Kritik an uneinheitlichem Vorgehen

05.09.16 09:00

Euribor-Floor ärgert auch Kommunen

Von Katharina Schlüter und Antonia Kögler

Viele Banken verlangen bei der Geldanlage Strafzinsen, verrechnen den negativen Zins bei Finanzierungen wegen des Euribor-Floors jedoch nicht. Davon sind auch Kommunen betroffen.

Streit um die Null: Banken ziehen nachträglich Euribor-Floors bei Kreditverträgen ein, gleichzeitig erheben viele allerdings bei der Geldanlage Strafzinsen.

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Streit um die Null: Banken ziehen nachträglich Euribor-Floors bei Kreditverträgen ein und erheben bei der Geldanlage gleichzeitig Strafzinsen.

Banken messen derzeit mit zweierlei Maß. Auf der einen Seite geben Banken den negativen Einlagenzins der Europäischen Zentralbank bei der Geldanlage als sogenannten Strafzins an ihre Unternehmenskunden weiter. Von diesem Phänomen sind nach den Großkonzernen inzwischen auch mittelständische Unternehmen betroffen. Treasurer verhandeln deshalb über Freibeträge, verteilen ihre Liquidität auf viele Schultern oder ziehen die kurzfristigen Gelder von einzelnen Häusern sogar ganz ab.

Bei variablen Krediten verrechnen die Banken den negativen Zins allerdings nicht. Der sogenannte Euribor-Floor ist mittlerweile Marktstandard. Nicht nur Unternehmen sondern auch Kommunen sind betroffen, hat eine Umfrage von Der Neue Kämmerer ergeben, eine Schwesterpublikation von DerTreasurer. Rund ein Drittel der Kämmerer, die solche variablen Kreditlinien nutzen, berichtet von einem nachträglich eingezogenen Euribor-Floor, mit dem Banken eine Verrechnung der negativen Zinsen verhindern wollen. In der Mehrheit der Fälle verhalten sich die Banken der Umfrage zufolge jedoch kooperativ und verrechnen die negativen Zinsen mit der Marge. In 17 Prozent der Fälle kam es sogar zu einer Auszahlung.

Euribor-Floor: Banken schweigen zum Umgang mit negativen Zinsen

Offiziell äußern sich die Banken allerdings nur ungern zu dem Thema, das sie lieber mit den Kunden hinter verschlossenen Türen diskutieren. Es zeigt sich: „Gute Kunden“ haben deutlich mehr Verhandlungsspielraum als diejenigen, die weniger ertragreiches Geschäft bringen.

Die rechtliche Grundlage auf die sich Banken rund um das Thema negative Zinsen beziehen, erscheint Marktexperten allerdings recht dünn. Warum Kämmerer und auch Treasurer deshalb nicht vorschnell nachträgliche Euribor-Floor-Klauseln akzeptieren sollten, und wie sich die Lage bei Payer-Swaps darstellt, erfahren Sie nach einer kurzen Registrierung umfassend in der Ausgabe 02/2016 von Der Neue Kämmerer.

Koegler[at]derTreasurer.de

Mehr zu der Herausforderungen Negativzinsen finden Sie auf der Themenseite und unserem Niedrigzinsenticker.