduziert Bürokratie

Während sich Banken insgesamt mit Blockchain-Tests zurückhalten, wie kürzlich die Beratungsgesellschaft PwC herausfand, gilt die Handelsfinanzierung vielen Beteiligten als Paradedisziplin für den Einsatz der neuartigen Technologie. Aktuell ist die nationale und internationale Handelsfinanzierung mit einem massiven bürokratischen Aufwand verbunden. Für eine Transaktion können schnell bis zu 100 Seiten an Dokumentation entstehen. Mit der Blockchain würde dieser Aufwand wegfallen, da sämtliche Dokumente digitalisiert und die Prozesse automatisiert werden.

Mehring[at]derTreasurer.de

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