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06.02.20
Finanzen & Bilanzen

Esma will Green Finance fördern

Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde Esma rückt das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus ihrer Arbeit. ESG-Kriterien sollen künftig eine entscheidende Rolle bei der Finanzmarktregulierung spielen.

Corporate Treasurer, Banken und Investoren müssen sich auf einen neuen Ansatz bei der Finanzmarktregulierung einstellen. Die EU-Wertpapieraufsichtsbehörde Esma erklärte am heutigen Donnerstag, dass sie das Thema Nachhaltigkeit künftig „in den Kern ihrer Aktivitäten“ stellen wird. In diesem Zuge werde man Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) in die Aufsichtsarbeit integrieren, so die Esma.

Esma-Chef Steven Maijoor erklärte diese Neuausrichtung der Aufsichtsaktivitäten, die sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet hatte, mit einem Wandel an den Finanzmärkten: „Investorenpräferenzen verschieben sich in Richtung grüner und sozialverantwortlicher Produkte, Nachhaltigkeitsfaktoren beeinflussen zunehmend die Risiken, Renditen und Werte von Investitionen.“ Daher sei die Esma als Wertpapieraufsicht in einer „einzigartigen Position“, das Wachstum grüner Finanzierungen voranzutreiben und zugleich den Anlegerschutz sowie stabile Finanzmärkte sicherzustellen.

Mit dieser Ankündigung folgt die Esma einer Vorgabe der EU-Kommission. Diese hatte im vergangenen Dezember unter der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen sogenannten „European Green Deal“ angekündigt. Demnach soll Europa bis 2050 klimaneutral werden. Konkrete Maßnahmen, wie dies gelingen soll, blieb die Kommission bislang zwar schuldig. Klar ist aber, dass Unternehmen, Banken und Investoren stärker in die Verantwortung genommen werden sollen. Dabei soll nun auch die Esma helfen.

Esma will Green Washing verhindern

Die neue Nachhaltigkeitsstrategie der Esma umfasst verschiedene Punkte. So will sich die Behörde, die selbst nur wenige Finanzmarktteilnehmer direkt beaufsichtigt, vor allem dafür einsetzen, dass nationale Aufsichtspraktiken mit Blick auf ESG-Kriterien harmonisiert werden. Der Fokus liege darauf, Green Washing einzudämmen – also zu verhindern, dass sich Unternehmen umweltfreundlicher darstellen, als sie es tatsächlich sind – sowie mehr Transparenz und Verlässlichkeit beim Reporting nicht-finanzieller Informationen herbeizuführen.

Die Esma will aber auch die Datenlage rund um nachhaltige Finanzierung verbessern. So wird die Brüsseler Behörde künftig verstärkt Indikatoren mit Blick auf Green Bonds, ESG-Anlagen und den EU-Emissionshandel veröffentlichen. Zudem will sie vorliegende Daten nutzen, um die finanziellen Risiken zu ermitteln, die durch den Klimawandel entstehen. Das könnte sogar so weit gehen, dass die Behörde künftig einen klimabezogenen Stresstest für verschiedene Segmente des Kapitalmarkts durchführt. 

Esma beteiligt sich an Nachhaltigkeitstaxonomie

Darüber hinaus wird die Brüsseler Behörde auch ihre bereits bestehende Arbeit in dem Bereich fortsetzen. So arbeitet die Esma derzeit gemeinsam mit der europäischen Bankenaufsicht EBA und der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA daran, ein einheitliches regulatorisches Rahmenwerk zur nachhaltigen Finanzierung zu schaffen. Für die Bereiche Risikomanagement, Anlagestrategie, Leitung und Produktentwicklung soll es künftig Transparenz- und Offenlegungsvorschriften geben. Man arbeite nun daran, die technischen Standards dafür fertigzustellen, so die Esma.

Die Esma beteiligt sich außerdem an der Entwicklung einer Nachhaltigkeitstaxonomie. Im vergangenen Juli hatte die EU-Kommission einen ersten Entwurf ihrer Definition von nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten vorgelegt. Ziel ist es, Investoren einen Kriterienkatalog an die Hand zu geben, der ihnen hilft, grüne Anlagen zu identifizieren.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Wie CFOs und Treasurer zu Green Finance stehen, erfahren Sie in einer aktuellen Befragung von FINANCE und LBBW.